Schwingen

Regen, Sägemehl und Volksmusik: Das war das 120. Solothurner Kantonalschwingfest

Das garstige Wetter vom Sonntag drückte kaum auf die Stimmung der rund 1900 Zuschauer am Kantonalen Schwingfest in Walterswil. Mario Thürig schwang obenaus.

Ein Halbrund aus Felsen und Wald begrenzte die Schwingstätte in Walterswil. Idyllisch war sie, die Arena am 120. Solothurner Kantonalschwingfest. Doch bereits vor dem Appell der Schwinger um halb neun spielte das Wetter nur bedingt mit. So begrüsste denn auch ein erster kleiner Regenschauer die Zuschauer.

Doch Schwingfans sind hart im Nehmen, das ist bekannt. Und mit einer stoischen Ruhe liessen die offiziell 1900 Zuschauer auch den nachmittäglichen Regenschauer über sich ergehen. Der tarnfarbene Regenumhang war in Walterswil jedenfalls das wichtigste Accessoire, um den Schwingsport auf hohem Niveau zu geniessen.

Tristesse und Favoritensterben

Die Schwinger liessen sich ebenso kaum vom garstigen Wetter beeindrucken. Gisler Bruno, vor dem Start als Favorit gehandelt, trieb lange vor seinem ersten Gang seinen Puls in die Höhe. Mit brachialer Kraft drosch er einen Medizinball an einen Container, daneben spurtete ein halbes Dutzend Schwinger sich die Müdigkeit aus den Beinen. Beim ersten Gang ist jedenfalls von Müdigkeit nicht mehr viel zu sehen. Ausser bei Gisler, der gegen den Gast aus Obwalden von Ah Benji mit Kreuzgriff platt den Kürzeren zog.

Eine erste Warnung an die Gastgeber, nun musste etwas geschehen, damit der Gast zurückgebunden werden konnte. Und die Taktik beim Einteilen reüssierte, so stellte von Ah gegen den defensiv starken Henzer Andreas.

Untermalt von Volksmusikklängen ging es auch für die anderen Schwinger um Punkte. Am Morgen waren die Beifallsbekundungen des Publikums noch etwas verhalten. Was sich am Nachmittag, mit Blick auf den Schlussgang, aber änderte. Und auch der einheimische Schwander Kilian durfte nach einem Sieg einen warmen Beifall entgegennehmen. Doch im sportlichen Fokus standen andere. Vorne festsetzen, konnte sich etwa der 150-Kilo-Brocken und Schlussgangteilnehmer Räbmatter Patrick. Während des Tages gingen die Ambitionen Gisler und von Ah baden, da halfen auch vermeintlich einfachere Gegner nicht, um in den Schlussgang einzuziehen.

Petrus hatte doch noch Erbarmen

Dem Wetter geschuldet wurde das Mittagessen verkürzt, damit das Fest sich nicht bis in den Abend zieht. Und auch für den traditionellen Festakt wurde das Schwingen nicht unterbrochen. Was spontanen Applaus unter den Zuschauern auslöste, welche keine Zuflucht unter einem Dach oder alternativ unter dem Adlerhorst der Presse gefunden hatten.

Doch die Zuschauer nahmen es sichtlich mit Humor, und auch der Speaker war um einen Hinweis auf die allgemeine Wettertristesse nicht verlegen. «Auf Platz drei gewinnt Regenass Beat. Sein Name ist heute Programm», tönte es während des fünften Gangs aus den Lautsprechern auf dem Festgelände. «Es ist ja trotzdem schön hier», sagte eine dumpfe Stimme unter einer Pelerine hervor. Der Sitznachbar nickte schweigend, die Augen blieben derweil auf einen Kampf gerichtet.

Und siehe da, auch Petrus Erbarmen liess es just zum Höhepunkt des Tages gut sein mit dem Nass. Im Schlussgang standen sich zwar zwei Aargauer Gegenüber, doch das schien die Zuschauer nicht zu stören. Keinen Sieg für einen Solothurner Schwinger, aber Thürig Marios Sieg im Schlussgang nach langer Verletzungspause liess diesen kleinen Makel verblassen.

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