Kantonsrat Solothurn
Regierung ist gegen einen «Notstopp» im Fremdsprachunterricht

Der Solothurner Regierungsrat lehnt einen Auftrag von Beat Künzli (SVP, Laupersdorf) ab, Frühfranzösisch und/oder Frühenglisch spätestens auf das Schuljahr 2015/16 zu stoppen.

Christian von Arx
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Lehrer schreibt «My name is...» an die Wandtafel

Lehrer schreibt «My name is...» an die Wandtafel

Keystone

Nach der Notbremse gegen den integrativen Unterricht (im Dezember vom Kantonsrat abgelehnt) ruft die SVP jetzt auch nach der Notbremse gegen «Frühfranzösisch» und «Frühenglisch». Zur Erinnerung: Seit August 2011 lernen Solothurner Primarschüler/-innen ab der 3. Klasse Französisch, seit August 2013 ab der 5. Klasse Englisch.

Damit sei das Lektionenfuder an der Primarschule überladen, findet Beat Künzli (SVP, Laupersdorf) in seinem Auftrag. Mit den zusätzlichen Fremdsprachenlektionen seien die Primarschüler «völlig überlastet» und hätten kaum mehr Zeit für Sport, Musik oder Freizeitaktivitäten. Besonders fremdsprachige Kinder seien mit zwei weiteren Fremdsprachen massiv überfordert. Schulabgänger könnten dafür zu wenig Deutsch. Im Kanton Luzern werde die Wirksamkeit des Frühenglischunterrichts «ernüchternd» beurteilt.

«Weniger ist mehr», folgert Beat Künzli und verlangt, der Regierungsrat müsse Frühfranzösisch und/oder Frühenglisch auf den nächstmöglichen Termin stoppen, spätestens auf das Schuljahr 2015/16. So könnten Kanton und Gemeinden erst noch fast 6 Mio. Franken pro Jahr sparen.

«Mehrheit ist nicht überfordert»

Die Regierung widerspricht. Gewiss sei die Belastung insbesondere in der 3. Klasse gestiegen. Aber vorher sei die Lektionenzahl im Kanton Solothurn im Vergleich mit andern Kantonen tief gewesen. Zudem habe die Regierung mit dem Massnahmenplan 2014 bereits entschieden, in der 3. Klasse eine Lektion abzubauen.

Die Mehrheit der Primarschüler/
-innen fühle sich mit zwei Fremdsprachen nicht überfordert. Die zwei Fremdsprachen wirkten sich auch nicht negativ auf die Deutschkompetenzen aus. Und zweisprachig aufwachsende Kinder hätten beim Fremdsprachenlernen keinen Nachteil, teilweise gar einen Vorteil.

Würde Solothurn die Frühfremdsprachen stoppen, müssten die Kinder später mehr büffeln, oder die im Sprachenkonzept der Erziehungsdirektorenkonferenz vereinbarten Ziele würden nicht erreicht. Das widerspräche der Harmonisierung. Der Kanton Solothurn müsste einen eigenen Lehrplan und eigene Lehrmittel entwickeln. Und: Schon im November 2012 habe der Kantonsrat den Verzicht auf Frühenglisch und eine Reduktion der Frühfremdsprachen verworfen. Die Regierung beantragt darum, den Auftrag Künzli nicht erheblich zu erklären.