Die Innovationslust in der Schweiz scheint ungebrochen. Dies zeigt sich darin, dass bei der Solothurner W.A. De Vigier-Stiftung nicht weniger als 221 Projekte eingereicht worden sind. «Eine Rekordzahl», wie Geschäftsführerin Regula Buob erfreut feststellt. Aus den eingegangenen Anmeldungen hat die Fachjury schon einmal ihre «Top 16»-Kandidaten ausgewählt.

Diese 16 Projekte werden nun ein Assessment durchlaufen, samt einem vertieften Validierungsgespräch mit dem Stiftungsrat. «Dabei werden auch Aspekte wie Leadership, Teamführung und Unternehmertum als Selektionskriterien ausgelotet», beschreibt Buob das Verfahren. Mitte April stünden dann die «Top 10» fest, die am Tag der Preisverleihung – am 30. Mai – im Solothurner «Sommerhaus de Vigier» dem Publikum ihre Ideen präsentieren können. Und fünf dieser Start-ups erhalten dann tatsächlich den begehrten Jungunternehmer-Förderpreis 2018 im Betrag von je 100'000 Franken.

Jährlich eine halbe Million

«Mit 221 Anmeldungen wurden wir dieses Jahr förmlich überschwemmt», so Geschäftsführerin Regula Buob. «Vor uns auf dem Tisch lagen so viele geniale Projekte, dass wir uns im Selektionsausschuss oft fragen mussten, ob wir nicht noch mehr Start-ups auszeichnen könnten.» Doch die Stiftung, die auf das Vermächtnis des 2003 verstorbenen Solothurner Industriellen William A. «Bill» de Vigier zurückgeht, unterstützt jährlich «nur» fünf Projekte. Immerhin: Damit fördert die Stiftung junge Unternehmerinnen und Unternehmer mit dem höchstdotierten Start-up-Beitrag der Schweiz.

Das Startgeld von 100 000 Franken sei sicher ein gewichtiges Motiv für Jungunternehmer, sich um den Vigier-Preis zu bewerben. Doch, so Buob: «Vigier-Preisträger zu sein, ist inzwischen auch ein echtes Gütesiegel, das viele Türen öffnet und bei der Investorensuche nützlich ist.»

Dazu komme, dass Forscher an den Hochschulen von ihren Professoren heute aktiv auf Fördermöglichkeiten hingewiesen würden, wie sie etwa die Vigier-Stiftung bietet. Auch dies trägt laut Buob dazu bei, dass in der Schweiz je länger desto mehr und stärkere Start-ups zu verzeichnen seien. Entsprechend fänden Investoren heute – im Gegensatz zu früheren Jahren – in der Schweiz genügend interessante, unterstützungswürdige Projekte.

«Wir empfinden es als Privileg, immer wieder aus der Crème de la Crème der Schweizer Start-up-Szene aussuchen zu können, und sind uns bewusst, dass wir viele hervorragende Jungunternehmen nicht berücksichtigen können», sagt die Geschäftsführerin dazu. Glücklicherweise seien aber auch andere Stiftungen, Organisationen und private Investoren darum bemüht, hiesige Start-ups in einer frühen Phase zu unterstützen, damit sie schnell genug auf den Markt gelangen könnten.

Keine Solothurner dabei

Das Spektrum der Tätigkeitsfelder, in denen sich die «Top 16»-Projekte bewegen, ist äusserst breit. Es reicht von Bio-Fungiziden für die Landwirtschaft über die bessere Leistung von Hörgeräten in lärmiger Umgebung, die zuverlässigere und schmerzfreie Erkennung von Brustkrebs, die effizientere Speicherung von erneuerbarer Energie, die sichere Integration von Drohnen in den Luftverkehr, die Möglichkeit zur Überwachung der Wasserqualität in Echtzeit, die Schaffung von 3D-Zellkulturen für effektivere Behandlungsentscheide bis zu massgeschneiderten Exoskeletten als Alternative zum Rollstuhl.

Dass die meisten der «Top 16»-Projekte aus den Kantonen Zürich und Waadt stammen, hängt auch mit der genannten Nähe zu den Universitäten zusammen. Solothurner Bewerbungen haben es jedenfalls nicht in die engere Wahl geschafft, dafür zwei aus der bernischen Nachbarschaft: Die Acube Technology AG aus Nidau setzt auf einen erleichterten Zugang per Smartphone anstelle von Tickets und Badges; das System der Touchless Automation GmbH aus Biel kann Mikrokomponenten aller Materialien völlig berührungsfrei bewegen und verarbeiten.

10 Millionen Franken vergeben

In den 29 Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung gemäss Buob insgesamt bereits 10 Mio. Franken Startkapital vergeben. Daraus seien «rund 80 erfolgreiche Start-ups hervorgegangen, mehrere Börsengänge, einträgliche Firmenverkäufe und zahlreiche neue Arbeitsplätze», lautet die Bilanz der Stiftung.

Vom 1. Oktober bis 7. Januar 2019 können sich Jungunternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz, die nicht älter als 45 Jahre alt sind, bei der Solothurner Vigier-Stiftung bereits für die nächstjährige Preisvergabe bewerben.