Exportfirmen
Regionale Selbsthilfe gegen die Frankenstärke

Statt im Kampf gegen den starken Franken die Faust im Sack zu machen, beschreiten einige Exportfirmen in der Region den Weg zur Selbsthilfe. Eine gemeinsame Einkaufsgesellschaft soll die Währungsnachteile teilkompensieren.

Franz Schaible
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Die exportorientierte Industrie in der Region bündelt ihr Einkaufsvolumen, um bessere Preise zu erreichen.Archiv/AZ

Die exportorientierte Industrie in der Region bündelt ihr Einkaufsvolumen, um bessere Preise zu erreichen.Archiv/AZ

Der starke Franken bereitet der Industrie arge Bauchschmerzen. Insbesondere die Exportfirmen leiden im internationalen Wettbewerb unter dem ungünstigen Wechselkurs. Die Festlegung der Wechselkursuntergrenze auf 1.20 Franken hat zwar für eine gewisse Planungssicherheit gesorgt. «Aber die Frankenstärke ist unverändert ein grosses Problem», sagt Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso).

Hinzu kommt der so genannte «Preisaufschlag Schweiz». Es ist ein offenes Geheimnis, dass Schweizer Firmen für den Einkauf von Gütern und Dienstleistungen im EU-Raum oftmals höhere Preise bezahlen müssen als ihre Konkurrenten. Dies sei vorab für kleinere Firmen ein grosser Nachteil, erläutert Edy Käser, Geschäftsführer der Einkaufsgesellschaft Memeg AG mit Sitz in Biel. Dies im Gegensatz zu mittleren und grossen Firmen, die über ihre Tochterfirmen im Ausland zu den dort üblichen Bedingungen einkaufen können.

Nun haben einige Firmen im Kampf gegen die Währungsnachteile zur Selbsthilfe gegriffen und im Frühling die Memeg AG gegründet. Der stark gestiegene Leidensdruck habe unter anderem dazu geführt, erläutert Käser. «Gerade Maschinen- und Anlagenbauer sowie Präzisionsteilehersteller stehen unter Druck, die Kosten für die Endprodukte zu senken.» Unter dem Patronat des Branchenverbandes Swissmem habe man sich für diesen Weg entschlossen.

Die Firmen seien gezwungen, ihre Produktionsprozesse zu optimieren, um die Gestehungskosten zu senken. Dazu gehöre eben auch die günstigere Beschaffung von Teilen und/oder Baugruppen oder Dienstleistungen im Ausland. Dazu seien kleinere Firmen im Alleingang nicht im genügenden Masse in der Lage. «Der Zusammenschluss zur Einkaufsgesellschaft ermöglicht die Bündelung des Beschaffungsvolumens, um damit eine grössere Einkaufsmacht respektive günstigere Einkaufspreise zu erreichen», erläutert Käser weiter. Der schmerzhafte «Preisaufschlag Schweiz» könne zudem umgangen werden, indem die Memeg AG Tochterfirmen im EU-Raum gründe und somit vor Ort einkaufen könne. Günstige Nebeneffekte seien die Standardisierung des Beschaffungsprozesses und der Erfahrungsaustausch unter Partnern mit gleichen Interessen. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die «Vision» funktioniere. Es sei gelungen, in Teilbereichen Preiseinsparungen bis über 30 Prozent zu erreichen.

Aktuell sind der Einkaufsgesellschaft elf Firmen angeschlossen. Namen will Käser, der seit 35 Jahren in der Maschinenbaubranche tätig ist, keine nennen. Memeg umfasse nebst Kleinfirmen auch Grossbetriebe, die grösstenteils vorwiegend im Jurabogen angesiedelt seien, das heisst in den Kantonen Bern, Solothurn, Neuenburg und Jura. Aufs Jahr hochgerechnet betrage das Einkaufsvolumen über 400 Millionen Franken, und das Umsatzvolumen liege bei über 1 Milliarde Franken. Das Interesse seitens der Branche sei gross, es gebe bereits eine Warteliste weiterer interessierter Firmen.

Die optimierung der Beschaffung sei ein wesentliches Instrument, um der Frankenstärke die Stirn zu bieten, sagt Inveso-Präsident Josef Maushart. Deshalb lobt er die Gründung der Memeg AG als sinnvolle Initiative. «Das Bündeln der Einkaufskraft ist ein gutes Mittel, damit die Industrie den Wechselkurs-Wahnsinn überstehen kann.» Denn für die Höhe der Einkaufspreise sei das Beschaffungsvolumen entscheidend. Dagegen stuft er den Einfluss des beklagten «Preisaufschlages Schweiz» auf Preisverzerrungen als deutlich tiefer ein. «Vereinzelt operieren die Firmen zwar mit zwei Preislisten, aber generell ist das nicht der Fall», beobachtet Maushart.

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