Harter Verdrängungskampf
Regionale Möbelgeschäfte machen trotz starker Konkurrenz nicht auf Panik

Solothurner Möbelfachgeschäfte sind überzeugt, eigenständig überleben zu können. Dies zeigt eine Kurzumfrage im Nachgang zur Übernahme von Möbel Hubacher durch Möbel Pfister.

Franz Schaible
Drucken
Teilen
Möbel Pfister übernimmt Möbel Hubacher - können da regionale Geschäfte mithalten?

Möbel Pfister übernimmt Möbel Hubacher - können da regionale Geschäfte mithalten?

Keystone

Die jüngste Konsolidierung im Schweizer Möbelmarkt sei nicht unerwartet erfolgt, erklärt Moritz Messer, der mit seinem Bruder Beni die Familienfirma Messer Wohnen in Bellach in zweiter Generation führt.

Der Verdrängungskampf in der Branche sei hart und Pfister sei wohl der Einzige, der über die wirtschaftlichen Möglichkeiten für eine solche Übernahme verfüge.

Angesichts der zunehmenden Konkurrenz gelte es für einen kleineren Anbieter zu sparen und gleichzeitig die Verkaufsanstrengungen zu erhöhen. Auch dank höheren Werbemassnahmen sei es gelungen, neue Kunden zu gewinnen.

Die breite Diversifikation auf Möbel, Bodenbeläge, Vorhänge und Bettinhalte sieht Messer als Vorteil, denn ein Bereich laufe immer gut. Zwar bediene man ein anderes Kundensegment als etwa Ikea oder Conforama, aber der Wettbewerb spiele gleichwohl.

Es gebe Fälle, da kaufe ein Kunde eine Polstergruppe für 10 000 Franken, aber der Salontisch stammt vom Discounter für 38.50 Franken.

Online-Verkäufe wachsen stark

Auch der Wechselkurs sei, obwohl ein Möbelhändler eigentlich dank tieferen Importpreisen profitiere, indirekt spürbar. Er spricht den Einkaufstourismus an: «Viele Abnehmer kaufen ihre Möbel automatisch im Ausland ein, selbst wenn diese auch in der Schweiz massiv günstiger geworden sind.»

Ferner wachse der Absatz über die Online-Kanäle stark. Zwar sei der Anteil am Gesamtkuchen noch tief, aber es sei der einzige, der tatsächlich zulege.

Für ein KMU sei es wegen beschränkter Personalkapazitäten schwierig, da mitzuhalten. «Aber wir werden demnächst auch einen E-Shop eröffnen.»

Messer glaubt daran, dass sein Betrieb mit 13 Angestellten durchaus eine Überlebenschance habe. Die Beratung und ein umfassendes Dienstleistungsangebot wie Lieferung, Montage und auch Entsorgung werde wichtiger. «Genau da können wir punkten.»

Weniger vom Verdrängungskampf betroffen ist das Möbelhaus Kissling in Olten. «Wir haben uns seit langem auf Stilmöbel ausgerichtet», erklärt Jacqueline Hodel, die zusammen mit ihrem Ehemann Stephan die vor 79 Jahren gegründete Firma führt.

Das Angebot reiche von Chesterfield-Original-Sofas bis hin zu Objekten im englischen und französischen Landhausstil. Damit sei es gelungen, sich «eine einzigartige Stellung» aufzubauen.

Mit dem exklusiven Angebot spreche man eine ganz andere Kundschaft an als etwa Ikea oder Conforama aber auch Pfister mit ihren «gewöhnlichen» Möbeln.

Dank der Teilnahme an jährlich rund 15 Messen sei das Oltner Möbelhaus für seine Objekte landesweit bekannt. «Dementsprechend kommt ein Teil unserer Kundschaft auch von weit her», sagt Hodel.

So gesehen ist die Unternehmerin überzeugt, dass der Familienbetrieb mit sechs Mitarbeitenden trotz hartem Konkurrenzkampf wird eigenständig überleben können. Auch Hodel verweist auf das Dienstleistungsangebot. So biete man eine umfassende Planung und Realisierung von ganzen Inneneinrichtungskonzepten an.

Spezialisiert auf Hochpreissegment

«Wir sind vom Verdrängungskampf in der Möbelbranche nicht betroffen», hält Gregor Brechter vom Möbelhaus Brechter AG in Gerlafingen fest. Die 1906 gegründete Familienfirma habe sich frühzeitig auf den hochpreisigen Bereich ausgerichtet. Man operiere mit einem ganz anderen Kundensegment.

Auch der Einkaufstourismus sei nicht spürbar. «Wir arbeiten seit Jahren mit Euro-Preislisten. Das heisst, unser Kunde zahlt dieselben Preise wie ‹ennet› der Grenze», sagt Brechter, der die Firma mit 15 Mitarbeitenden in vierter Generation führt.

Zudem biete man mit eigenen Innenarchitekten ein breites Dienstleistungspaket, von der Planung und Einrichtung von Entrées, über Wohnzimmer bis hin zu ganzen Häusern. «Wir können als eigenständiges Möbelfachgeschäft überleben», ist er überzeugt.

Aktuelle Nachrichten