Mountainbike
Regionale Mountainbiker fahren nicht bei Olympia

Die beiden Solothurner Mountainbiker Nathalie Schneitter und Lukas Flückiger haben die Olympia-Qualifikation verpasst. Beim Rennen im französischen La Bresse fuhren sie nicht in die Ränge.

Michael Schenk
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Für Lukas Flückiger ist der Traum von London endgültig geplatzt. Key

Für Lukas Flückiger ist der Traum von London endgültig geplatzt. Key

Es war beileibe nicht das Wochenende der regionalen Mountainbike-Cracks. Sowohl für Nathalie Schneitter wie auch für Lukas Flückiger steht nach dem letzten, für die Olympia-Selektion relevanten Weltcup in La Bresse (Fr) fest, dass sie in London nicht dabei sein werden. Die weltweit führende Schweizer-Cross-Country-Biker-Fraktion fuhr in den französischen Vogesen eine Qualifikation in der Qualifikation.

Eine Art Trials, wie man sie nur von Weltmächten im Sport wie den USA kennt. «Vor dem Start», erzählt Lukas Flückiger, «hiess es, dass die besten zwei von uns in diesem Rennen an den Olympischen Spielen dabei sein werden.» So kam es, dass die Schweizer, notabene in Abwesenheit von Weltcup-Leader Nino Schurter, letztlich die Plätze drei (Näf), vier (Vogel), fünf (Giger), sechs (Sauser) und zehn (Flückiger) belegten.

Neue Ziele setzen

Letzterer fuhr lange in der Spitzengruppe mit, ehe ihn plötzlich die Macht der Gedanken einholte und platt machte. «Plötzlich wurde mir bewusst, worum es eigentlich geht; dann hat es mich weggespült», hält der 28-jährige Leimiswiler fest. Er sei förmlich zerbrochen. Die Regie über Arme und Beine übernahm in dem Moment die Tatsache, dass der Mensch ein Wesen ist, das in die Zukunft blicken kann und darum grundsätzlich immer irgendwie Angst hat, etwas zu verlieren. «Es ging ja nicht nur um die Olympischen Spiele», sagt Flückiger, «sondern auch um das Danach.»

Plötzlich hatte er vor Augen, dass eine Olympia-Teilnahme seine Aussichten, gut oder besser vom Sport leben zu können, mächtig verbessert hätte. «Ich war der mental Labilste an dem Tag und darum hat es nicht geklappt», gibt sich der Oberaargauer bemerkenswert selbstkritisch. Ein Trost, wenn auch ein schwacher, mag sein, dass sich Flückiger in jeder anderen Nation für die Olympischen Spiele qualifiziert hätte.

Trotzdem wird er sich nun nicht auf die Suche nach einer eventual-finnischen Ururgrossmutter oder einem möglich-griechischen Urgrossonkel machen, um allenfalls die Staatsbürgerschaft zu wechseln. «Nein, sicher nicht. Der Konkurrenzkampf unter den Schweizern macht uns ja letztlich so stark.» Ergo geht es für Flückiger nun darum, sich neue Ziele zu setzen. Vorab die WM Anfang September in Saalfelden. Die Olympischen Spiele wird der Berner am TV verfolgen und seinen Kollegen Schurter – und so wie es aussieht – Ralph Näf und Florian Vogel die Daumen drücken.

Highlight anderer Art

Für ein «Highlight», zumindest aus Sicht des Red-Bull-TV-Mannes, hat die Solothurnerin Nathalie Schneitter gesorgt. Die 25-Jährige, die mit einem Top-8-Rang eine letzte Chance gehabt hätte, sich für London zu qualifizieren, fabrizierte bereits in der zweiten Runde einen spektakulären Sturz. Abklärungen im Spital haben ergeben, dass die Sehne in der rechten Schulter angerissen ist. Prellungen «en masse» inklusive. «Es ist mir während der ganzen Qualifikationsphase einfach nicht gelungen, meine bestmögliche Leistung auf die Pedale zu bringen», hält die Lommiswilerin fest. Bereits der Weltcup-Auftakt in Pietermaritzburg (Rang 29.) verlief für die WM-Fünfte des Vorjahres harzig und sollte denn auch wegweisend sein.

Der 12. Rang in Nove Mesto ist ihr bestes Weltcup-Resultat heuer. An der Physis, glaubt Schneitter, habe es nicht gelegen. «Verkrampft kommt schon eher hin.» Es war ihr grosses Ziel, in London auf der Startlinie zu stehen: «Dass es jetzt nicht so ist, kann ich noch gar nicht richtig fassen.» Insofern heisst es jetzt, neue Ziele anzuvisieren. In London werden Esther Süss und Katrin Leumann die Schweizer Farben vertreten. Den olympischen Traum freilich muss die Fünfzehnte der Olympiade von Peking noch lange nicht abschreiben. Die Siegerin in La Bresse, die Norwegerin Gunn-Rita Dahle Flesjaa wird nächstes Jahr 40. Und: «Was einen nicht umhaut, macht einen stärker», findet Nathalie Schneitter bereits wieder positive Ansätze in der Tristesse.