«Im Kanton Solothurn gibt es leider bis heute noch kein Babyfenster, obwohl es sich um eine äusserst sinnvolle Einrichtung handelt», schreibt Johannes Brons in seinem Auftrag an den Regierungsrat. Viele seiner Ratskollegen unterstützten den Schönenwerder SVP-Kantonsrat dabei mit einer Unterschrift.

«Das Babyfenster im Kanton soll ein Hilfeangebot für extreme Situationen sein», schreibt Brons weiter. Wenn sich die Mutter in einer ausweglosen Situation befinde, könne sie so ihr Kind anonym in sichere Hände übergeben.

Dominik Müggler, Präsident der «Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind», freut sich, dass das Thema von der Politik aufgenommen wird. Es sei aber ein sehr heikles Thema. Die Eröffnung eines Babyfensters soll nach einem für die ganze Schweiz sinnvollen Konzept erfolgen.

«Das Babyfenster muss einen hohen Qualitäts-Standard haben», erklärt Müggler. «Ein Babyfenster ist eine Einrichtung der medizinischen Nothilfe. Der Standort muss rund um die Uhr betreut sei und die nötige medizinische Betreuung vorweisen.»

7 Babys in 11 Jahren

Das sich ein Babyfenster lohnt, hat sich in Einsiedeln im Kanton Schwyz gezeigt. Seit der Eröffnung im Jahr 2001 hat die Zahl der tot aufgefundenen Babys deutlich abgenommen. «In 11 Jahren wurden 7 Babys abgegeben», so Müggler. Dies sei eine grosse Zahl. «Das Babyfenster hat sich somit bewährt und ist notwendig.»

Statistik: Abgegebene, ausgesetzte oder getötete Babys in der Schweiz (1996-2010)

Statistik: Abgegebene, ausgesetzte oder getötete Babys in der Schweiz (1996-2010)

Die abgegebenen Babys werden zur Adoption freigegeben. Die Mutter oder der Vater des Kindes hat aber das Recht, bis zum Vollzug der Adoption das Kind zurückzufordern. Dies natürlich nur, wenn die Mutter- oder Vaterschaft nachgewiesen werden kann.

Bürgerspital als Standort

Nun muss der Regierungsrat entscheiden, ob es eine Möglichkeit gibt, im Kanton ein Babyfenster einzurichten. Brons schlägt im Schreiben den Standort Bürgerspital Solothurn vor. Dort wurde bis heute noch nicht über ein Babyfenster nachgedacht. «Es ist eine politische Angelegenheit und nicht unbedingt eine medizinische», erklärt Monika Hug-Portmann von der Solothurner Spitäler AG.

Die «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind» wäre bereit, das Projekt im Kanton Solothurn zu unterstützen, meint Müggler. Und auch Johannes Brons ist überzeugt: «Bereits ein einziges gerettetes Baby wäre den Aufwand mehr als wert.»