«Die Asylwohnung war in einem desolaten Zustand», kritisierte die Betreuerin einer der Familien, die vom Kanton an der Wengistrasse 40 untergebracht worden waren. Das Haus brannte in der Nacht auf den 26. November, sieben Personen starben. Die Betreuerin sparte gegenüber «20Minuten» nicht mit Kritik am Asylwesen im Kanton. Sie sprach von prekären und kaum menschenwürdigen Umständen. Claudia Hänzi, Leiterin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit, dementierte diese Vorwürfe bereits gegenüber des Onlineportals. Nun doppelt der Regierungsrat nach. 

Die vier Wohnungen im abgebrannten Wohnhaus in Solothurn hat der Kanton zusätzlich zum Asylzentrum in Oberbuchsiten (Platz für 100 Personen) und den beiden auf dem Balmberg (130 Personen) angemietet. «In diesen Wohnungen konnten Menschen selbstständig leben, für welche die Grosszentren nicht geeignet waren», heisst es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. In den Asylzentren leben die Asylsuchenden für eine befristete Zeit, bis sie in eine Gemeinde umziehen können oder ausreisen. 

Bescheiden und menschenwürdig

Menschen, die in kantonalen Asylstrukturen leben, sind meist auf Sozialhilfe angewiesen. Wer die Schweiz verlassen muss, erhält einzig Nothilfe. Diese schweizweit geltenden Rahmenbedingungen würden Grenzen beim Wohnstandard setzen: «Funktionalität und Bescheidenheit stehen im Vordergrund», schreibt die Regierung. «Die Zentren und Aussenwohnungen im Kanton Solothurn entsprechen vorbehaltslos allen gesetzlichen Vorschriften.»

Für Asylzentren würden besondere Brandschutzvorschriften gelten, die gewährleistet sind. Für die Wohnungen an der Wengistrasse 40 galten die Brandschutzvorschriften für gewöhnliche Mietwohnungen, auch diese seien eingehalten worden, betont die Regierung. Der Brand war ausgebrochen, weil eine Frau im Bett geraucht hatte. 

Der Regierungsrat bezeichnet die Wohnstrukturen für Asylsuchende als «bescheiden aber menschenwürdig». Sie würden laufend unterhalten, gepflegt und erneuert. Der Kanton führt regelmässig angemeldete und unangemeldete Kontrollen durch. Die letzten fanden am 29. Oktober 2018 auf dem Balmberg und am 20. November 2018 in Oberbuchsiten statt.

Professionelle Betreuung

In den Zentren ist an 7 Tagen und während 24 Stunden professionelles Betreuungspersonal präsent. Für den Betrieb ist die ORS Service AG zuständig. In den Mietwohnungen an der Wengistrasse in Solothurn waren laut Kanton nur Personen untergebracht, die weniger eng begleitet werden mussten. Sie seien jedoch wöchentlich durch Personal aus dem Zentrum Oberbuchsiten besucht worden.

«Alle in kantonalen Strukturen lebenden Personen können sich jederzeit mit Anliegen an das Betreuungspersonal wenden, und sie wissen, wo und wie sie sich bei Bedarf beschweren können», so die Regierung.

Vom Brand Betroffene sind versorgt

Alle Personen, die vom Kanton an der Wengistrasse 40 untergebracht worden waren, konnten unverzüglich in andere Unterkünfte umziehen. Eine Person hat laut Kanton «ausdrücklich auf Hilfe verzichtet».

Für die beiden äthiopischen Waisenkinder sind alle nötigen Hilfsmassnahmen getroffen worden. Das Amt für soziale Sicherheit hat zusammen mit der Stadt Solothurn für die beiden ein Spendenkonto eingerichtet. «Die Kinder erholen sich zunehmend und sollen so bald wie möglich in einer Pflegefamilie Aufnahme finden», so der Kanton. (ldu)