Kommentar
René Zäch: Freier Radikaler oder Kleingeist?

Sagt Ihnen der Name René Zäch etwas? Mir auch nicht. Aber irgendjemand wird ihn schon kennen, immerhin sollte er gestern Abend den Solothurner Kunstpreis erhalten. Und so nebenbei die stolze Preissumme von 20000 Franken einstreichen.

Theodor Eckert
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Theodor Eckert, Chefredaktor der Solothurner Zeitung.

Theodor Eckert, Chefredaktor der Solothurner Zeitung.

Solothurner Zeitung

Doch, das verdient Anerkennung, wenn Künstler geehrt werden, die hart und still arbeiten, statt sich ständig medial in den Vordergrund zu rücken.

René Zäch hat sich auch an der gross angekündigten Ehrung in Grenchen nicht ins Scheinwerferlicht gedrängt. Er ist nämlich gar nicht erst erschienen. Doch damit nicht genug: Nicht einmal das Preisgeld kommt zur Auszahlung (prima, ein willkommener Zustupf an das Massnahmenpakt des Kantons?).

Künstler René Zäch mit einem seiner Werke im Kunstmuseum Solothurn.

Künstler René Zäch mit einem seiner Werke im Kunstmuseum Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Skandal, Skandal? Zumindest nach Eklat riechts. So ein Intermezzo macht sich immer und überall gut. Das belebt die Kulturszene, bewegt die Menschen, streift dem wilden Künstler den letzten Hauch von gebändigter Durchschnittlichkeit ab. Endlich wieder einmal einer, der die Hand beisst, die ihn gnädigst füttern will. Wer würde nicht vor Achtung den Hut ziehen, wenn es sich bei der Zäch’schen Aktion etwa um einen Protest gegen den Ausbau der A5 in der Witi auf acht Spuren handeln würde?

Vergessen wir das Hutziehen. Es ist viel banaler. Leider. Es ist schlichtweg peinlich: Der Herr Künstler ist lediglich über die «lausige» Einladungskarte zur Feier not amused, wie er sich aus London vernehmen lässt. Grosser, weit gereister Künstler regt sich ob provinzieller Stillosigkeit auf. Die etwas andere Art von Protest. Die etwas sonderbare Art doch noch zu breiter Publizität zu gelangen.