Der Kanton Solothurn ist auch ein bedeutender Kunstsammler, schon lange. Um die 4000 Bilder und plastische Arbeiten umfasst das staatseigene Kunst-Portfolio mittlerweile bereits. Das Spektrum ist breit und dennoch in gewisser Weise eingeschränkt. Denn mit seinem Mäzenatentum will der Kanton natürlich das einheimische Schaffen fördern. Gekauft werden nur Werke von professionellen freischaffenden Künstlern, die im Kanton Solothurn wohnen oder zumindest «einen engen biografischen Bezug» zum Kanton haben. Zu den neusten Ankäufen zählen zwei Bilder von Jörg Mollet, der ursprünglich aus Olten stammt und seit vielen Jahren in Solothurn lebt und arbeitet. Wer sie sehen möchte, braucht allerdings einen Termin bei Regierungsrätin Susanne Schaffner.

90 × 180 cm, 12'800 Franken

Dass die Bilder das Büro der Sozial- und Gesundheitsdirektorin zieren, ist an sich nichts Aussergewöhnliches. Die vom Kanton erworbenen Kunstwerke werden in der Regel in Gebäuden der kantonalen Verwaltung platziert. Aber von denen gibt es nun so viele auch wieder nicht, dass alle der rund 4000 Werke im Volksvermögen auch permanent öffentlich ausgestellt werden könnten.

Unter anderen die Mitglieder des Regierungsrats können sich bei Bedarf aus dem staatlichen Kunstfundus bedienen, um das eigene Büro nach dem eigenen Gusto zu schmücken. Und anders als ihr Vorgänger Peter Gomm malt Susanne Schaffner nun einmal nicht selber, zumindest nicht so virtuos. Bemerkenswert ist eher der Weg, auf dem die Bilder I und II aus der Trilogie «Schläfer, Zone-Zollhaus Berlin» von Jörg Mollet ihren Bestimmungsort im Büro der SP-Regierungsrätin fanden.

Ohne ihn jemandem absprechen zu wollen lässt sich wohl sagen, dass Kunst-Sachverstand nicht zwingend zu den Kernkompetenzen von Politikern oder einer kantonalen Verwaltung gehört. Die Verantwortung für die Anschaffung von Kunstwerken hat der Regierungsrat denn auch in die Hände des Kuratoriums für Kulturförderung gelegt, seines beratenden Fachgremiums in dieser Sache.

Die Fachkommission Bildende Kunst und Architektur des verwaltungsexternen Kuratoriums berät und bestimmt darüber, welche Werke von Solothurner Künstlern oder solchen mit einem zumindest «engem biografischen Bezug» zum Kanton in die staatseigene Kunstsammlung aufgenommen werden sollen. Die allgemeine Staatsrechnung belasten die Ankäufe nicht, sie werden aus Mitteln des Lotteriefonds bezahlt, der quasi privaten Schatulle des Regierungsrats zur Unterstützung von diesen und jenen gemeinnützigen Aktivitäten, über die er frei verfügen kann. Für den Ankauf von Kunstwerken stellt der Regierungsrat dem Kuratorium jedes Jahr eine Pauschale aus dem Lotteriefonds zur Verfügung. Mit einer Auflage allerdings: Überschreitet eine einzelne Anschaffung den Kaufpreis von 7000 Franken, muss sie mit einem separaten Regierungsratsbeschluss genehmigt werden.

Und genau mit einem solchen Beschluss wurde am 14. August der Kauf von zwei Bildern von Jörg Mollet zur Erbauung von Regierungsrätin Schaffner im Berufsalltag besiegelt. Die Werke von stattlichem Ausmass (Pigmentprint und Acryl auf Muji-Papier, hintermalt und doubliert 90 × 180 cm) schlagen mit 12'800 Franken zu Buche.

Die Frage, die sich dabei stellt: Kann man noch von einem freien Entscheid der Fachkommission des Kuratoriums ausgehen, wenn dieser Beschluss bereits ausdrücklich festhält, dass die Bilder «für das Büro von Frau Regierungsrätin Susanne Schaffner bestimmt» sind? Oder muss man vielmehr annehmen, dass die Regierungsräte nicht bloss sanften Einfluss auf die Ankaufpolitik nehmen, sondern vielmehr frank und frei Bestellungen für ihren Büro-Wandschmuck nach persönlichem Gusto beim Kuratorium aufgeben? Und wenn ja: Ist das legitim?

«Wir kaufen keinen Ramsch»

Es scheint zumindest gelebte Praxis im Solothurner Rathaus zu sein und dort als selbstverständlich zu gelten. Bei besagtem Regierungsbeschluss sei zwar tatsächlich ein kleiner Fehler gemacht worden, sagt Staatsschreiber Andreas Eng. Allerdings nur einer buchhalterisch-technischer Natur. Der Kauf der zwei Bilder von Jörg Mollet werde nämlich gar nicht dem jährlichen Rahmenkredit des Kuratoriums für Kunstkäufe belastet, es handle sich um eine Anschaffung ausserhalb dieses Budgets.

Wenn sie nichts Passendes im Fundus finden, können sich Regierungsräte demnach also auch gleich selbst aus dem Lotteriefonds bedienen, um die kantonale Kunstsammlung nach dem persönlichen Geschmack zu ergänzen. Der Staatsschreiber kann darin nichts Aussergewöhnliches erkennen. Ankäufe auf diesem Weg kämen immer mal wieder vor. Sie seien aber jeweils mit der Fachkommission Bildende Kunst und Architektur des Kuratoriums abgesprochen. Die Magistraten würden nicht eigenmächtig auf Einkaufstour gehen, sondern dem Kuratorium einen Anschaffungsvorschlag unterbreiten.

«Wir kaufen keinen Ramsch, die Werke müssen schon in die kantonale Sammlung passen», so Eng. Und zu betonen ist: Die Bilder gehen natürlich nicht etwa in das Privateigentum von Regierungsräten über, sondern bleiben selbstverständlich in Staatsbesitz. Für manche Räume der Verwaltung finde sich manchmal einfach schon vom Format her nichts Passendes im bestehenden Fundus, der Lotteriefonds darbe ja nicht und sei zur Kulturförderung da, heisst es weiter aus der Staatskanzlei.

1030 Werke, 187 Künstler

Auch wenn Letzteres unbestritten sein mag: Den Laien kann es schon erstaunen, dass es dazu auch noch Ankäufe ausserhalb des jährlichen Rahmenkredits braucht, den der Regierungsrat seit 1993 zulasten des Lotteriefonds bewilligt. In den letzten Jahren waren das jeweils 120'000 Franken, nur zu Beginn der 2010er-Jahre herrschte Schmalhans, und es wurden vorübergehend nur 60'000 Franken bewilligt. Die seit 1993 gesprochenen Mittel summieren sich auf einen doch stattlichen Betrag von etwas mehr als drei Millionen, damit wurde die staatseigene Sammlung um die ebenfalls stattliche Zahl von 1030 Bildern und Plastiken von 187 Kunstschaffenden erweitert.

Jörg Mollet gehört übrigens zu den regelmässig Bedachten unter ihnen. Im online abrufbaren Inventar der kantonalen Sammlung finden sich 20 Arbeiten von ihm. Der Künstler zeigt sich seinerseits grosszügig: Er hat schon zu Lebzeiten einen grossen Teil seines Werks gewissermassen der Allgemeinheit vermacht. 2013 verschenkte er die wichtigsten Arbeiten aus seinem druckgrafischen Schaffen seit 1968 – allerdings nicht dem Kanton, sondern dem Kunsthaus Grenchen.