Rettungsdienste
Thaler Kantonsräte sind über die Verlegung der Basis von Balsthal nach Oensingen verärgert

Mit der Verlegung des Ambulanzstandorts von Balsthal nach Oensingen werde die notfallmedizinische Versorgung der Region Thal-Gäu insgesamt verbessert, sagt die Solothurner Spitäler AG. Für die Thaler ein schwacher Trost.

Urs Moser
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Die neue Basis des soH-Rettungsdienstes an der Ostringstrasse in Oensingen.

Die neue Basis des soH-Rettungsdienstes an der Ostringstrasse in Oensingen.

Bruno Kissling

Im vergangenen Sommer hat die Solothurner Spitäler AG soH den dritten ihrer Rettungsdienst-Standorte (neben Solothurn und Olten) von Balsthal nach Oensingen verlegt. Thaler Kantonsräte hatten nun am Dienstag Gelegenheit, ihrem Ärger darüber Luft zu machen. Sie kritisieren eine Vernachlässigung der Randregion Thal und befürchten eine schlechtere notfallmedizinische Versorgung.

Der Regierungsrat hatte in der Beantwortung einer Interpellation von Freddy Kreuchi (FDP, Gemeindepräsident von Balsthal) Verständnis für den Entscheid der soH gezeigt. Das rettungsdienstlich zu versorgende Gebiet sei auf die Einwohnerzahlen bezogen in der Region Gäu grösser als dasjenige im Thal. Entsprechend könne mit der Verschiebung des Ambulanz-Standorts von Balsthal nach Oensingen die Versorgung der Region insgesamt verbessert werden.

Für Kreuchi ein schwacher Trost. Er kritisierte in der Ratsdebatte, dass die Verlegung in einer «Nacht-und-Nebel-Aktion» ohne Einbezug der Gemeindebehörden erfolgt sei und die Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung auf dem Buckel der Thaler Gemeinden erreicht werden soll.

Beat Künzli (SVP, Laupersdorf) sprach von einem «äusserst unsensiblen» Vorgehen und warf dem Regierungsrat eine «schönfärberische» Darstellung der Situation vor.

In 15 Minuten am Einsatzort

Die Befürchtung der Thaler: Wenn die Ambulanz in Oensingen stationiert ist, kann die 90/15-Regel wohl im Gäu, aber nicht mehr in ihrer Region eingehalten werden. Dies insbesondere, wenn sich die Ambulanz durch den Abendstau von Oensingen her durch die Klus zwängen muss. Er habe einmal einen solchen Einsatz beobachtet, das habe sich schon fast wie eine Kamikaze Fahrt angesehen, sagte Beat Künzli.

Die 90/15-Regel gibt das Ziel vor, dass bei 90 Prozent der dringlichen Fahrten das Einsatzziel in maximal 15 Minuten erreicht werden muss. Hier erwarte man zumindest, dass die Gemeinden über die Entwicklung der Zahlen auf dem Laufenden gehalten werden, forderte Rolf Jeggli (Die Mitte, Mümliswil).

Der Regierungsrat hatte sich in seiner Stellungnahme überzeugt gezeigt, dass die geforderte Quote «bei den meisten Gemeinden im Thal» weiterhin erfüllt werden kann. Man werde überprüfen, ob die Vorgaben des Leistungsauftrags mit der soH eingehalten werden und wenn nötig Massnahmen ergreifen, sicherte Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner in der Ratsdebatte am Dienstag zu.

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