Sie ist jetzt da, die Kunst im Knast, die so viel zu reden gab. Im neuen Deitinger Gefängnis im Schachen sind die zwei Kunstwerke zu sehen, die rund 180 000 Franken gekostet haben und für viel gehässige Reaktionen sorgten.

Gestern nun behandelte die Solothurner Regierung nochmals Nachwehen der Diskussion um Kunst im Knast. Auf maximal 50 000 Franken möchte SVP-Kantonsrat Roberto Conti die künstlerische Ausschmückung bei künftigen Bauten des Kantons beschränken, auch mit Blick auf anstehende Grossprojekte wie das Bürgerspital Solothurn oder den Neubau der Solothurner Berufsschule.

«In Zeiten knapper Kantonsfinanzen soll auch die Kulturförderung einen Beitrag leisten müssen», so Conti in seinem Auftrag. Auch mit maximal 50 000 Franken pro Neubau könne «immer noch eine stolze Kunstförderung betrieben werden».

Anders sah dies gestern die Regierung: Sie lehnt Contis Auftrag ab und möchte wie bisher den Betrag «von Fall zu Fall im Verhältnis zum Bauobjekt und Bauvolumen» festlegen. Der definitive Entscheid liegt nun beim Kantonsrat.

Kunst ist kein Kostentreiber

«Die Tradition, öffentliche Gebäude mit Arbeiten von Kunstschaffenden auszuschmücken, hat sich seit Jahrzehnten bewährt», begründet die Regierung ihr Festhalten am bisherigen finanziellen Rahmen.

«Das Kunstprozent liegt mittlerweile im Promillebereich. Kunst am Bau ist also nicht der kostentreibende Faktor.» Ausser dem Lotteriefonds sei die Kulturförderung im Kanton bereits jetzt sehr bescheiden: Gerade einmal 66 500 Franken habe der Kanton 2013 für Kulturförderung ausgegeben, inklusive der Aufwendungen für das Kantonale Kuratorium für Kulturförderung mit Geschäftsstelle.

Mit der von Conti geforderten Obergrenze von 50 000 Franken wäre man bei einem Riesenprojekt wie der Fachhochschule in Olten nicht weit gekommen. Bisher seien zahlreiche «aussergewöhnliche Projekte mit exemplarischer Qualität» geschaffen worden. «Dieses Gut dürfen wir nicht gefährden.»

Das Werk kann weh tun

Und im Schachen? Dort sehen die Gefangenen, die ab 1. Juli schrittweise einziehen, nicht nur Otto Lehmanns rote Fadenknäuel. Im Fitnessraum hat die Oltner Künstlerin Andrea Nottaris Glaskugeln in der Betonwand fixiert.

Wie gläserne Schneekugeln sehen sie aus und geben den Gefangenen drinnen Ausblicke in andere Welten draussen, in Bars, ins pralle Leben. Wer am Besuchstag vor den Kugeln stand, war berührt, fühlt man doch an wenigen anderen Ort im Neubau die Differenz zwischen drinnen und draussen so klar.

Kunst ist - für die Gefangenen - eben nicht immer schön. Und so könnte sich dieses Werk in den Augen derer, die den Gefangenen die teure Kunst nicht gönnen mochten, am Ende vielleicht also doch noch gelohnt haben.