Rund der Hälfte der jungen Menschen, die an der Lagerwoche teilnehmen, lebt mit einer Behinderung, die anderen nicht. Im Anderen Lager begegnen sie sich in ihrer jeweiligen Andersartigkeit mit Respekt. Und das bereits seit 25 Jahren.

Damals ist die Idee zum Anderen Lager auf Initiative von Sportförderer Edi Waldvogel entstanden, als nämlich 37 000 Menschen die von ihm vorgeschlagene Strecke von 1291 Metern – zur Erinnerung an die Gründung der Eidgenossenschaft – zurücklegten.

Der Solothurner Panathlonclub würdigte 1992 daraufhin das 700-Jahr-Jubiläum mit der Gründung eines Sportlagers, das junge Menschen mit und ohne Behinderung eine Woche lang zusammenführt. Begleitet wird die Gruppe jeweils von nahezu 50 freiwilligen Helferinnen und Helfern.

Von Tenero bis Melchtal

In den ersten Jahren trafen sich die jugendlichen Lagerteilnehmer und ihre Helfer jeweils in Tenero im Kanton Tessin. Später kam als Alternative Schwarzsee im Kanton Fribourg dazu. Im letzten Jahr wurde das Andere Lager dann in Willisau durchgeführt. Vom 12. bis 18. Juni 2016 findet das Lager im Sportcamp Melchtal statt, in einer ehemaligen Militärunterkunft. Und die Organisatoren sind durchaus zufrieden mit der neuen Lokalität, auch wenn die Turnhallen fehlen. «Wir finden aber grosszügig Platz für alle Aktivitäten», betont Bruno Huber, der von Anfang an zur Lagerleitung zählte und sich jetzt bescheiden als «Mittelbeschaffer» bezeichnet.

Das Lagerbudget beläuft sich auf 90 000 Franken, wozu immerhin 40 000 Franken durch Spenden und Sponsoren (Service Clubs, Bürgergemeinden, Privatpersonen) beigesteuert werden. Die sportfachliche Leitung liegt in den Händen von Dominic Dornbierer, der ein begeisterndes 20-köpfiges Instruktorenteam um sich versammelt hat. Damit wird es möglich, neben allen individuell wählbaren Disziplinen zu Lande wie sogar das beliebte Schwingen oder Schiessen auch Wassersport am Sarnersee anzubieten.

Dabei dürfte das gemeinsame Paddeln in einem zwölfplätzigen Kanu zum besonderen Erlebnis werden. Alle Teilnehmenden, die Lust am Fischen haben, werden durch Mitglieder des örtlichen Fischereivereins instruiert. Auch die Biker kommen zu ihrem Recht, wenn sie bei hoffentlich schönem Wetter den Sarnersee umrunden.

Die Betreuung aller Beteiligten, die Unterstützung benötigen, wird von Andrea Beer und vielen hilfreichen Händen organisiert. Und für das Freizeitprogramm samt Planung des Lagerausflugs haben sich Silvan Riccio und Melissa Aerni spannende Sachen einfallen lassen. Denn gerade bei diesen Angeboten werde der Gemeinschaftsgedanke besonders intensiv gelebt, weiss das Leitungsteam. Seit Jahren gehört Christoph Büschi als Verantwortlicher für die wichtige Administration zur Lagercrew.

Auch das Küchenmanagement für die über 150 hungrigen Mäuler der Lagergesellschaft liegt in den dauerhaft bewährten Händen von Sylvia Sailer. Mit ihren sieben Mitarbeiterinnen bereitet sie keinen «Convenience Food» sondern stets frische Ware zu, die in all den Jahren bisher immer viel Zuspruch erhielt.

Eine besondere Atmosphäre

Zu den Teilnehmenden gehören alljährlich wieder Ehemalige, die sich in dieser von vielen Seiten als «einmalig» beschriebenen Lageratmosphäre so wohlfühlen. Dies trifft sowohl für die Sportleitung, die Betreuung als auch für die bis zum Alter von 27 Jahren teilnehmenden Personen zu. Nicht vergessen werden dürfen die vielen Besucher, die diesmal unter Führung von Regierungsrat Remo Ankli und Kantonsratspräsident Albert Studer am Besuchstag (17. Juni), in das Andere Lager pilgern.

Inzwischen dürften die rund 50 jungen Leute aus den Sekundarschulen Solothurn und Balsthal, mit denen im Vorfeld bereits Begegnungstage mit ihren behinderten Lagerkollegen stattfanden, sich auf das Lager und seine vielen Möglichkeiten freuen.

Die jungen Lager-Teilnehmenden mit einer Behinderung kommen aus dem Blumenhaus Buchegg, den beiden Heilpädagogischen Sonderschulen in Balsthal und Solothurn, aus dem ZKSK in Solothurn und aus der Wohn- und Arbeitsgemeinschaft Roderis im Schwarzbubenland. Mit Bussen ab Oensingen und Solothurn findet der Hin- und Rücktransport statt.

Das eigentliche Jubiläum «25 Jahre Anderes Lager» wird am 25. September im Rahmen der HESO gefeiert.