Der FDP-Politiker Remo Ankli vertritt nicht bloss seine Partei, er geht auch für eine ganze Region ins Rennen um die drei noch offenen Regierungssitze. Wir treffen den Gemeindepräsidenten von Beinwil an seinem Wohnort, im Restaurant Neuhüsli. Nein, gerade am Weg liegt das aus Stadtsolothurner Sicht nicht. Die geplanten 45 Minuten Fahrzeit sind schnell abgelaufen: Zuerst die verstopfte Klus, später die Haarnadelkurven über den Passwang rauf und wieder runter. Immerhin, die Schneeketten bleiben im Kofferraum. Hügelig, lieblich-ländlich, da ein Haus, dort ein Hof.

Ankli sitzt bereits in der Gaststube, an einem Vierertisch. Man kennt sich. Man kennt ihn, den Remo. Alle sind per Du. Ein Pingpong-Spiel mit lockeren Sprüchen zwischen Biergläsern auf einem Wirtshaustisch. Aber sicher werde ihr Remo in die Kantonsregierung einziehen, was das für eine Frage sei. Ein sichtlich entspannter Regierungsratskandidat nimmt es schmunzelnd zur Kenntnis. In der heimischen Atmosphäre tankt er auf.

Das kann er brauchen. Der siebenmonatige Wahlkampf sei kein Honiglecken gewesen. Unzählige Auftritte hier, Diskussionen dort - die ständige Präsenz koste Energie. Doch Ankli hat Spass daran. Er geniesse diese direkten Kontakte. Es seien viele bereichernde Begegnungen gewesen, er habe dabei auch einiges gesehen und gelernt - selbst über den Kanton, fügt er lächelnd hinzu.

Die guten Resultate erzeugten eine beruhigende Wirkung

Er ist stolz, dass die Partei ihm das Vertrauen ausgesprochen hat. Gleichzeitig spricht er von hoher Verantwortung, die er damit übernommen habe. Und wie viel Druck? Klar, das sei auch damit verbunden. Er wolle das Beste herausholen. Ankli macht kein Geheimnis daraus, dass er am 3. März sehr nervös gewesen sei. Das Mittagessen am Sonntag des ersten Wahlganges habe er jedenfalls nicht geniessen können. Die eingehenden guten Resultate hätten dann aber schnell beruhigende Wirkung gezeigt.

Ob er damit gerechnet habe, wollen wir wissen. Eine Einschätzung sei sehr schwierig gewesen. Er habe durchaus wahrgenommen, dass ihm selbst in der eigenen Partei nicht alle das gute Abschneiden zugetraut hätten. Was wäre geworden, wenn er wie der zweite SP-Mann die hohen Erwartungen nicht erfüllt hätte? Das wäre sehr bitter gewesen, dann, ja dann hätte er auch nicht weitermachen wollen.

«Guten Abend Herr Regierungsrat»

Neue Gäste tauchen zum Feierabendbier auf: «Guten Abend Herr Regierungsrat», frotzelt der eine. Hoffnung und Aufmunterung schwingen mit. Dann ein Hallo hier, ein Tschau dort. Ein gmögiges Völklein, diese Schwarzbuben. Würden sie denn bei einer Fusion der beiden Basel auch gleich nach Norden abwandern? Sicher nicht, meint Ankli. Er sehe überhaupt keinen Grund dies anzustreben. Man lebe gut damit wie es sei. Von Kantonsgrenzen spürten sie ohnehin kaum etwas. Sie seien Solothurner, auch wenn eine Ausrichtung ins Baselbiet im Alltag durchaus gegeben sei.

Apropos Schwarzbube, hat dies den Ausschlag zugunsten von «JAnkli» gegeben? Die Regionenfrage sei durchaus nicht zu vernachlässigen, meint der 40-Jährige, doch allein damit sei bei einer Majorzwahl noch kein Blumentopf zu gewinnen. Er anerkenne, dass man seiner Region sehr wohlwollend gegenüberstehe und für den Zusammenhalt des zersplitterten Kantons etwas tun wolle, doch er stehe letztlich auch für politische Positionen, die nicht an Bezirksgrenzen gebunden seien. Und, reicht dies alles am 14. April? Er hoffe es doch sehr, er sei zuversichtlich.

Dann müsste er aber jeden Tag über den Berg kurven. «Nein, dann würde ich bestimmt in Solothurn ein Zimmer nehmen, sonst geht einfach mit der Fahrerei zu viel Zeit verloren», meint er nüchtern. Und, wenn es nicht reicht? Die Enttäuschung wäre bestimmt sehr gross, schliesslich wolle man gewinnen, wenn man sich auf solche Herausforderungen einlasse.

Der katholische Theologe mit buddhistischen Ansätzen

Wie ginge es dann weiter? Ach, darüber mache er sich jetzt keine allzu grossen Gedanken. Er funktioniere ohnehin nicht so, dass er die Zukunft ständig vorausplane. Er lasse die Dinge gerne auf sich zukommen und dann müsse man halt schauen, was sich damit machen lässt. Der katholische Theologe mit buddhistischen Ansätzen - sich nicht unnötig über Dinge sorgen, die womöglich gar nicht eintreten, oder die man eh nicht beeinflussen kann? Ankli zuckt mit den Schultern und meint lachend: «Das kann man so sehen».

Remo Ankli hat die Ostertage in Jerusalem verbracht: «Eine Reise, die schon vor der Nomination geplant war», fügt er fast entschuldigend an und verweist darauf, dass dies die erste Absenz während des Wahlkampfes war. Ein letzter Schluck aus der ersten und letzten Stange Bier, dann geht er ab an die nächste Sitzung.