Kanton Solothurn

Regierungsrat findet: Neun Jahre Volksschule sind genug

Jugendliche sollen nach der obligatorischen Schulzeit direkt eine berufliche Grundbildung oder eine weiterführende Schule besuchen. (Bild: Alois Felber)

Jugendliche sollen nach der obligatorischen Schulzeit direkt eine berufliche Grundbildung oder eine weiterführende Schule besuchen. (Bild: Alois Felber)

Mit einer Gesetzesänderung hat der Solothurner Regierungsrat die Abschaffung des 10. Schuljahres vorgeschlagen. Möglich wäre die Auflösung per August 2014.

«Ein nachobligatorisches Schuljahr mit dem Charakter eines Brückenangebots gehört nicht zum Auftrag der Volksschule», schreibt der Regierungsrat in seiner Botschaft an den Kantonsrat. Das 10. Schuljahr lasse sich als Brückenangebot nicht mehr rechtfertigen. Das fakultative Schuljahr wurde in den 1970er-Jahren als Notprogramm für Schülerinnen und Schüler geschaffen, die keine Lehrstelle gefunden hatten. Ziele waren, den Berufswahlentscheid zu unterstützen und die Allgemeinbildung zu vertiefen.

Genügend andere Angebote

Aktuell kann das Zusatz-Schuljahr an vier Schulen in Solothurn, Olten, Subingen und Zuchwil besucht werden. Eckpunkte wie die Aufnahmekriterien und die Lektionentafel werden von der Schule bestimmt. «Methodisch-didaktisch werden die Klassen gut geführt», so der Regierungsrat. Aber: Schüler, die dieses Schuljahr durchlaufen haben, «erhalten keinen anerkannten Abschluss».

Die Situation auf der Sekundarstufe I, der Sekundarstufe II und dem Lehrstellenmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. So habe die Sek-I-Reform zum Ziel, «eine Ausbildung zu vermitteln, die den Eintritt in eine berufliche Grundbildung oder in eine weiterführende Schule ermöglicht.» Dieses Ziel werde durch einen auf die Fähigkeiten der Schüler abgestimmten Unterricht erreicht.

Nachobligatorisches Schuljahr nicht mehr sinnvoll

Weitere Massnahmen unterstützten den Übergang in die Sekundarstufe II. Ziel der Kantone und des Bundes sei, dass 95 Prozent der Schulabgänger einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erreichen. Um dies zu erreichen, werde unter anderem ein direkter Übertritt von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II angestrebt.

«Es ist deshalb nicht mehr sinnvoll, ein nachobligatorisches Schuljahr mit den Inhalten der Volksschule im Rahmen eines fakultativen 12. Schuljahres zu absolvieren», ist der Regierungsrat überzeugt. Und: «Für Schulabgänger ohne passende Anschlusslösung ist zielführender, über ein Brückenangebot der Berufsbildungszentren den Schritt in die Sekundarstufe II zu machen.» Denn diese Brückenangebote würden einen schulischen und einen praxisorientierten Teil beinhalten. «So wird die Ablösung von den schulischen Strukturen gewährleistet und gleichzeitig auf den Eintritt in eine Berufslehre vorbereitet.»

Über eine Million Einsparungen

Im Schuljahr 2011/2012 besuchten 143 Schüler und Schülerinnen oder 32 Prozent des Jahrgangs das Zusatz-Schuljahr. Der Kanton erwartet, dass durch den Verzicht die Nachfrage nach Brückenangeboten um einen Drittel steigt. Konkret ergibt dies zwei zusätzliche Klassen mit je 18 Lektionen pro Woche. Dies verursacht Mehrkosten für die Besoldung von etwa 0,25 Mio. Franken zulasten des Kantons, der die Brückenangebote der Berufsbildungszentren finanziert. Andererseits können mit der Aufhebung des Schuljahres jährlich wiederkehrende Besoldungskosten eingespart werden: Die Gemeinden sparen laut der Regierung pro Jahr rund 0,7, der Kanton abzüglich der Mehrausgaben bei den Brückenangeboten pro Jahr rund 0,5 Mio. Franken.

Ab August 2014 könnte Schluss sein

Die Aufhebung des 10. respektive 12. Schuljahres bedingt eine Änderung des Volksschulgesetzes. Aufgehoben werden soll der entsprechende Passus per August 2014. Den Schulträgern, die aktuell ein Angebot führen, soll eine Übergangszeit bis Ende Schuljahr 2015/2016 gewährt werden. Die Gesetzesänderung unterliegt dem obligatorischen Referendum, sofern sie der Kantonsrat mit weniger als zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder beschliesst. Andernfalls unterliegt sie dem fakultativen Referendum.

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