Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und den USA (siehe Kasten) wird von den Banken in der Region pragmatisch positiv beurteilt. Für Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn, ist die Vereinbarung «gut». Und zwar im Sinne, dass eine Lösung gefunden worden sei. Ob es die beste aller Möglichkeiten sei, könne er nicht beurteilen. «Wichtig ist, dass die Phase der Unsicherheit nun ein Ende nimmt.»

Als «nötigen Kompromiss» bezeichnet Gerardo Grasso, Leiter der Spar- und Leihkasse Bucheggberg in Lüterswil, das Steuerabkommen. Die Umsetzung bedeute zwar für jede Bank zusätzlichen Aufwand, aber dafür herrsche nachher Klarheit.

Diesen Aufwand macht auch die Baloise Bank SoBa geltend. Für den Finanzplatz als Ganzes möge diese Lösung unter den gegebenen Umständen als unvermeidbar erscheinen, um die nötige Rechtssicherheit wieder zu erlangen. Eine Vielzahl von - insbesondere regional tätigen - Banken wies jedoch in der relevanten Zeitperiode ein völlig unerhebliches Geschäftsvolumen mit US-Personen auf und müssten sich auch keine unseriösen Geschäftspraktiken vorwerfen lassen, erklärt Bank-SoBa-Sprecher Marco Sauser.

«Durch die getroffene Vereinbarung entsteht für diese Bankengruppe nun aber ein faktischer Zwang, sich mit dem Programm detailliert auseinander zusetzen und voraussichtlich auch daran teilzunehmen.» Dies sei mit hohem Aufwand und Kosten verbunden.

Definitive Entscheide noch offen

Inzwischen hat Markus Boss von der Bankiervereinigung und der Finanzmarktaufsicht Finma bereits Post erhalten. Welche der im Abkommen vorgesehenen Varianten man wählen werde, entscheide der Verwaltungsrat. «Wir werden aber mit grösster Wahrscheinlichkeit am Programm teilnehmen, was aber keinesfalls mit einem Schuldgeständnis gleichzusetzen ist.»

Die Finma erwarte von den Banken einen fundierten und dokumentierten Entscheid bezüglich einer allfälligen Teilnahme, ergänzt Marco Sauser. «Wir werden diese Prüfung sorgfältig vornehmen und innerhalb der gesetzten Fristen die erforderlichen Entscheide treffen.»

Die Leitung der Spar- und Leihkasse Bucheggberg will in den kommenden zwei Wochen über das weitere Vorgehen entscheiden, sagt Gerardo Grasso. Zu erwarten sei aber jetzt schon, dass man am Programm teilnehmen werde.

Alle befragten Banken sehen sich nur am Rande tangiert vom US-Steuerdeal. Als regionale Bank konzentriere man sich auf das Geschäft mit Schweizer Kunden in der Region, und das Auslandgeschäft sei nur von marginaler Bedeutung, erläutert etwa Hans Peter Schrenk, Bankleiter der Clientis Bank im Thal in Balsthal.

«Bei Geschäftsbeziehungen zu Kunden mit Bezug zu den USA haben wir frühzeitig Beschränkungen erlassen. Unsere Bank hat keine Gruppen von US-Kunden oder Kundenberater mit US-Kunden im Portefeuille von anderen Banken übernommen.»

«Persilschein» angepeilt

Die Regiobank Solothurn sieht sich, so Markus Boss, in der Gruppe 4. Sie gelte als lokal verankerte Bank, weil mindestens 98 Prozent des verwalteten Kundenvolumens (Kundengelder und Depotwerte) von Kunden aus der Schweiz und dem EU-Raum stammten.

«Zudem haben wir keine strafbaren Handlungen begangen». Man werde diese Fakten von einer neutralen Prüfgesellschaft überprüfen lassen und einen «Non-Target-Letter» beantragen. «Danach werden wir eine saubere Situation haben und von den US-Behörden sozusagen einen Persilschein erhalten.»

Auch die Bank SoBa geht davon aus, dass «sie einen ‹Non-Target-Letter› beantragen kann», sagt Marco Sauser. Seit 2009 habe man weitgehend alle US-Kundenbeziehungen abgebaut und das Geschäftsvolumen ausserhalb der EU und der Schweiz unterschreite den Grenzwert von zwei Prozent.

Bei der Spar- und Leihkasse wird geprüft, ob sich die Bank selbst der Gruppe 3 oder 4 zuordnen werde. Zwar gehöre die Bank zur Gruppe 4, aber es könnte sinnvoll sein, trotzdem die Bücher einem unabhängigen Prüfer vorzulegen, um gegenüber den US-Steuerbehörden auf der sicheren Seite zu sein.

Wesentlich sei, dass «für die lokal tätige Bank US-Kunden nie ein Zielmarkt gewesen ist und wir auch nie US-Kunden aktiv betreut haben», versichert Grasso.