Was für ein Wolkenbruch! Im Kanton Solothurn fiel am Dienstagabend wiederum viel und intensiv Regen. Die Feuerwehren hatten mit zahlreichen überfluteten Kellern zu tun.  Wo die Feuerwehr nichts ausrichten kann, ist in der Landwirtschaft. In Selzach waren es um die 40 Liter Regen innerhalb einer Stunde. Letzte Woche zogen die Gewitter noch vorbei. Dieses Mal traf es die Gegend mit voller Wucht.  

Die Regentropfen und auch vereinzelte Hagelkörner haben die Erdbeeren von Mann Beerenkulturen beschädigt. Das ganze Feld in der Witi sei unter Wasser gestanden, berichtet Aldo Mann. «Wir haben keinen Totalschaden, aber der Schaden an den Beeren ist gross.» Das Problem: Die beschädigten roten Früchte können nicht an den Detailhandel verkauft werden.

Auch der Pflückaufwand ist viel grösser, was sich in den Kosten wiederspiegelt. Das Risiko ist gross, dass die angeschlagenen Beeren zu faulen beginnen. Manns Team ist deshalb am Dienstag neben dem Pflücken der noch schönen Erdbeeren für den Verkauf auch damit beschäftigt, die schlechten zu entfernen, um Krankheiten abzuwenden. «Für uns geht das Tagesgeschäft weiter», meint Aldo Mann. 

Die Familie Mann versucht, einen Grossteil der beschädigen und nicht mehr marktfähigen Erdbeeren selber zu verwerten. Daraus entsteht zum Beispiel Konfitüre und Erdbeerwein.

Ab aufs Feld! 

Und da ist ja noch das Feld, um selbst aktiv zu werden. «Momentan ist der ideale Zeitpunkt zum Selberpflücken», sagt Aldo Mann. Leckere Konfitüre, ein Dessert: Direkt weiterverarbeiten ist bei den beschädigten, aber dennoch geschmacklich einwandfreien Früchten angesagt. «Die Erdbeeren auf den Plastikdämmen sind sauber», betont der Landwirt.

Von Dreck und Match sollte man sich nicht abhalten lassen. Gutes Schuhwerk ist dabei ein Muss – oder man geht eben barfuss. «Ein spassiges Erdbeererlebnis bietet es auf jeden Fall und es hat noch genug zuckersüsse Früchte zum selberpflücken», so Aldo Mann.

Täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr können Erdbeer-Freunde zugreifen. In Selzach wird es wohl noch zwei bis drei Wochen lang Erdbeeren geben. Dann ist die Saison, die am 20. Mai eröffnet wurde, durch.

Land unter

Auch den Selzacher Landwirt Markus Dietschi hat der Starkregen getroffen. Vier Zentimeter Wasser seien über die gesamte Oberfläche verteilt gewesen, beschreibt er die Situation.

Alles Wasser, das vom Dorf hinunterfliesst und in keiner Kanalisation Platz hat, schwemmt es auf die Felder der Witi-Bauern. Dietschis Felder sind die untersten. Dementsprechend bilden sich auf den Landwirtschaftsflächen des ehemaligen BDP-Präsidenten vermehrt Seen. So auch am Montag. Seen auf den Feldern, und über den Feldweg floss eine braune Suppe.

Starker Regen zwischen Selzach und Bettlach überschwemmt Wege und Felder.

Starker Regen zwischen Selzach und Bettlach überschwemmt Wege und Felder.

Im stehenden Wasser sieht Dietschi nicht das Hauptproblem. «Die Seen gehen rasch wieder weg.» Doch mit dem Wasser werde auch immer ein Teil des wertvollen Humus abgeschwemmt. Und dieser Humus komme nicht wieder zurück. «Wir wissen nicht mehr, was wir machen sollen. Bei so starken Niederschlägen sind wir machtlos.» 

Ist das Wasser weg, zeigen sich dann die Gräben in den Kulturen.