Regierungsratswahlen
Remo Ankli holte in sechs der zehn Bezirken am meisten Stimmen – und wie schnitten die anderen Kandidierenden ab?

Der Bisherigen-Bonus hat auch diesmal gewirkt: Bildungs­direktor Remo Ankli (FDP), Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss (Grüne) und Innendirektorin Susanne Schaffner (SP) sind im ersten Wahlgang durchmarschiert. Der Kampf um die zwei bisherigen CVP-Sitze geht zwischen CVP, FDP und SVP weiter. Ein Blick in die Resultate in den Bezirken.

Urs Mathys
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Gewählt: Remo Ankli geht unter Applaus auf die Bühne.

Gewählt: Remo Ankli geht unter Applaus auf die Bühne.

Peter Schneider / KEYSTONE

Remo Ankli und Brigit Wyss konnten sich am Sonntagnachmittag bereits früh beruhigt zurücklehnen: Ihre Wiederwahl war von Anfang an ein klarer Fall. Susanne Schaffner dagegen lag zwischenzeitlich unter oder nur knapp über dem absoluten Mehr von 38'980 Stimmen. Zuletzt aber verfügte sie doch über ein Polster von über 3700 Stimmen.

Beachtliche Wahlbeteiligung

Mit 43,65 Prozent lag die Wahlbeteiligung bei den Regierungsratswahlen deutlich über jener vor vier Jahren. Damals waren im ersten Wahlgang nur 34,7 Prozent der Berechtigten zur Urne gegangen, im zweiten Wahlgang dann gar bloss noch 30,7 Prozent. Zur stärkeren Beteiligung in diesem Jahr dürften die gleichzeitig stattfindenden Abstimmungen über die eidgenössischen Vorlagen – insbesondere jene zum Verhüllungsverbot – beigetragen haben. Das war auch schon vor acht Jahren, 2013, ähnlich der Fall, als die Wahlbeteiligung 42,8 Prozent betragen hatte: Damals hatte das Volk gleichzeitig unter anderem über die Abzocker-Initiative abzustimmen. (ums.)

Die Reihenfolge der Wahlresultate erstaunt nicht: Der Bildungsdirektor schuf sich in den letzten vier Jahren wenig Gelegenheiten, Fehler zu machen. Dass er an der Spitze liegen würde, war deshalb zu erwarten.

Beachtlich ist das Abschneiden der Grünen Wyss, die sich dank ihrer Konsensfähigkeiten ja sogar eine Wahlempfehlung des durch und durch bürgerlichen kantonalen Gewerbeverbandes sichern konnte.

Schaffner schliesslich hatte auszubaden, dass sie als Innen- und Gesundheitsdirektorin für manche unpopuläre Corona-Entscheide verantwortlich gemacht wurde – die erst noch schlecht kommuniziert worden sind.

Schon eher überraschend ist, dass CVP-Bewerberin Sandra Kolly nahe ans absolute Mehr herankam. Nun aber muss sie – mit ihrem Parteikollege Thomas A. Müller – im zweiten Wahlgang vom 25. April versuchen, das CVP-Erbe in der Exekutive zu verteidigen.

Harte Konkurrenz wartet dabei gleich von zwei hartnäckigen Verfolgern im Rennen: vom Freisinnigen Peter Hodel und vom SVP-Mann Richard Aschberger. Vorausgesetzt: Alle drei Parteien halten für den zweiten Wahlgang an ihren Kandidaturen fest.

Ankli in sechs, Wyss in vier Bezirken vorne

Wie schon vor vier Jahren führt Bildungsdirektor Ankli das Kandidatenfeld an. Er erzielte in sechs der zehn Bezirke am meisten Stimmen: Lebern, Bucheggberg, Thal, Gäu, Gösgen und Thierstein. In drei der übrigen Bezirke (ausser Solothurn) ging er als Zweiter aus dem Rennen.

In vier Bezirken hatte Volkswirtschaftsdirektorin Wyss die Nase vorne: In Solothurn, Wasseramt, Olten und (knapp) im Dorneck. Zweite wurde sie in Lebern, Bucheggberg, Gösgen und Thierstein.

Innendirektorin Schaffner schnitt im Stadtbezirk Solothurn auf dem 2. Platz ab, in den übrigen Regionen auf Platz 3 – ausser im Gäu, wo sie von den beiden CVP-Kandidaturen auf Platz 4 verdrängt wurde.

Die gebürtige Thalerin Sandra Kolly belegte im Thal hinter FDP-Mann Ankli den 2. Platz. Beim CVP-internen Rennen lag sie in acht Bezirken vor Thomas A. Müller, der seinerseits nur in seiner Heimatregion Gösgen vor der Parteipräsidentin lag. Den ganzen Sonntagnachmittag lang lieferte sich Müller mit dem freisinnigen Mitbewerber Peter Hodel ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den 5. Rang, das er schliesslich für sich entscheiden konnte.

Peter Hodel, der für die FDP den 2017 an die Grünen verlorenen zweiten Regierungssitz erobern soll, schnitt im Thierstein am besten ab (4.); im Bucheggberg und in Solothurn landete er auf Rang 5 (restliche 6.). Mit dem zweitletzten Platz erging es Hodel nicht viel besser als vor 2017 Marianne Meister, die bei acht Bewerbungen ebenfalls auf Rang 6 gelandet war.

Richard Aschberger siegt – in der Stadt Grenchen

Das Solothurner Regierungsratszimmer erwies sich für die SVP einmal mehr als uneinnehmbare Bastion: Ihr Kampfkandidat Richard Aschberger konnte nur gerade im Heimatbezirk Lebern und im benachbarten Bucheggberg davon profitieren, dass er neben der Grünen Wyss einziger Bewerber aus dem oberen Kantonsteil war: In beiden Regionen landete er auf dem 5. Platz, während er in allen anderen Bezirken die rote Laterne fassen musste.

Ein Blick noch auf das Abschneiden der Kandidierenden in ihren Wohngemeinden. Bei einer traumhaften Stimmbeteiligung von 66 Prozent hatte Remo Ankli in Beinwil mit 127 Stimmen die Nase vor dem zweitplatzierten Peter Hodel (73 Stimmen).

Brigit Wyss verwies in der Stadt Solothurn Mitbewerber Ankli mit einer Differenz von 767 Stimmen auf den 2. Platz; Susanne Schaffner musste sich in der Stadt Olten wegen 227 Stimmen von Brigit Wyss geschlagen geben; Susanne Kolly lag an ihrem Wohnort Neuendorf um 4 Stimmen hinter Remo Ankli; Thomas A. Müller kam in Lostorf nur auf Platz 3 (hinter Ankli und Wyss); Peter Hodel lag in Schönenwerd 10 Stimmen hinter Ankli und Richard Aschberger kann sich zumindest in Grenchen als Sieger fühlen: Er überflügelte die Zweitplatzierte Wyss mit immerhin 115 Stimmen.