Da sitzen Grüne neben EDU- oder EVP-Politikerinnen und Politikern und alle ziehen am gleichen Strang – zumindest bei einem Thema. «Erneuerbar statt atomar» lautet die Empfehlung der Regionalgruppe «Nie wieder Atomkraftwerke» (NWA) des Kantons Solothurn für die kommenden Wahlen. Vertreterinnen und Vertreter von insgesamt acht Parteien steigen gemeinsam ins Boot.

«Da gilt es, breite Bündnisse zu schliessen», so Philipp Hadorn, Präsident der Regionalgruppe, zu den etwa 30 Anwesenden im Aarhof Olten.

Das Prinzip ist einfach: Unterstützt wird, wer NWA-Mitglied ist. Für 42 Kandidierende gibt die NWA Solothurn Wahlempfehlungen ab, etwas mehr als die Hälfte davon stellen SP/Juso mit insgesamt 24 NWA-Mitgliedern. Die Grünen/Jungen Grünen sind immerhin mit zehn Kandidierenden dabei, die GLP mit drei, gefolgt von BDP, CVP, EDU, EVP und FDP mit jeweils einer Parteivertretung.

«In Olten gibt es eine Energiemafia»

An der Mitgliederversammlung am zahlreichsten erschienen die Grünen/Jungen Grünen mit acht Kandidierenden. Besonders Christoph Schauwecker (Solothurn), Generalsekretär Junge Grüne Schweiz, sparte nicht mit kritischen Worten: In Olten gäbe es eine Energiemafia. Wie eine Mafia würden die Energieversorger im Hintergrund agieren, «da weiss man nie, was als Nächstes kommt.» Stefan Buchloh (Solothurn) betonte seine Sorge um den Atommüll. Heinz Flück (Solothurn) zweifelte daran, dass der Ausstiegsentscheid auch wirklich sofort durchgesetzt würde.

Und Siv Lehmann (Olten), Gewerkschaftssekretärin der Unia, meinte: «Es braucht Leute, die beharrlich sind.» Barbara Wyss Flück (Solothurn) erinnerte an ihr langjähriges Engagement in der Anti-AKW-Bewegung, indem sie ein Kinder T-Shirt präsentiert, das sie früher getragen hatte. Als einzige anwesende Regierungsratskandidatin erzählte Brigit Wyss (Solothurn) von ihrer Zeit im Nationalrat, als der Ausstieg beschlossen wurde. Dies habe ihr Hoffnung gegeben: «Ich bin überzeugt, wir werden kein AKW mehr bauen.»

Für die SP präsentierten sich fünf Kandidierende an der Mitgliederversammlung. Tvrtko Brzovic (Solothurn) betonte seine schnelle Art zu politisieren, gerade auch im Energie-Bereich. Fabian Müller (Olten) unterstrich, dass er im Kantonsrat, mehrere Aufträge bezüglich erneuerbarer Energien eingereicht habe. Fraktionskollegin Susanne Schaffner (Olten) fügte bei, wie wichtig es sei, dass die Anliegen der NWA im Kantonsrat auch finanziell gestützt werden könnten. Und Walter Schürch (Grenchen), seit 1997 im Kantonsrat, sagte: «AKW bruche mer nümme!» Einzig Urs Von Lerber (Luterbach) wich etwas von der Schiene ab, indem er meinte, Bildung sei sein Kerngeschäft, nicht Energiepolitik.

Vorstand und Budget bestätigt

Für die EDU war als Vertreter Joachim Gangl (Lostorf) vor Ort, für den Fukushima den Ausschlag für seinen Beitritt zu NWA gegeben hatte. Auch Marcel Gygax (Niedergösgen) zeigte sich als einziges Gesicht seiner Partei – der CVP-Politiker betonte seinen Schwerpunkt in erneuerbaren Energien und Bildung. Die EVP wurde von Joel Studer (Niedergösgen) vertreten, der ebenfalls ein engagiertes energiepolitisches Votum von sich gab.

War die Präsentation der unterstützten Kandidierenden ein Hauptanliegen der NWA Solothurn, kamen doch die weiteren Geschäfte nicht zu kurz. So wurde der Vorstand, bestehend aus Beat Hodel, Roberto Aletti, Corinne Thor und Philipp Hadorn einstimmig wiedergewählt und auch der Revisor Markus Schär bekam sein Amt unter Applaus ein weiteres Mal bestätigt. Zudem winkten die Anwesenden das schmale Budget ohne Gegenstimmen durch.