Jahrbuch
Reichlich Wissen über die geschichtliche Vergangenheit des Kantons

Die Kantonsarchäologie und Denkmalpflege stellen vor, was sie 2017 geleistet, entdeckt und mitsaniert haben.

Katharina Arni-Howald
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Ein Zeuge der (besser gestellten) Wohnkultur im Bucheggberg des 19. Jahrhunderts: Der Wohnstock in Balm b. Messen.

Ein Zeuge der (besser gestellten) Wohnkultur im Bucheggberg des 19. Jahrhunderts: Der Wohnstock in Balm b. Messen.

Zur Verfügung gestellt

Die soeben erschienene, 140-seitige Publikation der kantonalen Archäologie und Denkmalpflege ist wie jedes Jahr reich an Hintergrundinformationen zu den kürzlich durchgeführten Grabungsarbeiten und Restaurierungen im Kanton Solothurn. Verständliche Texte und ein reichhaltiges Bildmaterial machen das Lesen und Betrachten zum Genuss. Rasch wird klar, dass sich ausgewiesene Fachleute den einzelnen Objekten annahmen und für die Nachwelt reichlich Wissen über die geschichtliche Vergangenheit des Kantons zusammentrugen.

Einen Höhepunkt bildet die fachgerechte Restaurierung eines herrschaftlichen Wohnstocks an der Lüterswilerstrasse in Balm bei Messen. Das Gebäude, das während eines halben Jahrhunderts ohne Heizung und Unterhalt leer stand, ist ein hervorragender Zeuge der ländlichen Bau- und Wohnkultur im Bucheggberg des 19. Jahrhunderts. Eine reiche Archivlage bestätigt, was bereits vermutet wurde: Hinter der ausführlich beschriebenen Besitzer- und Baugeschichte des mehrfach aus- und umgebauten, repräsentativen Gebäudeensembles steht eine vermögende Bauernfamilie aus der ländlichen Elite, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer regionalen Machtposition aufstieg und politische Verantwortung übernehmen konnte.

Parkähnlicher Garten

Wie Markus Schmid festhält, kommt das aussergewöhnliche, spätbarocke Gepräge des herrschaftlichen Wohnstocks vor allem bei der mittleren Fensterachse zum Ausdruck. Äusserst wertvoll sei aber auch die Ründemalerei mit Parkszenen, Figuren und floralen Elementen, schreibt der Architekt der kantonalen Denkmalpflege. Als bemerkenswert stuft er auch den parkähnlichen Garten mit einem kreisrunden Springbrunnenbecken und einem drei-stämmigen Riesen-Lebensbaum ein. Überliefert ist, dass dieser um 1900 als Zweiglein von einem Hochzeitsfest heimgebracht wurde. Dank finanziellen Beiträgen von Bund und Kanton konnte der fachgerecht restaurierte Wohnstock zusammen mit der Gartenanlage unter Schutz gestellt werden.

In neuem Glanz erstrahlt auch das Biedermeierlandhaus am Ostrand von Balsthal, das 1838 in regionaltypischem Klassizismus erbaut wurde. Dank einem massvollen Ausbau im frühen 20. Jahrhundert zeigt die ehemalige Arztvilla noch heute ihr ursprüngliches Gesicht. Mit neuen Eigentümern sind auch Farbe und Leben ins Haus zurück-gekehrt.

Ausführlich berichtet wird zudem über die Restaurierung des Hotels La Couronne in Solothurn, die neue Erkenntnisse über erste Vorgängerbauten brachte. Des weiteren wurde im Rahmen einer Innenrestaurierung die wechselvolle Geschichte der Pfarrkirche Laupersdorf aufgearbeitet.

Gesichtet wurden zudem insgesamt 237 historische Pläne, Skizzen und Ansichten für den Bau des Krematoriums auf dem Friedhof St. Katharinen in Solothurn. Diese gelangten vor einiger Zeit in den Besitz der kantonalen Denkmalpflege und ermöglichen einen grosszügigen Einblick in die Projektentwicklung und die Ideen von Solothurner Architekten.

Hinweise von Tierknochen

Was die Kantonsarchäologie betrifft, konnten in den vergangenen zwei Jahren die zahlreichen Funde aus dem römischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude im solothurnischen Erschwil ausgewertet werden. Ein interessanter Bericht ist unter anderem den 2015 im schmalen Wirtschaftstrakt gefundenen Tierknochen gewidmet. Sie geben Hinweise auf die Wirtschaftsweise und Essgewohnheiten einer ländlichen Siedlung des ausgehenden ersten und früheren zweiten Jahrhunderts nach Christus in einem Tal mitten im Jura. Für die Beweidung der steilen Hänge waren Schafe und Ziegen rund um die Fundstelle südöstlich der Baselbieter Gemeinde Laufen bestens geeignet.

Wie es scheint, machten Fleisch, Wolle und Milch den wichtigsten Wirtschaftszweig des Gehöfts aus. Was bei der Ausgrabung der überwiegend gut erhaltenen Knochen überraschte, war das Fehlen von Rinderknochen, was sehr wahrscheinlich ebenfalls mit den räumlichen Gegebenheiten zu tun hatte.

Unter Schutz gestellt

Mit der ehemaligen Schlossscheune St. Wolfgang in Balsthal, dem Haus Brosiweg 1 in Dornach und dem Freibad in Grenchen wurden drei Objekte neu unter Schutz gestellt. Das Kellerportal am Haus Schwelimatt in Oekingen dagegen wurde aus dem Schutz entlassen.
Die Publikation kann beim Amt für Archäologie und Denkmalpflege, Werkhofstrasse 55, 4500 Solothurn, für 20 Franken bezogen werden.

Antikes Salodurum: Inschrift neu gedeutet

Die bisher vorliegende Lesung einer seit rund 500 Jahren bekannten fragmentarischen Weihinschrift für die keltische Pferdegöttin Epona aus dem römischen Solothurn muss in einigen Punkten korrigiert werden. Die vielbeachtete Inschrift aus Kalkstein ist auf den 20. August des Jahres 219 n. Chr. datiert und steht im Kreuzgang des Steinmuseums in Solothurn. Sie dokumentiert die Bedeutung des antiken Salodurums als Etappenstation der Verbindungsroute zwischen Italien und dem Rheinland. Nach neuesten Lesungen heisst der Stifter der Inschrift nicht wie angenommen Magapilius Restio, sondern höchstwahrscheinlich Marcus Aurelius. Entstanden ist die Fehldeutung offenbar wegen eines abgebrochenen Stücks Stein auf der rechten Seite des Blocks, was zur Folge hatte, dass beim Namen des Stifters zwei Buchstaben verloren gingen. Gewissheit gibt es gemäss dem Historiker Andreas Kakoschke allerdings nicht. Für den im germanischen Raum mehrfach erwähnten Marcus Aurelius spricht jedoch, dass dem Legionssoldaten die Leitung des Strassenpostens in Solothurn zugewiesen war. (ka)