Für den grossen Mangel an Pfarrerinnen und Pfarrer gibt es laut Robert Furrer, der Auskunft über das Projekt der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn gibt, drei Gründe. Erstens würden in den nächsten vier Jahren etwas über 100 Pensionierungen anstehen. Zweitens würden die Zahlen der normalen Studierenden ständig zurückgehen. Der dritte Grund sei, dass immer weniger Pfarrer aus Deutschland kämen, da sie dort selber gebraucht würden.

Furrer sagt, dass die Situation des Pfarrmangels in Solothurn vergleichbar sei mit derjenigen in Bern und im Jura.

Das einmalig durchgeführte Projekt «ITHAKA Pfarramt» (= Intensivstudium Theologie für Akademikerinnen und Akademiker mit Berufsziel Pfarramt) richtet sich an Frauen und Männer, die über einen Mastertitel einer Universität und über mehrjährige Berufserfahrung verfügen. So sollen berufs- und lebenserfahrene Menschen für den Dienst der Kirche gewonnen werden.

Robert Furrer ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Er freut sich über die mögliche neue Bereicherung für die Kirche: «Ich denke, wir können Leute gewinnen, die aus verschiedenen anderen Berufen kommen. So können sie einen Mehrwert und ein anderes Gewicht in die kirchliche Arbeit einbringen.»

Den Teilnehmern des Projekts wird mit dem von der theologischen Fakultät der Universität Bern entwickelten verdichteten Curriculum ermöglicht, innert drei Jahren den regulären Master-Abschluss zu erreichen. «Das ist ein Vorteil, denn das Normalstudium dauert zwei Jahre länger. Ausserdem studieren die Leute, die alle in der gleichen Situation sind, zusammen und können sich gegenseitig unterstützen », erklärt Furrer.

Auf die drei Jahre Intensivstudium folgt ein Vikariatsjahr in einer Kirchgemeinde. Dieses schlägt die Brücke zwischen der universitären Ausbildung und dem kirchlichen Dienst. Das Programm endet 2019 mit dem Staatsexamen, der Ordination und der Aufnahme in den Kirchendienst.

Die Ausgebildeten sollten danach noch mindestens zehn Jahre in einem Pfarramt arbeiten können, heisst es in der Ausschreibung des Projekts. Robert Furrer präzisiert: «Das ist nicht verlangt, das können wir nicht in dieser Art voraussetzen. Wir möchten die Aufnahmepraxis aber so gestalten, dass die Leute noch zehn Jahre im Pfarramt im Dienst stehen können. Denn wenn man schon so ein aufwendiges Studium macht, sollte man auch noch längere Zeit arbeiten und davon leben können. »

Wer aber ein Stipendium für das Studium erhalte, der müsse sich auf fünf Jahre verpflichten, so Furrer.

Die Ausschreibung für die Zulassung zum ITHAKA-Programm läuft noch bis Ende Oktober. Die Interessierten werden von der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn zu Gesprächen und einer Eignungsabklärung eingeladen.

Furrer sagt, dass sie bis jetzt schon relativ viele- um die zwanzig - Anfragen erhalten hätten. Das Minimum für die Durchführung des Projektes seien acht Personen, das Maximum zwanzig. Man sei aber relativ flexibel, da die Teilnehmer ein Universitätsstudium im ähnlichen Rahmen, wie es jetzt schon besteht, durchlaufen werden. «Wir glauben, dass bis Ende Oktober genug Anmeldungen eintreffen werden. Somit ist die Durchführung des Projekts ziemlich sicher.»