SAC Weissenstein

Rettungsübung am Bettlachstock: «Er ist schon seit Stunden überfällig»

Am Mittwoch Abend fand eine Rettungsübung des SAC Weissenstein am Bettlachberg unterhalb der Wandfluh zusammen mit der neu in Grenchen stationierten Rega statt. Es galt einen seit etlichen Stunden vermissten Berggänger zu finden.

Das Ehepaar Adi und Susi Schwab haben heute Abend eine Grillparty geplant. Adi hat seiner Frau versprochen, das in die Hand zu nehmen, doch vorher wolle er noch rasch auf den Berg. Am Mittag sagt er seiner Frau, dass er mit dem Auto zur Jagdhütte am Griengrubenweg fahren und von dort über den Bettlachstock zu seinem Vater gehen wolle, der dort oben bestattet ist. Spätestens um 15 Uhr sei er zurück und habe noch genügend Zeit, alles für den Grillabend vorzubereiten.

Um 15 Uhr taucht kein Adi auf, auch eine Stunde später nicht. Seine Frau versucht, ihn per Handy zu erreichen, doch er nimmt nicht ab. Susi Schwab ist alarmiert, denn für gewöhnlich ist ihr Mann immer erreichbar. Sie ruft ihren Bekannten an, Pepe von Roll, Rettungschef bei der Rettungsstation des SAC Solothurn und dieser alarmiert umgehend sein Team. Auch die Rega wird aufgeboten, um bei der Suche nach dem Vermissten mitzuhelfen und ihn nötigenfalls zu bergen.

Eindrücke von der Rettungsübung des SAC Weissenstein am Grenchenberg zusammen mit der neu in Grenchen stationierten Rega

Eindrücke von der Rettungsübung

Soweit die Übungsanlage der Rettungsübung des SAC Solothurn, dessen Rettungsstation der Organisation «alpinerettungbern» ARBE angeschlossen ist. Solche Rettungsübungen werden sechsmal pro Jahr durchgeführt. Pepe von Roll hat keinen seiner Teamkollegen informiert. Die 27 anwesenden Männer und Frauen wissen nicht, was auf sie zukommt. Lediglich der Treffpunkt bei der Kantonspolizei an der Werkhofstrasse wurde bekannt gegeben.

Nach einer kurzen Information über die Ausgangslage werden Einsatzleiter bestimmt und die Leute auf verschiedene Gruppen aufgeteilt. Die Idee dahinter: Das Gebiet um den Bettlachstock grossräumig absuchen und die Suchaktion nach dem Vermissten von verschiedenen Seiten in Angriff nehmen.

Um auch künftig die Zusammenarbeit mit der Rega zu intensivieren und besser zu koordinieren, hatte Pepe von Roll mit Daniel Kränzlin, Basisleiter der Rega in Grenchen telefoniert. Und es hat geklappt: Pünktlich um 17.45 Uhr landet der Helikopter auf der Wiese hinter dem Lidl. Der Airbus H125 «Ecureuil» kommt soeben von einem Einsatz im Oberland, wo es Tiere zu retten galt. Mit an Bord ist der Basisleiter selber, heute als Flughelfer.

Die Idee: Zwei der Bergretter sollen im Heli vorausfliegen und die Gegend aus der Luft absuchen. Eventuell werden sie fündig, denn obwohl man den genauen Ort nicht kennt, weiss man ungefähr, wo Adi entlang gelaufen sein muss. Die anderen Retter sollen dann mit Autos folgen und ihre abgestimmten Suchrouten ablaufen.

Der Umgang mit Helikoptern erfordert Achtsamkeit

Bevor sich alle in Bewegung setzen, wird die Übung kurz unterbrochen. Kränzlin gibt den Mitgliedern der Rettungstruppe eine kurze Instruktion im Umgang mit Helikoptern. Er zeigt, bis wo man stehen kann, wann man sich hinkauern muss, wie man korrekt in einen Heli einsteigt, insbesondere dann, wenn der Heli in steilem Gelände nur mit einer Kufe abgestützt ist und jede Gewichtsverschiebung für den Piloten spürbar ist, und ab wo der hintere Teil eines jeden Helikopters für jeden tabu ist.

Am Schluss weist der erfahrene Basisleiter die Schaulustigen, die aus den umliegenden Häusern mit ihren Kindern zur Wiese gekommen sind, sich in sicheren Abstand zu begeben, denn der Downwash des Helikopters beim Start kann ordentlich Material – Erde, kleine Steine und sonstiges Material – durch die Luft wirbeln.

Die beiden Bergretter des SAC Weissenstein, die ausgewählt wurden, besteigen den Heli und kaum geschehen, ist dieser unterwegs zum Bettleberg. Irgendwo dort liegt Adi tatsächlich, denn er und Susi sind echt und ebenfalls Mitglieder des SAC Weissenstein. Und sollte Adi bis um 22 Uhr, also bis zum Übungsabbruch nicht gefunden werden, wird ihn ein Funkspruch zum Debriefing beordern. Unverletzt, zum Glück.

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