Region Solothurn
Kalt und nass: Der Regensommer machte es den Störchen nicht leicht

Zerstörte Nester, Überschwemmungen, tote Jungtiere – der stürmische Juli war nicht leicht für die Störche in Altreu und ihre Brut. Zwei Mitarbeiterinnen vom Infozentrum Witi und Pro-Natura Solothurn erläutern die Hürden in der Aufzucht dieses Jahr und warum man trotz einigen Verlusten nicht allzu enttäuscht ist.

Anja Neuenschwander
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Graue Wolken über den Storchennestern.

Graue Wolken über den Storchennestern.

Hanspeter Bärtschi

Der regnerische und stürmische Juli hat den Storchenjungen in Altreu zugesetzt: Etwa vierzig von anfangs über siebzig Jungtieren hätten den Sommer nicht überlebt, informiert Ariane Hausammann von Pro-Natura Solothurn. Obwohl dies eine recht hohe Rate an toten Jungen sei, sei man doch nicht ganz unzufrieden mit der Anzahl Storchenjungen diesen Sommer.

«Wir sind froh, überhaupt siebzig Jungstörche gehabt zu haben»,

sagt Renata Gugelmann. Sie arbeitet im Infozentrum Witi in Altreu. Wie viele Junge durchschnittlich pro Jahr überleben, sei schwer zu sagen. Der Sommer 2013 beispielsweise sei ähnlich verregnet gewesen und nur drei Jungtiere hätten überlebt. Das schlechte Wetter diesen Sommer habe auch einiges an Schaden angerichtet: Etwa zehn Storchenfamilien erlitten im Mai einen Totalverlust ihrer Brut, der Sturm im Juli habe Nester zerstört und einige Horste seien sogar aufgegeben worden.

Dazu habe das nasse Wetter mit den Überschwemmungen die Nahrungssuche erschwert. Das Hauptnahrungsmittel der Störche seien dieses Jahr Regenwürmer gewesen, Insekten waren aufgrund der Nässe schwieriger zu finden. Dies bedeute eine einseitige Ernährung der Störche. Lorenz Heer beobachtete gar Deformationen an den Beinen bei zwei Storchjungen. Die beiden hätten sogenannte rachitische Beindeformationen gehabt, was von einem Vitamin-D-Mangel herrühren könnte. Die Deformationen seien aber nach einiger Zeit von selbst wieder zurückgegangen.

Eine weitere Gefahr für die Brut dieses Jahr waren die kalten Temperaturen, die mit dem Regen einhergingen. Nach etwa einem Monat, wenn der Nachwuchs eine gewisse Grösse erreicht habe, hätten die jungen Störche keinen Platz mehr unter den Flügeln der Altstörche, erklärt Gugelmann. Ihr Gefieder sei dann aber noch nicht vollständig ausgebildet und es bestehe die Gefahr, dass sie an einer Unterkühlung sterben. Dies sei in etwa, wie wenn wir uns stark erkälten würden.

«Das ideale Storchenwetter ist nicht zu nass und nicht zu trocken»,

führt Gugelmann aus. Diese Voraussetzungen seien aber, gerade im Sommer, nur selten gegeben.

Für all diejenigen Jungstörche, die die Strapazen der Brutzeit erfolgreich überstanden haben, geht es ab Mitte August ab in den Süden. Meistens ziehen sie bis etwa im Februar des nächsten Jahres Richtung Spanien, erläutern Gugelmann und Hausammann. Die neue Generation startet meist vor den Altstörchen. Die Jungstörche aus Altreu seien jetzt schon ausgeflogen, die meisten Altstörche seien aber noch da. Man beobachte zudem schweizweit eine Tendenz der Störche, in der Schweiz zu überwintern, erzählt Gugelmann. Im vergangenen Januar habe man in Altreu um die zwanzig überwinternde Tiere gezählt.

Storchenfamilie in Altreu im Jahr 2019 bei strahlendem Wetter.

Storchenfamilie in Altreu im Jahr 2019 bei strahlendem Wetter.

Hanspeter Bärtschi

Die Störche sind also teilweise das ganze Jahr über in Altreu anzutreffen. Bis Mitte Oktober kann man sich im Infozentrum Witi selbst über sie informieren, sie beobachten oder bei einer Führung mehr über sie erfahren.

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