A1-Sechsspurausbau im Gäu

Regierungs-Nein zum A1-Tunnel ist ein Tiefschlag für die Idee, aber kein K.o.

A1 westlich von Oberbuchsiten: Das Bundesamt findet einen Tunnel für den Sechsspurausbau zu teuer.

A1 westlich von Oberbuchsiten: Das Bundesamt findet einen Tunnel für den Sechsspurausbau zu teuer.

Die Solothurner Regierung ist gegen die Verlegung der A1 im Gäu in einen 2 Kilometer langen Tunnel. Eine solche käme zu teuer, so das Fazit. Der Bauernverband und Pro Natura könnten sich mit einem kürzeren Tunnel abfinden.

Auf satte 516 Millionen Franken (!) beziffert das Bundesamt für Strassen (Astra) in einer Zusatzstudie zum Generellen Projekt für den Sechsspurausbau Härkingen–Luterbach allein die Mehrkosten, wenn die A1 bei Oberbuchsiten in einen Tunnel verlegt würde: Rund 100 Mio. Franken würde diese Strecke laut Astra ohne Tunnel kosten, aber 616 Mio. Franken mit dem 2 km langen Tunnel. Dazu kämen noch höhere Betriebs- und Unterhaltskosten, grösserer Energieverbrauch und längere Bauzeit.

Auf der andern Seite würde der Tunnel 63 000 m2 landwirtschaftliches Kulturland retten. Nur schon aufgrund der Mehrkosten für den Bau kommt das Astra so auf den stolzen Preis von 8200 Franken pro gewonnenen Quadratmeter Landwirtschaftsland und fügt als Vergleich bei: Büroflächen in Zürich oder Genf seien für 1500 Franken pro m2 zu haben.

Regierung ist nicht mehr im Boot

Angesichts dieser vernichtenden Bilanz gibt sich der Solothurner Regierungsrat geschlagen: Er hat sich diese Woche von der Forderung nach dem Tunnel verabschiedet (vgl. gestrige Ausgabe).

Noch Ende letzten Jahres hatte es für die Tunnelvariante hoffnungsvoll ausgesehen. Mit Unterstützung von acht der neun Solothurner Parlamentarier und in Absprache mit der Regierung in Solothurn hatten CVP-Nationalrat Urs Schläfli und SP-Ständerat Roberto Zanetti Motionen für den «Gäu-Tunnel» eingereicht; der Bundesrat sicherte die Abwägung von Kosten und Nutzen zu. Während Zanetti seinen Vorstoss inzwischen zurückgezogen hat, ist derjenige von Schläfli im Nationalrat noch hängig. Doch wie sollte Bundesbern den Solothurnern Geld für einen Tunnel gewähren, den nicht einmal die eigene Kantonsregierung fordert?

Enttäuschung beim Tunnel-Komitee

Wenig Grund zur Freude also für das Komitee für einen umweltschonenden A1-Ausbau im Gäu, zu dem sich Bauern, Umweltschützer, Gäuer Gemeindevertreter und Solothurner National- und Ständeräte zusammengefunden haben. Die Kantonsräte Peter Brügger (FDP, Langendorf), Sekretär des Bauernverbandes, und Nicole Hirt (GLP, Grenchen), Präsidentin von Pro Natura Solothurn, finden, die Astra-Studie stelle die Kosten der Tunnelvariante absichtlich übertrieben hoch dar: «Alle Annahmen wurden so gewählt, dass möglichst hohe Mehrkosten herauskommen sollten», kritisiert Brügger. Selbst das Solothurner Bau- und Justizdepartement (BJD) will sich mit den vom Astra errechneten Mehrkosten nicht die Finger verbrennen – in der Stellungnahme der Regierung wurde bewusst auf die Nennung der Zahlen verzichtet, wie Departementssekretär Bernardo Albisetti erklärt.

Enttäuscht zeigen sich die Komiteevertreter aber auch über die Stellungnahme der Kantonsregierung. «In einem Gespräch mit dem Bau- und Justizdepartement letzte Woche haben wir Kompromissbereitschaft signalisiert», erklärt Nicole Hirt, «doch davon ist überhaupt nichts in die Stellungnahme eingeflossen. Das ist nicht korrekt.»

Brügger wiederum stört es, dass der Regierungsrat Optimierungen des Sechsspurausbaus im Gäu nur noch im späteren Ausführungsprojekt verlange; er pocht darauf, diese im Generellen Projekt zu verankern, das derzeit in der Überarbeitung steht. Departementssekretär Albisetti vom BJD bestätigt, dass der Kanton Solothurn das Generelle Projekt nicht verzögern wolle: «Wir haben Interesse an einer raschen Realisierung des Sechsspurausbaus Härkingen–Luterbach.» Aber er beurteilt die Planungsstufen anders: «Das Generelle Projekt legt die Achse und die Anschlusspunkte fest; zudem will das Astra die Kosten durch den Bundesrat fixieren lassen. Wo es einen Tunnel gibt, kann durchaus erst im Ausführungsprojekt festgelegt werden – beim Wititunnel war es auch so.» Albisetti lässt allerdings keinen Zweifel: «Die Maximalforderung eines 2 km langen Tunnels ist für uns vom Tisch.»

«Wildtierquerung ebenerdig»

Davon rücken heute auch die Bauern- und Umweltverbände ab. «Länge und genaue Lage eines Tunnels sind für uns verhandelbar», sagt Bauernsekretär Peter Brügger. «Für uns ist zentral, dass die bei Oberbuchsiten geplante Wildtierquerung nicht als Brücke über die offene Autobahn gebaut wird, denn das braucht für die Auf- und Abgänge auf beiden Seiten viel zusätzliches Landwirtschaftsland.» Der Wildtierübergang soll vielmehr ebenerdig erfolgen. Die Forderung der Bauern lautet also, dass die sechsspurige A1 im Bereich der Wildtierquerung in den Boden verlegt und überdeckt wird: «Aus Gründen der Verhältnismässigkeit müsste der Tunnel mindestens 600 bis 1000 Meter lang sein.» Diesem Kompromiss einer kürzeren Tunnelvariante schliesst sich auch Pro-Natura-Präsidentin Nicole Hirt an.

Für Bernardo Albisetti vom Solothurner Bau- und Justizdepartement ist wichtig, dass im Hinblick auf eine rasche Realisierung des Sechsspurausbaus die verschiedenen Interessen abgewogen und berücksichtigt werden. Die Wildtierquerung wird von der Regierung ausdrücklich als ein Bereich genannt, der «im Sinn der Landwirtschafts- und Landschaftsverträglichkeit optimiert» werden könne. «Dass dies mit einem kürzeren Tunnel erfolgen könnte, ist im Rahmen des Ausführungsprojekts nicht ausgeschlossen», meint Albisetti auf die entsprechende Frage.

Gemeinde pocht auf Lärmschutz

Auch die andern Partner im «Tunnelkomitee» wollen die Flinte nicht ins Korn werfen. «Für uns ist der Lärmschutz die Hauptsache», erklärt Oberbuchsitens Gemeindepräsident Daniel Lederer. «Dafür wäre der Tunnel die ideale Lösung. Wenn es keinen Tunnel gibt, müssen wir Druck für Lärmschutzwände machen.»

Für den Tunnel hat Lederer etwas zu wenig Unterstützung aus der Region gespürt: «Niederbuchsiten, Kestenholz und Oberbuchsiten stehen voll dahinter», meint er. «Aber aus den anderen Gemeinden und auch aus der Bevölkerung habe ich Vorbehalte gespürt.»

«Müssen uns besser absprechen»

Und was bleibt den eidgenössischen Parlamentariern, die sich als Co-Präsidenten des Gäu-Tunnel-Komitees engagieren? Ständerat Zanetti bedauert, dass der Solothurner Regierungsrat sich ohne Absprache mit ihnen öffentlich festgelegt habe: «Andere Kantonsregierungen pflegen einen spürbar engeren Kontakt vor allem mit ihren Ständeräten.»

Urs Schläfli macht sich keine Illusionen über die Erfolgsaussichten seiner Motion im Nationalrat. Immerhin meint der Deitinger Landwirt: «Das Astra hat wohl erkannt, dass der Sechsspurausbau im Gäu umweltschonend erfolgen muss.»

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