Soleilon
Regionale Solarstromfirma kommt nicht vom Fleck

Seit drei Jahren versuchen sich zwei Enthusiasten aus Langendorf und Grenchen im Solarstrombusiness. Doch das Internetportal "Soleilon" hat keinen Erfolg.

Andreas Toggweiler
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Die Soleilon-Homepage macht einen handgestrickten Eindruck – wie das Geschäftsmodell.

Die Soleilon-Homepage macht einen handgestrickten Eindruck – wie das Geschäftsmodell.

Die Idee hatten die beiden Initianten Peter Affolter aus Langendorf und Yves Schindler aus Grenchen schon 2009. Mit dem «häppchenweisen» Verkauf von Solarenergie übers Internet sollte den Konsumentinnen und Konsumenten klar gemacht werden, dass sie etwas tun können für die Förderung der Solarenergie, auch wenn sie nicht selber im Besitz einer Solaranlage auf dem eigenen Dach sind. Und da die meisten Schweizer Mieter sind, ist das Potenzial für die Idee durchaus vorhanden.

Die Soleilon-Idee löste einiges Medienecho aus. Denn für 20 Franken konnte man die Stromproduktion eines Solarpanels in der Grösse einer CD während eines Jahres «kaufen». Den ersten Strom lieferte Affolters Hausdach in Langendorf gleich selber. «Wir kaufen heute den Strom bei verschiedenen Produzenten, sofern sie den ökologischen Mehrwert ausweisen», erklärt Soleilon-Mitbegründer Yves Schindler auf Anfrage.

Wenig Informationen

Nachprüfbar ist das allerdings nicht. Denn Schindler macht auch auf mehrfache Nachfrage weder Angaben zu Userzahlen noch zu eingekauften Kilowattstunden. «Wir haben zurzeit etwa 1000 User», gibt schliesslich Schindlers Kompagnon Peter Affolter bekannt.

Im letzten Herbst hat Soleilon auf ein Gratisangebot umgestellt. Sponsoren würden den Kauf von Solarstrom unterstützen, sagt Schindler. Fragt man bei diesen an, wird aber bald klar, dass kein Geld fliesst. Weder von Greenpeace noch vom Papillorama Kerzers noch vom Alpamare erhält Soleilon Geld. «Und Solarstrom zu kaufen wäre für uns ohnehin zu teuer», meint Papillorama-Sprecherin Daniela Barilli. Bei Alpamare bestreitet man gar, dass überhaupt eine Partnerschaft bestehe.

Soleilon funktioniert so nicht

Peter Affolter räumt ein: Im Moment funktioniert das Modell Soleilon so nicht. Weder mit direkter Mikrovermarktung von Solarfläche noch mit Sponsoring. Dass der von den 1000 Usern «bestellte» Solarstrom von Soleilon auf eigene Rechnung eingekauft wird, muss man einfach glauben.

Der Misserfolg auch nach drei Jahren Betrieb zeigt, dass die grossflächige Vermarktung von Solarstrom auch nach Fukushima keine einfache Sache ist. «Soleilon war und ist eigentlich mehr ein Test», gibt Affolter zu. Solarstrom sei einfach noch zu teuer, meint er. Eine Marktparität der Preise sei aber absehbar.

Was passiert mit den Userdaten?

«Und dann will Soleilon bereit sein, für neue Angebote», betonen Schindler und Affolter übereinstimmend. Insbesondere wolle man durch die Direktvermarktung der «intransparenten Preisgestaltung» heutiger Solarstromanbieter etwas entgegenstellen.Soleilon selbst ist jedenfalls heute so transparent, dass man im Kleingedruckten gleich auch bekannt gibt, was mit den Log-in-Daten der User geschieht. «Die Userangaben aus dem Registrierungsprozess können von Soleilon frei verwendet werden», heisst es da. Theoretisch könnten sie somit auch weiterverkauft werden. Soleilon als solarer Staubsauger für Internetadressen? – Dies werde nicht gemacht, versichert Affolter. Eine Weitergabe der Daten erfolge bisher nur für die Vermittlung von Gutscheinen. Die angeblichen «Sponsoren» bestätigen ihrerseits, dass sie von Soleilon keine Userdaten einkaufen. Auch wenn sie ordnungsgemäss deklariert sind: solche allgemeine Geschäftsbedingungen schrecken potenzielle User wohl eher ab.

Pädagogisch durchaus sinnvolle und originelle Ansätze gibts auf «Soleilon» aber nach wie vor. So kann man den «eingekauften» Solarstrom für bestimmte Zwecke einsetzen, wenn auch nur virtuell. Man wird sich so bewusst, dass Solarpanels keine Grosskraftwerke sind. Und dass, je nach Verbraucher, die Jahresproduktion «seines» 5-Watt-Solarpanels relativ rasch aufgebraucht ist.

«Gefühl für den Stromverbrauch»

Man kann sich beispielsweise entscheiden zwischen 450 Stunden elektrisch rasieren, 3 Stunden Kaffee aus der Espressomaschine beziehen oder für eine 10-minütige Fahrt mit dem Riesenrad im Wiener Prater (und noch vielen weiteren Vorschlägen). «Wir wollen auf Soleilon auch ein Gefühl vermitteln für die Nutzung des Stroms, und welche Apparate Stromfresser sind und welche nicht», erklärt Yves Schindler.