Obergericht
Revisionsstelle meldet Konkurs, Baulöwe erhält eine Prozess-Verschnaufpause

Die Zivilkammer des Obergerichts hat den Prozess gegen die Verantwortlichen der vor elf Jahren in Konkurs gegangenen Baufirma Meier+Jäggi Solothurn sistiert. Eine der Beklagten, die damalige Revisionsstelle von Meier+Jäggi, hatte Konkurs angemeldet.

Stefan Frech
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Im September 2002 ging auf den Baustellen von Meier+Jäggi nichts mehr (im Bild Westbahnhofstrasse Solothurn, Umbau für Loeb-Warenhaus) –180 Angestellte von Meier+Jäggi Solothurn verloren ihren Job.

Im September 2002 ging auf den Baustellen von Meier+Jäggi nichts mehr (im Bild Westbahnhofstrasse Solothurn, Umbau für Loeb-Warenhaus) –180 Angestellte von Meier+Jäggi Solothurn verloren ihren Job.

Oliver Menge

Der drohende Schadenersatz, den die Treuhand für das Baugewerbe AG mit Sitz in Zug der Klägerin bezahlen müsste, beträgt mindestens 1 Mio. Franken. Die dafür notwendige Rückstellung hat nun offenbar der seit langem nicht mehr operativ tätigen Treuhandfirma definitiv das Genick gebrochen.

Das Obergericht hat im Dezember 2012 entschieden, dass die Revisionsstelle und die drei Verwaltungsräte der Meier+Jäggi für einen allfälligen Konkursverschleppungsschaden verantwortlich sind (wir berichteten). Ob es einen solchen Schaden gab und wie hoch er ausfiel, hätte das Gericht durch ein Gutachten klären wollen. Das Verfahren wurde nun aber sistiert.

Klägerin ist zuversichtlich

Jetzt stellt sich die Frage, ob die Konkursverwaltung oder ein Gläubiger der konkursiten Treuhand für das Baugewerbe AG in das Verfahren eintreten wird, also versucht, die Klage gegen die insolvente Firma abzuwenden. Falls ja, geht der Prozess vor dem Obergericht weiter.

Falls nein, geht die Klägerin, die Luzerner Baufirma Brun AG, davon aus, dass sie trotz Konkurs die Summe beanspruchen kann, mit der die konkursite Revisionsstelle gegen Haftpflichtansprüche versichert ist. So die Aussage von Jürg Purtschert, Anwalt der Brun AG, welche 2002 die in Geldnöte geratene Meier+Jäggi gekauft hatte – und bereits drei Monate später in den Konkurs schicken musste.

Von den drei Verwaltungsräten der Meier+Jäggi heisst es, dass dort nicht mehr viel Geld zu holen ist. Die Brun AG fordert von den vier Beklagten insgesamt 6,375 Mio. Franken.