Es ist ein Entscheid, dessen Folgen vorerst überschaubar bleiben dürften, der sich aber durch hohe Symbolkraft auszeichnet: Der Solothurner Regierungsrat will den Einstieg in den Glyphosat-Ausstieg. Die Kantonsregierung hat am Montag einer Einsatzbeschränkung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels zugestimmt.

Sie folgt damit einem parlamentarischen Auftrag von SP-Kantonsrats Stefan Oser. Der Leimentaler – und mit ihm 36 weitere Parlamentarier als Mitunterzeichner – fordert in dem Vorstoss, dass die Behörden künftig auf den Einsatz von Glyphosat verzichten müssen.

Das weltweit am häufigsten eingesetzte Totalherbizid, entwickelt vom US-Saatgutkonzern Monsanto, erspart Landwirten die aufwendige Unkrautbekämpfung mit mechanischen Werkzeugen. Die Behörden nutzen Glyphosat hauptsächlich zur Bekämpfung von invasiven Neophyten.

Am Herbizid scheiden sich die Geister. Während es die Zulassungsbehörden der Schweiz und der EU als ungefährlich einstufen, befürchten Kritiker, dass der Wirkstoff in Nahrungsmittel gelangt und Krebs auslöst; so hat es auch eine Studie der Weltgesundheitsorganisation nahegelegt. Der Solothurner Regierungsrat fasst zusammen: «Bezüglich Risiken für die Menschen widersprechen sich die Studien.»

Erst Ende November haben die EU-Staaten jedoch die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert. Kurz zuvor sprach sich der Bundesrat ebenfalls gegen ein Verbot aus.

Sanfte Beschränkung gefordert

Vor diesem Hintergrund betrachtet, will die Solothurner Regierung nun also in eine andere Richtung marschieren. Ob eine entsprechende Einsatzbeschränkung nur für kantonale Stellen oder auch für kommunale Werkhöfe im Solothurnischen gelten soll, lässt SP-Mann Oser offen. Es wird letztlich am Kantonsrat sein, zu entscheiden, wie tief ein allfälliges Verbot greifen wird.

Der Regierungsrat jedenfalls will erst mal eine sanfte Einsatzbeschränkung verankern, wie er in seiner Stellungnahme festhält: Neophyten sollen im Rahmen des Kantonsstrassenunterhaltes «wenn möglich ohne glyphosathaltige Herbizide» bekämpft werden. Auf diese Mittel sei ganz zu verzichten, «sobald alternative Bekämpfungsmethoden zur Verfügung stehen, welche mit verhältnismässigem Aufwand erfolgreich angewendet werden können».

Nur 34 Liter verspritzt

Ein Verbot auf Gesetzesstufe ist laut dem Regierungsrat gar nicht nötig. Es würde genügen, die Kreisbauämter anzuweisen, Glyphosat nicht mehr einzusetzen. Schon heute würden Unkräuter entlang von Kantonsstrassen bevorzugt mit mechanischen Methoden wie Ausreissen bei feuchter Witterung bekämpft. Glyphosat werde «nur in Ausnahmefällen und sehr zurückhaltend zur Einzelstockbehandlung eingesetzt».

Tatsächlich lässt sich diese Feststellung an Fakten festmachen: Die vom Strasseninspektorat im Kanton Solothurn eingesetzte Menge von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittels betrug bloss 34 Liter im laufenden Jahr. Zum Einsatz bei den kommunalen Behörden liegen keine Zahlen vor.

Dass der Regierungsrat noch nicht ganz auf Glyphosat verzichten will, liegt übrigens vor allem am Japanischen Knöterich. Diese Problempflanze, die bisweilen ganze Landstriche überwuchert, lässt sich mit alternativen Methoden bisher kaum bekämpfen.