Regierungsratswahlen
Klarer Fall für Sandra Kolly, und die FDP holt sich ihren zweiten Sitz zurück

Die CVP-Präsidentin lag im Rennen um die zwei noch freien Regierungssitze erwartungsgemäss klar vorne. Die CVP kann ihre Doppelvertretung aber nicht halten, in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Thomas A. Müller holte Peter Hodel den zweiten Sitz für die Freisinnigen zurück

Urs Moser
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Der neue Regierungsrat ist komplett: Peter Hodel (l.) und Sandra Kolly (r.) gesellen sich zu Remo Ankli, Susanne Schaffner und Brigit Wyss.

Der neue Regierungsrat ist komplett: Peter Hodel (l.) und Sandra Kolly (r.) gesellen sich zu Remo Ankli, Susanne Schaffner und Brigit Wyss.

Hanspeter Bärtschi

Die neue Zusammensetzung der Solothurner Regierung steht fest: Zu den Bisherigen und bereits am 7. März im Amt Bestätigten Remo Ankli (FDP), Susanne Schaffner (SP) und Brigit Wyss (Grüne) gesellen sich nach dem Abgang von Finanzdirektor Roland Heim und Baudirektor Roland Fürst (beide CVP) im Sommer CVP-Vertreterin Sandra Kolly und der Freisinnige Peter Hodel – sie seit 2009, er seit 2012 Mitglied des Kantonsrats und aktuell Fraktionschef der Freisinnigen.

Die Ausgangslage schien nach dem ersten Wahlgang so klar, dass am Ende die historische Dimension des Schlussergebnisses fast etwas in Vergessenheit gerät: Mehr als 30 Jahre nach der Wahl der ersten Solothurner Regierungsrätin (Cornelia Füeg, FDP, 1987) werden die Frauen nun in der neuen Legislatur mit der Wahl von CVP-Vertreterin Sandra Kolly erstmals die Mehrheit im Regierungsrat stellen.

Kolly verteidigte ihren Vorsprung aus dem ersten Wahlgang recht souverän, sie lag im Rennen um die zwei noch zu vergebenden Regierungssitze am Ende 9700 Stimmen vor dem Zweitplatzierten. Der grosse Wermutstropfen für die glanzvoll in den Regierungsrat gewählte CVP-Präsidentin: Das ist der freisinnige Schönenwerder Gemeindepräsident Peter Hodel – die CVP hat es nicht geschafft, ihre Doppelvertretung in der Regierung zu verteidigen.

Kolly freut sich riesig über das Resultat:

Solothurner Zeitung

Das erwartete Kopf-an-Kopf- Rennen Hodel/Müller

Aufgrund des Ergebnisses des ersten Wahlgangs Anfang März und des einigermassen desaströsen Abschneidens bei den Parlamentswahlen war es alles andere als selbstverständlich, dass es die FDP nach der Niederlage gegen die Grüne Brigit Wyss vor vier Jahren schaffen würde, sich wieder einen zweiten Regierungssitz zurückzuholen.

Im ersten Umgang war CVP-Mann Thomas A. Müller, Gemeindepräsident von Lostorf, noch ganz knapp vor Peter Hodel gelegen. Die Entscheidung fiel am Sonntag denn auch wie erwartet in einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen. Als nur noch die Stimmen aus der Stadt Olten fehlten, wo CVP-Kandidat Müller bestens vernetzt ist, lag FDP-Kandidat Peter Hodel nur um etwas mehr als 1400 Stimmen vorne, das hätte noch kippen können. Schliesslich platzierte sich Müller in der Dreitannenstadt tatsächlich leicht vor Hodel, konnte aber nur noch den Abstand auf knapp 1300 Stimmen verkürzen.

«Ich bin sehr erleichtert und freue mich sehr», sagt Hodel über das Ergebnis:

Solothurner Zeitung

Wahlbeteiligung bei 35 Prozent

Wer würde sich für den zweiten Wahlgang überhaupt noch mobilisieren lassen, beziehungsweise für wen wäre die zu befürchtende magere Wahlbeteiligung eher von Vorteil? Die vermeintlich entscheidende Frage dürfte am Ende so entscheidend gar nicht gewesen sein. Die Wahlbeteiligung lag bei 34,9 Prozent und damit zwar deutlich tiefer als im ersten Wahlgang (43,6 Prozent), aber doch eher über dem Wert, der insbesondere auch mangels zugkräftiger eidgenössischer Abstimmungsvorlagen zu befürchten war. Es gingen 63295 Wahlzettel ein, davon 1221 leer und 140 ungültig. Die Wahlbeteiligung schwankte zwischen schwachen kaum mehr als 20 Prozent in Walterswil und sehr hohen knapp 70 Prozent in Beinwil. (mou)

Sandra Kolly hatte in neun von zehn Bezirken die Nase vorne, nur im Bucheggberg setzte sich Peter Hodel auf Platz eins. CVP-Kandidat Müller konnte sich im Thal und im Bezirk Dorneck vor Hodel setzen.

Regierungsratswahlen 2. Wahlgang: Blick ins Wahlzentrum.
19 Bilder
Die Blumen für die Regierungsrats-Wahlsieger liegen bereit.
CVP Vize-Parteipräsident Stefan Müller-Altermatt und Regierungsratskandidatin Sandra Kolly
Peter Hodel kommt im Wahlzentrum an.
Parteipräsident Stefan Nünlist, Sandra Kolly und Peter Hodel
Peter Hodel gibt ein Interview.
Parteisekretär Glenn Steiger und Sandra Kolly schauen sich die Resultate an.
 Sandra Kolly und Thomas A. Müller schauen gespannt auf die Resultate
Peter Hodel mit Edelweiss-Maske.
Regierungsratskandidat Thomas A. Müller
Es hat nicht geklappt: Richard Aschberger, im Hintergrund Thomas A. Müller
Sandra Kolly im Gespräch mit Richard Aschberger
Viel mediale Aufmerksamkeit am Tisch der FDP
Zukünftige Arbeitskolleginnen...
Ein erstes Handyfoto vom beinahe gewählten und gut gelaunten Peter Hodel
Sandra Kolly freut sich über den Wahlsieg
Die neu gewählten Regierungsratsmitglieder Sandra Kolly und Peter Hodel
Auftritt vor den Medien: Die neu gewählten Regierungsratsmitglieder Sandra Kolly und Peter Hodel
Die neue Regierung: v.l. Peter Hodel, Remo Ankli, Susanne Schaffner, Brigit Wyss und Sandra Kolly.

Regierungsratswahlen 2. Wahlgang: Blick ins Wahlzentrum.

Hanspeter Bärtschi

SVP-Kandidat Aschberger konnte nicht schlecht mithalten

Nach wie vor muss die SVP auf eine Regierungsvertretung warten. Auch wenn er sich davon nichts kaufen kann, darf aber Kandidat Richard Aschberger sicher auf einen gewissen Achtungserfolg stolz sein. Er kam immerhin auf einen Abstand von 4300 Stimmen an den zweitplatzierten Peter Hodel heran und lag am Ende nur gut 3000 Stimmen hinter Thomas A. Müller. In seiner Heimatstadt Grenchen machte Aschberger sogar am meisten Stimmen, und im ganzen Leberberg lag er hinter Sandra Kolly auf dem zweiten Platz vor dem Freisinnigen Peter Hodel.

Und immerhin in drei weiteren Bezirken konnte er die Schlusslaterne abgeben: im Bucheggberg und im Wasseramt an Thomas A. Müller, im Thal an Peter Hodel. Dass nicht mehr drin lag, dürfte für einmal weniger am Parteibuch, sondern ganz einfach am gesamtkantonal noch nicht so grossen Bekanntheitsgrad des SVP-Kandidaten gelegen haben, der seit 2017 im Kantonsrat sitzt.

Aschberger gibt sich nicht gross enttäuscht ob dem Wahlresultat. Er habe im Vergleich zum ersten Wahlgang aufholen können:

Solothurner Zeitung

Die Vorteile lagen ganz klar beim schliesslich auch erfolgreichen Freisinnigen, abgesehen vom Fraktionspräsidium im Kantonsrat ist Peter Hodel insbesondere auch durch das Vizepräsidium des Verbands der Solothurner Einwohnergemeinden im ganzen Kanton bestens vernetzt.

CVP-Kandidat Thomas A. Müller hatte hier ebenfalls ganz klar ein Handicap. Wohl ist er nach wie vor Vizepräsident der Kantonalpartei, war seit seinem Ausscheiden aus dem Kantonsrat nach der Wahl zum Präsidenten des Steuergerichts im Jahr 2013 aber in der kantonalen Tagespolitik kaum noch präsent.

«Wir haben mit einem knappen Resultat gerechnet», sagt Thomas A.Müller im Videointerview:

Solothurner Zeitung

Beide Neuen würden am liebsten die Finanzen übernehmen

Interessant zu werden verspricht die Departementsverteilung in der neu zusammengesetzten Regierung, bei der es zu einem ersten kleinen Machtkampf kommen dürfte: Von den Bisherigen Ankli, Schaffner und Wyss sind bis jetzt keine Wechselgelüste bekannt, hingegen machten am Wahlsonntag sowohl Sandra Kolly wie Peter Hodel klar, dass ihre persönliche Präferenz bei den Finanzen liegen würde.

Peter Hodel gehört wie praktisch alle FDP-Kantonsräte zu den Unterzeichnern eines Auftrags, der von der Regierung umgehend ein neues Sparpaket verlangt.