Drohnen

Regeln für Drohnenflüge über Menschenmassen werden verschärft

Seit dem 1. August gelten neue Regeln: für Drohnenflüge über Menschenmassen muss eine Bewilligung eingeholt werden. Drei Drohnen-Piloten erklären, welche Konsequenzen dies für sie mit sich bringt.

Egal ob bei Festivals, Volksfesten oder grossen Sportanlässen: Ohne Drohnen würde den Zuschauern vor den TV-Bildschirmen manch atemberaubender Blick von oben verwehrt bleiben. Je länger desto mehr werden die «fliegenden Stative» aber zum Problem. Weil diese heute bereits ab ein paar Hundert Franken zu haben sind, vermehren sich die sogenannten «Hobby-Piloten». Wegen der zunehmenden Anzahl von Drohnen am Schweizer Himmel steigt auch die Besorgnis der Bevölkerung. Vor allem wenn ein fliegender Roboter unangekündigt über eine grosse Menschenmasse fliegt, wird es vielen Beobachtern mulmig zumute.

In Zürich kam es so innerhalb kurzer Zeit zu zwei Zwischenfällen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat darum reagiert und führte auf den 1. August hin eine Bewilligungspflicht für Drohnenflüge über Menschenmassen bei öffentlichen Anlässen ein. Davon betroffen sind auch professionelle Drohnen-Fotografen aus der Region.

«Vermehrt wildes Herumfliegen»

Urs Fessler ist Inhaber von drohnen-luftbilder.ch. Er baut bereits seit 30 Jahren Modellflugzeuge, das «Drohnenfieber» hat ihn vor drei Jahren gepackt. Heute besitzt der Sozialpädagoge acht fliegende Roboter, und die Drohnen-Fotografie macht rund 20 Prozent seines Arbeitsalltags aus. Er sagt, dass ihn die Bewilligungspflicht zwar bisher nicht tangiere – da er noch nie entsprechende Aufträge erhalten habe – er aber den Entscheid begrüsse. Vor allem, weil er «ein bisschen Ruhe ins Drohnen-Thema bringen wird». Denn dieses berge – da in den letzten Jahren das «wilde Herumfliegen» enorm zugenommen habe – einiges an Zündstoff.

«Zurzeit kauft sich jeder eine Drohne und setzt diese nach Lust und Laune ein, darum musste das BAZL auch etwas unternehmen.» Fessler sagt, er hätte Drohnen mit den geforderten Sicherheitsbestimmungen und würde darum entsprechende Aufträge auch annehmen. Er habe aber kein Interesse mit seinen Drohnen einfach spasseshalber über Menschenmengen zu fliegen. «Das würde das Risiko für die anwesenden Personen nur unnötig erhöhen und ‹just for fun› sind meine Drohnen dann doch zu teuer.»

«Unfall-Chance ist extrem klein»

Ein weiterer Drohnen-Pilot aus der Region ist Felix Gerber. Seit 2003 arbeitet der Haltner als selbstständiger Fotograf. Luftaufnahmen mit seiner Drohne macht der Inhaber von foto-gerber.ch nun seit etwas über einem Jahr. Auf Anfrage sagt er, dass ihn die Bewilligungspflicht an und für sich nicht betreffe, da er mit seiner Drohne vor allem Architektur-Fotografie betreibe. «Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passieren könnte, ist zwar sehr gering, trotzdem ist es mir zu riskant, über Menschenmassen zu fliegen.»

Gerber sagt, dass er Aufnahmen von einem Grossanlass nur aus der Distanz mit einem gewissen Sicherheitsabstand machen würde. Denn: «Falls an einem Anlass über einer Menschenmenge eine zirka sieben Kilogramm schwere Drohne herunterstürzen sollte, ist die Chance gleich null, dass niemand verletzt wird.» Er wiederholt, dass aber ein Absturz wegen menschlichen Versagens bei professionellen Drohnen – aufgrund verschiedener Sicherheitsmerkmalen (siehe Box) – sehr unwahrscheinlich sei. «Das Problem ist aber, dass einige Hobbypiloten, die eine billige Drohne fliegen das Risiko eines Ausfalls der Elektronik unterschätzen.»

«Viele unerfahrene Piloten»

Einer der den Entscheid des BAZLs direkt betrifft ist Stephan Rohn. Der Etziker, der hauptberuflich als Solarmonteur unterwegs ist und 20 Prozent seines Arbeitsalltags der Drohnen-Fotografie widmet, ist Inhaber von drohnen-bilder.ch. Er hat einen Partnervertrag mit einer Firma und fliegt mit drei verschiedenen Drohnen. Bereits seit drei Jahren macht er Aufnahmen und hat auch schon Events mit grösseren Menschenmassen überflogen. «Bei manchen war ich näher dran und andere filmte ich von weiter weg, es kommt immer auf die Veranstaltung an», erklärt Rohn. Aufnahmen machte er beispielsweise beim letztjährigen Open Air Etziken, dieses Jahr am Töfftreff in Sumiswald, am Tractorpulling Zimmerwald oder auch an der Burghofnacht in Aeschi.

(Quelle: youtube/Stephan Rohn)

Drohnenbilder vom Openair Etziken 2014

Grundsätzlich begrüsst auch Rohn die Bewilligungspflicht, denn immer mehr unerfahrene Piloten seien mit einer billigen Drohne unterwegs und würden sich kaum Gedanken machen, was alles passieren könnte. «Es trifft nun aber auch die erfahrenen Piloten, welche die Grenzen kennen, täglich trainieren und das Ganze sehr ernst nehmen. Für diese ist der Entscheid relativ hart.» So auch für ihn selbst, vor allem im Hinblick auf einige Events, die bereits geplant wären. «Sind aber die vorgegebenen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, sollten dort keine Probleme entstehen», so Rohn.

Wer zahlt bei einem Unfall?

Das Risiko ist das eine Thema, der Bettlacher Drohnen-Pilot Urs Fessler spricht aber noch das andere an. «Es geht auch darum, im Falle eines Unfalls herauszufinden, wem die Drohne gehört, beziehungsweise, wer für den Schaden aufzukommen hat.» Fessler sagt, dass Privatpersonen ihr Hobby über die Privathaftplicht-Versicherung bis zu fünf Millionen abdecken lassen können. Was viele aber nicht wissen: «Entsteht der Schaden, wenn der Drohnen-Pilot gerade Fotos schiesst, mit denen er Geld verdient, dann wird keine Versicherung den Schaden bezahlen.»

Viele würden denken, sie könnten einfach so ihr Hobby zum Beruf machen und seien sich nicht bewusst, dass sie sich auf Messersschneide bewegen. Er selbst musste eine gewerbliche Haftpflichtversicherung abschliessen. Diese Versicherung decke Schäden bis zu zehn Mio. Franken. «Diese Summe zeigt, dass Versicherungen bei Unfällen mit Personenschaden mit hohen Kosten rechnen.»

Egal, wie der Entscheid die Piloten künftig tangieren wird, eines ist klar: Das Thema bleibt brisante. Fessler bringt es auf den Punkt: «Je länger je mehr müssen sich Drohnenbesitzer bewusst werden, dass sie eine grosse Verantwortung tragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man fünfhundert oder nur drei Personen überfliegt.»

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