Reisebranche
Ein Jahr Pandemie: Wie sich das Coronavirus auf die Reisebüros im Kanton Solothurn ausgewirkt hat

Im Jahr 2020 wurde festgestellt, dass Schweizerinnen und Schweizer grösstenteils in der Schweiz Ferien machten. Dieser Trend hat aber nachgegeben, wie eine Nachfrage bei Reisevermittelnden im ganzen Kanton Solothurn aufzeigt.

Andri Morrissey
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Der Eingang des El Travel Reisebüros in Solothurn.

Der Eingang des El Travel Reisebüros in Solothurn.

Michel Lüthi

Es ist 2020 und der erste Lockdown in der Schweiz ist in vollem Gange. Flughäfen, Bahnhöfe und Strassen sind leer und es herrscht unheimliche Stille. Die Pandemie hat die Schweiz fest im Griff. Dies hält einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung aber nicht vom Reisen ab.

Wie eine Umfrage vom Marktforschungsinstitut Innofact zeigte – dies wurde auch von diversen Schweizer Medienportalen bestätigt – machten Schweizerinnen und Schweizer im letzten Jahr vermehrt im Inland Ferien. Während von den Befragten im Jahr 2017 nur 22 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer im Inland Ferien machten, stieg die Zahl im letzten Jahr auf 52% an. Und die Hälfte der Befragten, die ins Ausland reisten, gab als Ziel ein Nachbarsland an.

Geschäft läuft bei fast allen «katastrophal»

Auch in diesem vom Coronavirus geprägten Jahr sind viele Schweizerinnen und Schweizer daran interessiert, Ferien zu machen. Aber in diesem Jahr sind die Reisemöglichkeiten durch die Risikolisten immer noch beschränkt. Dies zeigt sich bei einer Nachfrage bei diversen Reisebüros im Kanton Solothurn. Bei der Anfrage dieser Zeitung war die Situation fast eindeutig. «Katastrophal», «Arbeiten im Irrenhaus», oder «Das Geschäft ist tot» sind nur einige Beschreibungen der Reiseanbieter.

Scheinbar wollen viele Schweizerinnen und Schweizer aber wieder in die Ferien, und diesmal ein bisschen weiter weg als Deutschland, Italien, Frankreich oder Österreich. Eine grosse Hürde zeigt sich aber bei der Risikoliste der Schweiz. Dieser beinhaltet Länder, die aufgrund der epidemiologischen Lage als Risiko eingestuft werden, und wird laufend ergänzt und bearbeitet. Daher ist es schwierig, beispielsweise eine Reise nach Ägypten mehrere Wochen oder Monate im Voraus zu buchen, weil Ägypten ein paar Wochen später als Risikoland eingestuft werden könnte.

Dies zeigt sich bei einer Anfrage beim Reisebüro Seventours in Olten. Selahattin Duran beschwert sich, der jährliche Umsatz seiner Firma sei von einer halben Million auf lediglich 50'000 Franken gesunken. «Letztes Jahr gab es eine Umfrage, bei welcher viele sagten, sie wollten wieder verreisen. Man sieht jetzt, dass dies nicht der Fall ist», sagt Duran.

Bestehende Möglichkeiten, umgeben von Chaos

Die Arbeit der Reisebüros wird somit viel schwieriger, wie Heinz Schachtler vom Reisebüro Travellino in Solothurn erklärt. «Die Anfragen sind da, aber die Möglichkeiten nur sehr eingeschränkt», sagt Schachtler.

Auch Petra Hubler-Schäfer vom Reisebüro El Travel in Solothurn hat mit der Situation zu kämpfen. «Seit einem halben Jahr machen wir nur noch Buchungen, Annullierungen und neue Umbuchungen», sagt Hubler-Schäfer.

Michel Lüth

«Vor einem Jahr haben wir die Reisenden zurückgeholt, dann Step-by-Step die gebuchte Reisen annulliert oder umgebucht», ergänzt sie «Inzwischen haben wir auch wieder Neubuchungen.»

Angst vor Ansteckung

Auch Elsbeth Schnider vom Reisebüro Vollenweider in Grenchen merkt an, dass die Nachfrage durchaus da ist. «Die Menschen sind zurückhaltend, aber eigentlich wollen sie wieder verreisen», sagt Schnider. Bei Vollenweider sei beispielsweise eine Gruppenreise nach Norwegen geplant gewesen. Dies sei aber ins Wasser gefallen, aus Angst einer Ansteckung. «Von 25 Personen wollten 15 nicht auf die Reise», sagt Schnider.

Dass die pandemische Situation in allen Bereichen der Reisebranche Einfluss hat, zeigt sich auch bei einer Anfrage bei der Car-Vermittlung Born Reisen in Olten. Die einzige dauerhafte Kundschaft, die das Familiengeschäft zurzeit hat, ist die EHC Olten. Von Gruppenreisen ist bei Born gar nicht erst die Rede. Nicht einmal geschäftliche Anlässe hätten ihnen Kundschaft eingebracht, sagt Gabriela Born. «Es sind alle im Homeoffice. Firmenanlässe und Weihnachtsessen haben ja nicht stattgefunden», sagt Born.

Keine neue Trends – oder doch?

Die Unzufriedenheit der Reisevermittler spiegelt sich auch bei dem Schweizer Reiseverband SRV ab. Walter Kunz, Geschäftsführer und Pressesprecher der SRV erzählt, dass die momentanen Massnahmen des Bundesamts für Gesundheit eine grosse Hürde seien – für Reisende wie auch für Reisebüros. «Es ist sehr viel Flexibilität gefragt, weil sich die Liste der Risikoländer laufend verändert», sagt Kunz. Zurzeit arbeite die Branche bei zehn bis zwanzig Prozent des Betriebes vor der Pandemie. Zusätzlich wären, laut Kunz, im Gegensatz zum ersten Pandemie-Jahr keine Reisetrends nachweisbar.

Dem wird aber von den Reisevermittlern teilweise widersprochen. Heinz Schachtler weist beispielsweise darauf hin, dass viele seiner Kunden nun vor allem kurzfristige Reisen buchen. «Nur bei vielen fehlt das Budget aufgrund der Kurzarbeit», merkt Schachtler an. Petra Hubler-Schäfer teilt diese Beobachtung bedingt. «Menschen sind momentan so verunsichert, dass sich keine Trends bilden. Wenn, dann in der Kurzfristigkeit der Buchungen», sagt Hubler-Schäfer.

Das lange Warten auf die Corona-Impfung

Ob kurzfristige Reisebuchungen auch künftig der Fall sein werden oder es keine Risiken mehr gibt, einige Monate im Voraus zu Buchen? Dies hängt, wie fast alle Befragten bestätigen, von der Geschwindigkeit des Schweizer Impfprogramms ab. «Wir brauchen klar eine Impfung! Die Wirtschaft wieder herunterfahren ist keine Lösung», sagt Hubler-Schäfer.

Elsbeth Schnider vom Reisebüro Vollenweider und Heinz Schachtler von Travellino bestätigen die Wichtigkeit der Impfung. Schniders Kunden würden grösstenteils auf ihre Impftermine warten und Schachtler prognostiziert 2021 als ein Verlustjahr, falls die Impfung nicht rechtzeitig in einer ausreichender Menge zur Verfügung stehe. Ob es für die Branche im Jahr 2021 noch aufwärts gehen wird, weiss auch Walter Kunz nicht. «Dafür bräuchte ich eine Glaskugel. Aber ich lasse mich im positiven Sinne überraschen», sagt er.