Reaktionen
Rechtsüberholen – ein Thema, das Emotionen weckt

Der Artikel «Rechtsüberholen eine ‹Lapalie›? – Vorbestraftem Autofahrer wird Ausweis für immer weggenommen» löste aussergewöhnlich viele Leser-Reaktionen aus. Hier die meist vertretenen Meinungen zum Thema Rechtsüberholen.

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Das Thema Rechtsüberholen löste eine engagierte Debatte unter den Lesern aus. (Symbolbild)

Das Thema Rechtsüberholen löste eine engagierte Debatte unter den Lesern aus. (Symbolbild)

Keystone

Rechtsüberholen. Ein emotionales Thema, wie es scheint. Der erst kürzlich erschienene Artikel, welcher das Urteil im Falle eines fehlbaren Überholmanövers zusammenfasste, entfachte eine angeregte Diskussion unter unseren Lesern.

Um was ging es in dem Artikel überhaupt?

Im November 2014 fuhr Martin R. (Name geändert) auf der A1 Richtung Zürich. Weil der Verkehr stockte und R. «nur mal schnell tanken» wollte, kürzte dieser die verbleibende Strecke bis zur Raststelle ab, indem er rechts an der Kolonne vorbei über den Pannenstreifen fuhr.

2017 wurde R. genau deswegen vom Solothurner Obergericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Zudem nahm ihm die MFK den Ausweis weg. Dies, weil Martin R. bereits 2010 seinen Ausweis hatte abgeben müssen und nun innerhalb der festgehaltenen Fünfjahresfrist mit seinem Überholmanöver erneut gegen die Regeln verstossen hatte.

Martin R. reichte eine Beschwerde gegen diesen Ausweisentzug ein, da es sich seiner Meinung nach um eine «Lapalie» handle. Das Verwaltungsgericht lehnte die Beschwerde jedoch ab. R. habe mit seinem Überholmanöver gegen geltende Verkehrsregeln verstossen und es sei weiter nicht am Verkehrsteilnehmer zu entscheiden, ob diese zu befolgen seien oder nicht, so die Begründung der Gerichts.

In über 25 Beiträgen nahmen Leser in der Kommentarfunktion unterhalb des besagten Artikels Stellung zu diesem Thema.

Und auch an unserer Online-Umfrage «Soll Rechtsüberholen erlaubt werden?» wurde fleissig teilgenommen. Insgesamt 867 Stimmen sind eingegangen. Davon stimmten 442 oder rund 51 Prozent für eine «Legalisierung», 393 Teilnehmende äusserten sich negativ zu diesem Gedankenexperiment und nur 31 Stimmen oder knappe vier Prozent meinten, ihnen sei das Ganze herzlich egal.

Doch wieder zurück zu den Leser-Kommentaren. Interessant daran ist nämlich die Bandbreite der darin vertretenen Meinungen. Diese lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

  1. Da gibt es diejenigen, die das Urteil des (bereits mehrmals verurteilten) «Rechtsüberholers» für pure Justizwillkür halten. «Ich nenne das Ganze Willkür der Richter», so ein Leser beispielsweise.
  2. Dann gibt es wiederum solche, die der gegenteiligen Ansicht sind und das Urteil als angemessen erachten: «Man kann durchaus darüber diskutieren, ob das Rechtsfahrverbot noch zeitgemäss ist. Aber bis das Parlament eine Gesetzesänderung beschliesst, ist es nun mal verboten. Dass der fehlbare Fahrer hier so hart bestraft wurde, ist aufgrund seiner Vorstrafen nur legitim», argumentiert ein Leser.
  3. Und zum Schluss gibt es noch die, die finden, dass weniger die Rechtsüberholer als vielmehr die «permanenten Linksfahrer» oder die sogenannten «Mittelspur-Schleicher» bestraft werden sollten. «Ich bin definitiv der Meinung, dass die Polizei massiv mehr die permanent links Fahrerden bestrafen sollte», lautet ein weiterer Kommentar. Diese würden nämlich mit ihrer «blockierenden Fahrweise» den Verkehr unnötig behindern und solche Aktionen wie Rechtsüberholen quasi provozieren.

Rechtsüberholen. Ein Thema, das zwar Meinungsverschiedenheiten hervorruft, in Zukunft aber sicherlich noch oftmals Gegenstand interessanter Debatten sein wird. (ajs)