Man konnte schon fast Mitleid haben mit Landammann und Baudirektor Roland Fürst, der am Dienstag aus seinem Herzen keine Mördergrube machte: «Wir haben Lob erwartet und bekamen Haue.» Grund für die leise Enttäuschung: Die Pläne des Bundesrats für den Ausbauschritt 2035 bei der Bahn. Eigentlich war man in der Regierung durchaus etwas stolz darauf, die allermeisten Forderungen für den Kanton Solothurn erfüllt bekommen zu haben. Aber es gibt da einen Wermutstropfen. Oensingen soll seinen Intercity-Halt verlieren. Im Nu hatten die Kantonsräte aus der Region 50 Unterschriften für einen überparteilichen dringlichen Auftrag zusammen. Tenor: Das darf sich der Kanton nicht bieten lassen, der Regierungsrat muss sich in Bern «mit allen Mitteln» für die Beibehaltung des Intercity-Halts in Oensingen einsetzen. Inzwischen hat sich auch ein Komitee mit Behördenvertretern aus der ganzen Region Thal-Gäu-Bipperamt-Oberaargau formiert, dass sich «befremdet» über die ablehnende Haltung der Solothurner Regierung zu diesem Vorstoss zeigt.

Mehr Züge, längere Fahrzeit

Der Regierungsrat hatte ins Feld geführt, dass Oensingen zwar seinen IC-Halt verliert, dafür aber eine halbstündliche statt nur eine stündliche Verbindung nach Zürich Hauptbahnhof erhält. Die Fahrt dauert zwar elf Minuten länger als mit dem Intercity, zusätzlich zur höheren Frequenz dürfte aber von Vorteil sein, dass für Berufspendler wichtige Destinationen wie Aarau oder Zürich-Altstetten künftig ab Oensingen sogar schneller erreichbar sind. Ein kompromissloses Pochen auf den Intercity-Halt in Oensingen hätte dagegen mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Folge, dass dafür Grenchen und Solothurn auf einen IC-Halt verzichten müssten und die geplanten halbstündlichen Züge mit Halt in Oensingen und Egerkingen nicht über Olten hinaus weitergeführt werden könnten.
Ein Umstand, der Oensingens Gemeindepräsident Fabian Gloor (CVP) nur bedingt beeindruckte. Es sei nicht mehr als recht, dass sich der Kanton für eine seiner dynamischsten Regionen einsetze, eine markante Verbesserung für den Ausbauschritt 2035 gegenüber der Bundesratsvorlage sei «absolut zwingend».
Im Kantonsrat war man sich allerdings (fast) einig, dass der Halbstundentakt doch eine respektable Gegenleistung für die längere Fahrzeit nach Zürich-Hauptbahnhof ist. Insgesamt stelle der Ausbauschritt 2035 eine deutliche Verbesserung für sehr viele Pendler auf der Jurasüdfussstrecke dar, deshalb sei man «nicht bereit, auf den IC-Halt in Oensingen zu bestehen», wie Hardy Jäggi (SP, Recherswil) erklärte. Einig ging auch er mit den (bürgerlichen) Interessenvertretern der Region aber darin, dass Verbesserungspotenzial bezüglich der Anschlüsse in Olten zu Zentren wie Basel und Luzern besteht.

Eine Fahrplanfrage

Hier hatte auch die vorberatende Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission eingehakt, die einen neuen Wortlaut für den Vorstoss vorschlug (dem sich auch der Regierungsrat anschloss): Der Kanton soll nicht explizit auf die Beibehaltung des IC-Halts in Oensingen pochen, sondern sich generell «mit allen Mitteln für den langfristigen Erhalt der optimalen Anschlüsse in Grenchen, Solothurn, Oensingen und Olten einsetzen».
Mit diesem Wortlaut stimmte der Kantonsrat dem Auftrag ohne Gegenstimme zu, auch seine Verfasser waren damit einverstanden. Oensingen bekomme bei genauerem Hinsehen eben trotz mehr Zügen zum Teil schlechtere Verbindungen, erklärte dazu etwa Josef Fluri (SVP, Mümliswil). Der Halb- oder sogar Viertelstundentakt auf der Jurasüdfussstrecke gebe zwar eine gewisse Zuversicht für die Region, die aber trotzdem nicht optimal in das Fernverkehrsnetz integriert werde», doppelte Edgar Kupper (CVP, Laupersdorf) nach. Hier müsse der Kanton noch Justierungen erwirken. Dafür werde man sich auch einsetzen, versprach Regierungsrat Roland Fürst – in künftigen Fahrplanverfahren, beim Ausbauschritt 2035 gehe es aber um ein Infrastrukturprojekt, das müsse man auseinanderhalten.