Burgäschi
Reicht «Aus der Region» bald bis Wien?

Der Solothurner Viehhändlerverband SOVV hatte an die Generalversammlung in Burgäschi einen leitenden amtlichen Tierarzt als Referenten eingeladen.

Benildis Bentolila
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Stefan Hänni, Welschenrohr (ganz links), und Valentin Biedermann, Obergösgen (ganz rechts), Rolf Nützi, Präsident des Solothurner Viehhändlerverbands (Mitte links), und Marco Jäggi, leitender amtlicher Tierarzt (Mitte rechts).

Stefan Hänni, Welschenrohr (ganz links), und Valentin Biedermann, Obergösgen (ganz rechts), Rolf Nützi, Präsident des Solothurner Viehhändlerverbands (Mitte links), und Marco Jäggi, leitender amtlicher Tierarzt (Mitte rechts).

Benildis Bentolila

«Die Kühe haben gute Preise!» Das sagte Rolf Nützi, Präsident des Solothurner Viehhändlerverbands, am Freitagabend an der 99. Generalversammlung im Restaurant Seeblick am Burgäschisee in seiner Begrüssung. Das sei teils auch McDonald’s zu verdanken, der bis jetzt nur Schweizer Fleisch anbiete. Als Viehhändler frage er sich, ob es gut sei, so viel Fleisch zu importieren, wie dies momentan geschehe.

Immer mehr Bauernfamilien würden aufhören, Tiere zu halten, weil dieser Betriebszweig nicht mehr rentiere. Das bedeute für die Viehhändler, dass sie weniger Fleisch vermarkten können. «Nun», meinte er, «die Grenzen gehen ja auf und ich kann wohl bald mit meinem Fahrzeug Tiere in der EU holen.»

Ob die Konsumenten es goutieren würden, wenn «Aus der Region für die Region» bis Wien ausgedehnt werde, bezweifle er allerdings. Besonders auch deshalb, weil die importierte Ware medizinisch nicht so unbedenklich sei wie die Schweizer Erzeugnisse.

Fleischkontrolle im grössten Rinderschlachtbetrieb

Hiermit sprach er den Vortrag an, welcher Marco Jäggi, leitender amtlicher Tierarzt, über die Fleischkontrolle im grössten Rinderschlachtbetrieb der Schweiz (Bell Schweiz AG in Oensingen), hielt.

Er wurde eingeladen, um über dieses Thema zu reden, da die Viehhändler ihrerseits oft von ihren Kunden darauf angesprochen werden. Die Viehhändler interessierten sich dafür, nach welchen Kriterien die Tiere sowie das Fleisch beurteilt werden und aus welchen Gründen Abzüge beim Preis entstehen.

Zudem wollten sie mehr erfahren über die kritischen Punkte beim Tiertransport.

«Der Veterinärdienst kontrolliert, ob die Bestimmungen der Lebensmittel-, Tierseuchen- und Tierschutzgesetzgebung eingehalten werden und so das Schweizer Fleisch für den Konsumenten sicher ist», hielt Jäggi fest. Die Aufgaben der Fleischkontrolle sowie die Kriterien zur Beurteilung von Tier und Fleisch seien in den oben erwähnten Gesetzgebungen genau definiert, sodass es zu keinen willkürlichen Entscheiden kommen könne. Speziell wichtig sei die sogenannte obligatorische «Schlachttieruntersuchung», bei welcher jedes einzelne Tier lebend angeschaut und auf mögliche Abweichungen vom Normalen überprüft wird. Gleichzeitig wird das dazu gehörige Begleitdokument kontrolliert sowie das Tiertransport-Fahrzeug begutachtet.

Nach der Schlachtung werden bei jedem Tier die beiden Schlachthälften sowie die dazu gehörenden Organe kontrolliert; es wird also die sogenannte «Fleischuntersuchung» durchgeführt. Erst aufgrund sämtlicher vorliegender Befunde (Schlachttieruntersuchung, Fleischuntersuchung und eventuellen weiteren Untersuchungen) kann der amtliche Fachassistent beziehungsweise der Tierarzt über die Genusstauglichkeit entscheiden. Im Falle von Abweichungen vom Normalen kann der amtliche Tierarzt das Fleisch für ungeniessbar erklären. Er kann allerdings nicht nach Lust und Laune entscheiden, sondern hat sich streng an die in der entsprechenden Verordnung definierten Gründe zu halten.

Genug Platz im Transporter

Zum Schluss ging Jäggi auf die Tiertransporte ein. Er zeigte verschiedene wichtige Punkte auf, die einzuhalten seien, so beispielsweise genügend Einstreu für die Tiere, ausreichend Platz im Transporter gemäss Tierschutzverordnung, die saubere Reinigung und Desinfektion, um die Verschleppung von Tierseuchen zu verhindern. Der Referent betonte, dass vor allem dem Transport von kranken und verunfallten Tieren grosse Aufmerksamkeit zu schenken sei. Diese Tiere müssten sorgfältig und nur so weit als nötig transportiert werden.

Die Anwesenden freuten sich, dass sie zwei junge, gut ausgebildete Bauernsöhne als Mitglieder aufnehmen konnten, nämlich Stefan Hänni, Welschenrohr, und Valentin Biedermann, Obergösgen. «Seid fleissig», ermunterte sie der Präsident. «Dann habt ihr die Chance, den Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb führen zu können.»

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