Zu Weihnachten
Reden ist Silber, Schönschreiben ist Gold

Cornelia Studer aus Gunzgen berührt mit ihrer Handschrift die Herzen der Menschen. Uns hat sie erklärt, was etwas Handgeschriebenes so besonders macht.

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Cornelia Studer schreibt schön
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«Ich mag Stift und Papier, aber das Herz ist das Wichtigste», sagt die Schönschreiberin Cornelia Studer
Cornelia Studer erfüllt die unterschiedlichsten Kaligrafie Wünsche ihrer Kunden
Cornelia Studers Kaligrafie
Wer selbst keine schöne Handschrift hat, kann sich die von Cornelia Studers «ausleihen»

Cornelia Studer schreibt schön

Philipp Kissling

Zugegeben, auf die Rechnungen könnten wir gut verzichten. Aber sonst ist der Gang zum Briefkasten auch im digitalen Zeitalter etwas Spannendes geblieben. Zu den Höhepunkten gehören natürlich Überraschungspäckli, schön in Packpapier eingefasst, aktuell am liebsten mit Weihnachtsklebern drauf. Ebenso gut oder noch viel besser: der handgeschriebene persönliche Brief. Wann haben Sie zuletzt einen bekommen? Oder selber einen geschrieben?

«Ich mag Stift und Papier, aber das Herz ist das Wichtigste», sagt die Schönschreiberin Cornelia Studer

«Ich mag Stift und Papier, aber das Herz ist das Wichtigste», sagt die Schönschreiberin Cornelia Studer

Philipp Kissling

Post aus Zermatt

«Mit der eigenen Handschrift erreicht man die Leute anders», bringt Cornelia Studer es auf den Punkt. Sie selber weiss das haargenau, denn sie hat unzählige Briefe geschrieben und ebenso viele Komplimente bekommen, nicht zuletzt für ihre schwungvolle Schrift, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

Studer hat schon als Mädchen gerne und viel geschrieben, das Schönschreiben in der Schule gehörte zu ihren liebsten Tätigkeiten. Wenn ihre Gspänli in der Lagerwoche in Zermatt zur Telefonkabine eilten, um Mami und Papi anzurufen, beschrieb sie die Wanderung zur Monte-Rosa-Hütte mit der Bergführerlegende Ulrich Inderbinen in einem Brief.

Später erhielten umschwärmte Eishockeyspieler Post von ihr, in einem Fall sogar so oft, dass er ihr eine Zehnernote für die Porto-Auslagen zukommen liess.

Nach jahrzehntelangem Schreiben im stillen Kämmerlein hat sie 2015 angefangen, die Öffentlichkeit an ihrer Kunst teilhaben zu lassen. Bestens geeignet dazu ist ihr Instagram-Profil, auf dem sie Bilder ihrer Werke platziert.

An ihren Workshops animiert sie die Neugierigen zum Experimentieren mit der eigenen Handschrift, und in Papeterien schreibt sie Vorlagen, damit sich Interessierte live ein Bild ihrer Schönschreibkunst machen und sich inspirieren lassen können. Handschriftlich (schön) schreiben mag in unserem Alltag in den Hintergrund gedrängt worden sein.

Zu einfach ist es, den Drucker im Homeoffice zu beanspruchen. Doch es gibt Hoffnung, weiss Cornelia Studer: «Der Stellenwert der Kalligrafie ist am Wachsen.»

Die Handschrift als das gewisse Etwas

Dass sie überhaupt auf die Idee gekommen ist, das Schreiben zu mehr als einem Hobby werden zu lassen, verdankt sie einer Freundin, die sie auf den Franzosen Nicolas Ouchenier aufmerksam machte. Ouchenir machte das handschriftliche Schreiben zu seinem Beruf, unter anderem verfasst er Einladungen für Pariser Modeschauen und gestaltet Eintrittsbillette.

So weit ist Studer, die gelernte Coiffeuse und heutige Gruppenleiterin einer Eingliederungsstätte, noch nicht. Aber sie spürt, dass da etwas gehen könnte, dass sie mit ihrer Schreibkunst Freude bereitet. Sie selbst sagt: «Wenn ich schreibe, bin ich im Herzen.» Entsprechend berührt sie mit ihrer Handschrift die Herzen der Menschen.

Aus wirtschaftlicher Sicht entwickelt sich das zarte Pflänzchen «Kalligrafie Cornelia Studer» langsam, aber stetig. Sie führt regelmässig Schreibaufträge aus für Unternehmen, die im Kontakt zur Kundschaft nach dem gewissen Etwas suchen. Ob ganze Kundenbriefe, Anredezeilen, Festtagsgrüsse, Adressblöcke oder Menükarten – das Feld für handschriftliche Hingucker ist gross und Studer parat, sich in dieser Nische einen Namen zu machen.

Adventszeit ist Briefzeit

Anders als auf dem PC gibt es in der Kalligrafie keinen Katalog für Schriftarten. Eine gewisse Vielseitigkeit erhält man durch das Ausprobieren. Wer experimentiert, hat irgendwann den Schwung raus und kann seine eigene Handschrift entwickeln. Sicher, schön schreiben ist nicht jedermanns Sache, und vermutlich gehen einige von uns mit der eigenen Handschrift hart ins Gericht.

Aber mit etwas Geduld und Übung, dem richtigen Werkzeug und schönem Papier fühlt es sich am Ende so an, als würde man den Brief, die Karte am liebsten an sich selbst verschicken. Ohnehin ist der erste Schritt, einen Brief zu erhalten, zuerst selber einen zu schreiben und jemandem eine Freude zu machen. Die Adventszeit eignet sich vorzüglich dazu.

Mehr Infos über Cornelia Studer unter: www.kalligrafie.corneliastuder.ch

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