Spezielle Förderung
Regierungsrat will integrative Schule per August 2014 umsetzen

Die Solothurner Regierung hält an der kantonsweiten Umsetzung der speziellen Förderung fest. Sie lehnt zwei Aufträge ab, die der kantonsweiten Einführung den Kampf ansagen.

Elisabeth Seifert
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Ihre Arbeit löst hitzige Debatten aus: Eine Heilpädagogin unterstützt Schüler in der Regelklasse. Archiv

Ihre Arbeit löst hitzige Debatten aus: Eine Heilpädagogin unterstützt Schüler in der Regelklasse. Archiv

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«Stopp integrative Schule und spezielle Förderung.» Das fordert der SVP-Kantonsrat Roberto Conti (Solothurn) in einem Auftrag, den das Parlament am 13. November dringlich erklärt hat.

Nicht ganz so weit geht ein zweiter, ebenfalls für dringlich erklärter überparteilicher Auftrag. Dieser will aber immerhin, dass die Gemeinden auch künftig die Möglichkeit haben sollen, an ihren Einführungs- und Kleinklassen zu festzuhalten – und nicht dazu verknurrt werden, die Spezielle Förderung einzuführen.

Integration ist seit 10 Jahren ein Thema

Bereits im Dezember 2003 hat die Regierung die Möglichkeit geschaffen, dass Einführungs- und Kleinklässler in der Regelschule mit der Unterstützung von Heilpädagogen gefördert werden können. Es folgte ein erster Schulversuch «Integration». Im Mai 2007 hat der Kantonsrat die Kleinklassen aus dem Volksschulgesetz gestrichen; dies im Hinblick auf die stufenweise Aufhebung der Einführungs- und Kleinklassen. Mittels eines Verordnungsvetos verhinderte der Kantonsrat im Dezember 2010 die geplante flächendeckende Einführung der Speziellen Förderung ab August 2011. Das Veto zielte weitgehend auf offene Umsetzungsfragen. Um diese zu klären, startete die Regierung den «Schulversuch Spezielle Förderung 2011-2014». Der Schulversuch wird wissenschaftlich begleitet und zudem sind die grossen Lehrerverbände sowie der Einwohnergemeindeverband in die Projektorganisation eingebunden. Mehr als 90 Prozent der Schulen im Kanton Solothurn haben mittlerweile die Einführungs- und Kleinklassen aufgehoben. Anfang Juni 2013 hat der damals amtierende Bildungsdirektor Klaus Fischer gemeinsam mit den Verbänden über die Ergebnisse des «Schulversuchs Spezielle Förderung 2011-2014» orientiert. Die Regierung hat daraufhin die flächendeckende Einführung der integrativen Schule per August 2014 und mit einer Übergangsfrist von drei Jahren beschlossen. (esf)

Gleichsam um fünf vor zwölf sagen die beiden Vorstösse damit der ab August 2014 geplanten flächendeckenden Umsetzung der integrativen Schule den Kampf an. Kein Wunder also, dass der Regierungsrat an seiner Sitzung von Dienstag beide Anliegen abgelehnt hat. In der Dezembersession wird der Kantonsrat darüber befinden.

Abnahme der Stigmatisierung

In umfassenden Stellungnahmen zu den beiden Aufträgen erinnert die Regierung an die letzten zehn Jahre, in denen «diese anspruchsvolle Anpassung und Neuausrichtung der Schule sorgfältig eingeführt und beschlossen worden ist». Über 90 Prozent aller Schulen arbeiten mittlerweile integrativ, betont der Regierungsrat.

Aufgrund dieses Prozesses gebe es deshalb keinen Grund, die «Resultate durch eine Wahlmöglichkeit zwischen altrechtlichem und neurechtlichem System erneut infrage zu stellen», so die Regierung. Die vorgeschlagene Wahlfreiheit tangiere zudem «das Prinzip der Rechtsgleichheit und damit auch der Chancengleichheit».

Noch problematischer wäre der von der SVP geforderte Stopp der Integration: Zum einen erfordere dies eine neue gesetzliche Grundlage. Und zum anderen seien aufgrund der fortgeschrittenen Umsetzung die «Herausforderungen für einen korrekten Rückbau sehr gross». Der Regierungsrat anerkennt dabei die «vielfältigen Anfangs- und Einführungsherausforderungen» für die Schulen, diese aber «konnten und können gemeistert werden». Die Wirkung der Speziellen Förderung auf die Schüler und Schülerinnen sei «grossmehrheitlich positiv», rekapituliert die Regierung eine Erkenntnis aus dem Schlussbericht zum Schulversuch Spezielle Förderung 2011-2014».

Besonders erwähnt werden in dieser Expertise namentlich die «Abnahme der Stigmatisierung und Ausgrenzung». Die Belastung der Lehrpersonen sei beim Wechsel zum neuen System «oft gross», weiss auch die Regierung. «Lehrpersonen, die jedoch längere Zeit integrativ fördern, finden sich gut zurecht».

In die gleiche Richtung zielen auch die regierungsrätlichen Antworten auf eine Interpellation von FDP-Kantonsrätin Verena Meyer (Mühledorf) mit dem Titel «Integrierte Förderung, Fluch oder Segen?». Detailliert geht die Regierung hier zudem auf die Kostenentwicklung ein. So seien die Kosten für die schulische Heilpädagogik um 6 Mio. Franken von 18,7 Mio. vor dem Schulversuch auf 24,8 Mio. im laufenden Schuljahr gestiegen.