Coop-Chef
«Region Solothurn hat Potenzial für ein solches Einkaufszentrum auf dem Kofmehl-Areal»

Peter Schmid ist Chef der Coop-Verkaufsregion Bern, zu der auch der Kanton Solothurn gehört. Im Interview spricht er über Einkaufstourismus, Discounter und Investitionen im Kanton Solothurn.

Franz Schaible
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«Der Kanton Solothurn ist keine Randregion, sondern ein wichtiger Stein im Ganzen», sagt Peter Schmid.

«Der Kanton Solothurn ist keine Randregion, sondern ein wichtiger Stein im Ganzen», sagt Peter Schmid.

Hanspeter Bärtschi

Coop hat im Grossraum Solothurn in auffallend viele Verkaufsstellen investiert. Erfolgen diese Erneuerungen im Rahmen einer Gesamtstrategie oder steht Solothurn im besonderen Blickfeld?

Peter Schmid: 2014 wurden im Zusammenhang mit der Neuorganisation der Coop-Logistik die Regionen Solothurn und Oberaargau von der Verkaufsregion Nordwestschweiz in die Verkaufsregion Bern integriert. Unsere Analyse ergab, dass in dieser Region teilweise Handlungsbedarf bezüglich Modernisierung der Verkaufsflächen bestand.

Waren also speziell die Solothurner Standorte nicht mehr à jour?

Zum Teil traf das zu. Deshalb wurden die Standorte Westring in Solothurn, Balsthal oder jener in Zuchwil umgebaut. Im Westring wird zusätzlich die Verkaufsfläche von 800 auf 1100 Quadratmeter erhöht. Die Eröffnung sollte im Sommer erfolgen. Auch für die Verkaufsstelle Brühl in der Solothurner Weststadt sind Erneuerungen angedacht. Der Standort ist nicht infrage gestellt. Es ist eigentlich ein Quartierladen, die für uns sehr wichtig sind. Wir haben das dichteste Verkaufsstellennetz aller Detailhändler der Schweiz.

Aber gerade Solothurn erweist sich für Coop als hartes Pflaster. Seit Jahren wird das Projekt eines Megastores auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal durch Einsprachen blockiert. Wird es zu einem Übungsabbruch kommen?

Es wird keinen Abbruch geben, wir halten unverändert an diesem Standort fest. Wir wollen dort einen Megastore mit über 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche, einem Restaurant und weiteren Flächen für Fremdmieter bauen.

Wann rechnen Sie mit einer Eröffnung?

Das ist schwierig vorauszusagen, aber sicher nicht vor 2020. Fest steht: Coop will dort in ein Einkaufszentrum investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.

Aber ist der Markt dafür nicht gesättigt?

Es herrscht ein schwieriges Umfeld. Wir sind aber überzeugt, dass die Region Solothurn das Potenzial für ein solches Einkaufszentrum mit einem guten Mietermix hat.

Inzwischen wurde bekannt, dass Migros in nächster Nähe ebenfalls einen neuen Standort plant. Hat das keinen Einfluss auf die Coop-Pläne?

Nein. Wir halten an unseren Plänen fest.

Wie viel hat Coop im Kanton Solothurn in den letzten Jahren investiert?

In den letzten drei Jahren haben wir insgesamt 15 Millionen Franken in die Modernisierung und Neubauten der Coop-Standorte im Kanton Solothurn investiert. Beispiele sind etwa Neubauten in Matzendorf und Oensingen.

Sind im Kanton weitere Investitionen – abgesehen von Standort Kofmehl in Solothurn – geplant?

Wir halten die Augen offen. Insbesondere sind für uns hochfrequentierte Standorte interessant, um das neue Konzept «Coop to go» – nach dem Pilotbetrieb in Zürich – weiter zu verbreiten. Angeboten werden dort ausschliesslich Take-away-Produkte. Mit dem neuen Konzept wollen wir vom rasch wachsenden Kuchen der Schnellverpflegung ein grösseres Stück abschneiden. Bis in fünf Jahren wollen wir 50 solche Läden eröffnen. Wir sind offen für die weitere Umsetzung in der Region Bern und da könnte Solothurn auch ein Standort sein. Hauptvoraussetzung sind genügend hohe Frequenzen. Zudem schauen wir kleinere Gemeinden, die sich rasch entwickeln, ganz genau an. Generell sind wir gut vertreten im Solothurnischen, aber es gibt immer Potenzial.

Welche Investitionen sind im Kanton Solothurn für 2016 budgetiert?

Für das laufende Jahr werden wir erneut stark investieren. Wir werden rund 4,5 Millionen Franken verbauen.

Bei den bisherigen Umbauten fällt auf, dass die Kühlprodukte neu in Regalen mit Türen präsentiert sind. Was bringt das?

Wir haben damit in Herzogenbuchsee gestartet und von dort aus das Konzept in unserem Verkaufsgebiet weiter verbreitet. Die Faustregel sagt, dass mit der Umstellung 20 bis 25 Prozent weniger Energie verbraucht wird. Das ist eine gewaltige Einsparung.

Wie wichtig ist der Kanton Solothurn innerhalb der Verkaufsregion Bern?

Wir erzielen in der ganzen Region mit 166 Verkaufsstellen einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Franken. Der Solothurner Umsatz beträgt rund 220 Millionen Franken, die mit 500 Angestellten in 21 Food-Verkaufsstellen und 2 Bau- und Hobby-Märkten erzielt werden. Das entspricht in etwa einem Anteil von elf Prozent. Solothurn ist also keine Randregion, sondern ein wichtiger Stein im Ganzen.

Chef von 5100 Angestellten

Coop hat die Schweiz in vier Verkaufsregionen aufgeteilt: Westschweiz, Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich, Ostschweiz-Tessin sowie Bern. Peter Schmid arbeitet seit 1983 bei der Coop-Gruppe. Seit 2001 leitet der 58-Jährige die Verkaufsregion Bern. In dieser Funktion ist er verantwortlich für 166 Retail-Verkaufsstellen mit rund 5100 Mitarbeitenden, inklusive 300 Lernenden. Er bezeichnet sich als Mann von der Front. «Ich bin praktisch wöchentlich zwei bis drei Mal in einer Verkaufsstelle. Wenn ich eine Fehlentwicklung beobachte, nehme ich direkt Einfluss.» Wichtig sei, das Ganze aus Kundensicht wahrzunehmen. Das Verkaufsgebiet reicht vom Solothurner Bezirk Thal im Norden, bis Egerkingen-Langenthal im Osten, bis Biel-Murten im Westen und bis Zermatt im Oberwallis im Süden. Die Abgrenzung verlaufe ziemlich genau entlang der Sprachgrenze, erläutert Schmid die geografische Aufteilung. «Es ist eine spannende Region, städtische, ländliche und touristische Gebiete wechseln sich ab.» Im Kanton Solothurn betreibt Coop 21 Food-Verkaufsstellen und 2 Heim- und Hobby-Märkte. Beschäftigt sind rund 500 Mitarbeitende, davon 30 Lernende. Der Kanton Solothurn wird vom Verteilzentrum Bern-Brünnen beliefert. Täglich fahren acht Sattelschlepper mit gegen 400 Paletten ins Solothurnische. (FS)

Der Konkurrenzkampf im Detailhandel hat sich mit dem Markteintritt von Lidl und Aldi verschärft. Wie ist die Verkaufsregion Bern davon betroffen?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, davon nichts zu spüren. Jeder Baum wirft Schatten. Andererseits ist mit neuen Mitbewerbern auch immer eine Befruchtung verbunden, insbesondere für das lokale Gewerbe. Gerade in kleineren Gemeinden ist es so, dass die Menschen vielleicht einmal weniger pro Woche in die nahe Stadt zum Einkaufen gehen. Aber es ist klar, die neuen Anbieter nehmen einen Teil des in etwa gleichbleibenden Kuchens weg. Wir haben rund zwei bis fünf Prozent des Umsatzes an die neuen Mitbewerber verloren.

Wie stark ist der Einfluss der Discounter auf die Coop-Preispolitik?

Das Preisgefüge wird durcheinandergewirbelt. Nicht nur durch die Discounter, sondern auch durch den Einkaufstourismus. Insgesamt wurde 2015 für rund 13 Milliarden Franken im Ausland eingekauft. Coop hat die Preisstrategie angepasst, unser Sortiment wurde für über 200 Millionen Franken verbilligt. Das geht also nicht spurlos an den Umsätzen vorbei.

Spüren Sie in Ihrem Verkaufsgebiet den Einkaufstourismus?

Unsere Verkaufsregion Bern ist logischerweise nicht gleich betroffen wie grenznahe Gebiete in der Westschweiz oder in Basel. Diese Gebiete haben natürlich mehr Umsatz ans Ausland verloren als wir. Aber der Sog vom Ausland ist auch hier spürbar. Beispielsweise in unserem Megastore im Gäupark. Wir zählen dort auf viele Kunden ennet dem Belchen, und die gehen vermehrt nach Deutschland zum Einkaufen. Und heute ist eine Stunde Autofahren auch für Solothurner oder Berner kein Hinderungsgrund mehr. Oder fahren Sie an einem Samstagmorgen mit dem Zug von Bern nach Domodossola. Da gibt es keinen einzigen freien Sitzplatz mehr. Das Verhalten der Kundschaft hat sich stark verändert, insbesondere nach der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze im Januar 2015.

Sind Preisvergleiche mit dem Ausland bei Ihren Kunden direkt im Laden ein Thema?

Eher selten. Es gibt im Gegenteil sehr viele Kunden, die nie ins Ausland einkaufen gehen, sondern ganz bewusst auf die Regionalität der Produkte setzen. Daraus erklärt sich auch der Erfolg unserer Produkte, die eben aus der Region stammen. Kein Wunder, dass inzwischen jeder Detailhändler auf diesen Zug aufspringt. Wir haben über 1000 regionale Artikel in unseren Verkaufsgestellen. Das gilt auch für den Kanton Solothurn, mit zig regionalen Produkten. Die Palette reicht vom «Öufi»-Bier, der Solothurner Torte, über Milch und Joghurts bis hin zum Wein von der Bürgergemeinde Solothurn und verschiedenen Nahrungsmitteln wie Würste, Käse oder Brot und Wein aus dem Naturpark Thal.

Welche Marktstellung hat die Coop Verkaufsregion Bern im Vergleich zu Migros?

Angepasst an die jeweiligen Verkaufsgebiete halten Coop und Migros etwas mehr als je 40 Prozent Marktanteile. Wir sind also in unserer Region in etwa gleichauf, wobei wir im vergangenen Jahr etwas zulegen konnten. Der Rest entfällt auf Denner, Volg und so weiter. Nicht einbezogen sind in diesen Zahlen Aldi und Lidl, weil dort keine regionalen Zahlen erhältlich sind. Real liegen also die Marktanteile von Coop und Migros, gemessen am gesamten Detailhandelsumsatz, leicht tiefer.