Regierungsratswahlen
«Es fehlt die Perspektive»: Die «neuen» Kandidierenden wollen endlich heraus aus der Corona-Lethargie

Im Wahltalk von Tele M1 zu den Solothurner Regierungsratswahlen gab es viel Übereinstimmung – und ein paar überraschende Einblicke ins Leben der vier neu Kandidierenden.

Balz Bruder
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Es war in der Tat keine harte Konfrontation, aber ein interessantes Aufeinandertreffen: Im Wahltalk von Tele M1 duellierten sich am Dienstagabend die Neukandidierenden für den Regierungsrat. Und zwar in zwei Paarungen: Sandra Kolly (CVP) traf auf Richard Aschberger (SVP), Peter Hodel (FDP) auf Thomas A. Müller (CVP).

Um es vorwegzunehmen: Corona war selbstredend das bestimmende Thema. Und es war offensichtlich: Das Unbehagen darüber, dass es einfach nicht vorwärts gehen will mit der Öffnung, ist weit verbreitet. Am dezidiertesten war Aschberger, der deutliche Lockerungen verlangte – sowohl für die Gastronomie als auch für die Läden. Etwas weniger ultimativ, aber doch auch klar war in diesem Punkt Müller, der ebenfalls «einen Schritt nach vorn» beliebt machte.

Menschen brauchen endlich wieder eine Perspektive

Derweil mahnten Hodel und Kolly an die Adresse der Politik insbesondere das Aufzeigen einer Perspektive für die Menschen an, denen es zunehmend aufs Gemüt schlägt, dass völlig unabsehbar ist, wie sich die Lebensumstände verändern könnten – oder eben auch nicht. Oder, mit anderen Worten: Es geht nicht «nur» um Gesundheit und Wirtschaft, sondern auch um die gesellschaftlichen Folgen der fortschreitenden Pandemie.

Was die Kandidierenden übers Impfen und einen Impfzwang sagen:

Spannend über Corona hinaus: Sowohl der FDP-Mann Hodel, Gemeindepräsident in Schönenwerd, als auch CVP-Mann Müller, Gemeindepräsident in Lostorf, aspirieren bei einer Wahl auf das frei werdende Finanzdepartement. Das könnte dann nach dem 7. März beziehungsweise nach dem 25. April eine durchaus heisse Ausmarchung im neu zusammengesetzten Gremium geben.

Und was die parteipolitische Zusammensetzung der Regierung betrifft: Alle Kandidierenden sehen ihren Anspruch in der Exekutivvertretung. Die CVP will ihre beiden Sitzen verteidigen, die FDP ihren zweiten zurückholen – und die SVP erstmals in die Exekutive einziehen. Dabei setzen die Kandidaten und die Kandidatin insbesondere auf ihr persönliches Profil, zumal es sich um eine Majorz- und nicht um eine Proporzwahl handelt.

Müller etwa meinte exemplarisch: «Es geht hier um Köpfe.» Das ist auch bei der SVP so, wobei Aschberger sich unverhohlen als «anderen Charakter» bezeichnete. Und dies auf die früheren Aspiranten auf einen Regierungsratssitz aus seiner Partei münzte.

Die Sache mit dem Tempo

Durchaus unterhaltsam schliesslich die Runde zu den persönlichen Präferenzen. Aschberger etwa verriet, dass er aus Angst vor Hackerangriffen bloss auf der Homepage der Kantonalpartei erscheint und keine eigene Internet-Seite bewirtschaftet.

Müller outete sich als Oberfasnächtler, der es zudem mit der Musik, dem Tauchen und dem Wandern hat, Hodel als «aktiver Zuschauer bei der Fasnacht» als «passiver B-Tuba-Spieler» und als Freund von Küche und Tafel, Kolly als Schweden-Fan, Nordic Walkerin und sympathisierende Landfrau.

Verbindendes Merkmal der vier: Sie wollen den Kanton voranbringen. Allerdings mit unterschiedlichen Mitteln und Tempi. Aschberger will vom «Pannenstreifen auf die Überholspur», derweil Hodel, Kolly und Müller im politischen Solothurn zwar durchaus auch eine gewisse Dynamisierung im Auge haben, aber nicht mit aufgehobenen Geschwindigkeitsbeschränkungen.