Das ist eine Hiobsbotschaft für den Werkplatz Balsthal: Die traditionsreiche Industriefirma RCT Hydraulic Tooling AG ist jetzt definitiv am Ende. Die Firmenverantwortlichen haben am Dienstag beim kantonalen Konkursamt wegen Zahlungsunfähigkeit die Bilanz deponiert. Dies bestätigt auf Anfrage Anton Schmalz, Chef des Konkursamtes. In der Firma werde bereits seit Ende April nicht mehr gearbeitet.

75 Angestellte stehen auf der Strasse

Von der Firmenschliessung seien rund 75 Mitarbeitende betroffen, erklärt Jonas Motschi, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Der Grossteil davon sei im Kanton Solothurn wohnhaft. Bereits Ende April habe die Mutterfirma der RCT, die Accu Holding AG mit Sitz in Emmenbrücke, ihn auf Anfrage informiert, dass die Bilanz deponiert werde.

Kurz darauf habe das AWA die Belegschaft an einer Veranstaltung über die Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Arbeitslosenversicherung orientiert. Zum Beispiel, dass Betroffene, welche bis zur Konkurseröffnung Lohnausstände haben, Anspruch auf eine Insolvenzentschädigung hätten. Diese gelte rückwirkend für vier Monate vor der Bilanzdeponierung. Es hätte einige Angestellte, welche offenbar über mehre Monate keinen Lohn mehr erhalten hätten, erklärt Motschi. Danach haben die Entlassenen Anspruch auf die Leistungen der Arbeitslosenversicherung.

Konkurs mit Ankündigung

Bei der RCT respektive der Mutterfirma Accu war vorerst keine Stellungnahme erhältlich. Der interimistische Accu-CEO Andreas Kratzer verwies am Telefon nur kurz auf eine Medienmitteilung von Ende April. Darin gab Accu die mögliche Schliessung bekannt, weil die RCT einen Grosskunden verloren habe. Es werde schwierig, die Aktivitäten in Balsthal weiterzuführen. Daher «evaluiert Accu Lösungen für eine Einstellung dieser Aktivitäten». Somit ist die Konkurseröffnung keine wirkliche Überraschung mehr, sondern eher eine Vollzugsmeldung.

Hinzu kommt, dass Accu-intern offenbar einiges im Argen liegt. Nachdem die Zürcher Staatsanwaltschaft Mitte April gegen Marco Marchetti, Mehrheitsaktionär, Verwaltungsratspräsident und CEO der Accu und auch Verwaltungsratspräsident der RCT, eine Strafuntersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung eröffnete, ist dieser wie berichtet per sofort von seinen Ämtern bei der Accu zurückgetreten.

Zudem klagten RCT-Mitarbeitende seit Monaten über ausstehende Löhne. Accu Holding ist eine an der Schweizer Börse kotierte Industriegruppe mit gegen 1000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 160 Millionen Franken.

«Skandalöses Geschäftsverhalten»

Das Verhalten der Geschäftsführung geisselt Ivano Marraffino, Leiter der Sektion Solothurn der Gewerkschaft Unia,  als «skandalös». Die RCT sei eine gut aufgestellte Firma gewesen – bis zur Übernahme 2011 durch die «finanzgesteuerte Geschäftsführung». Der erwähnte langjährige Kunde sei ja nicht aus heiterem Himmel abgesprungen. Schon lange hätten Mitarbeitende auf Qualitätsmängel bei den gefertigten Teilen und Komponenten hingewiesen, leider erfolglos. 

Die Geschäftsführung habe es verpasst, die Mitarbeitenden, Lieferanten und Kunden korrekt und auf Augenhöhe zu behandeln. Während die Belegschaft jederzeit ihr Bestes gegeben und sich gegenüber dem Arbeitgeber loyal gezeigt habe, seien die Löhne verspätet oder teilweise gar nicht ausbezahlt worden. Zudem seien AHV- und Pensionskassenbeiträge den Mitarbeitenden zwar abgezogen, aber nicht an die zuständigen Einrichtungen überwiesen worden, behauptet Marraffino.

Schwierige Jobsuche

Die Entlassenen müssten sich nun auf dem ohnehin schwierigen Arbeitmarkt neu orientieren. Die Herausforderung sei gross. Das zeige auch der Umstand, dass die Beschäftigten trotz ausbleibenden Lohnzahlungen bei der RCT geblieben seien, weil sie eben keinen neuen Arbeitsplatz gefunden hätten. Zudem gingen, so Marraffino, mit dem Konkurs wertvolle Industriearbeitsplätze unwiderruflich verloren.

Auch AWA-Chef Motschi spricht von einer sehr schlechten Nachricht für den Werkplatz Kanton Solothurn. Es sei immer ein negatives Signal, wenn Produktionsfirmen und entsprechende Arbeitsplätze wegfallen. Die Suche nach einer neuen Stelle sei momentan tatsächlich nicht einfach und hänge stark von der Ausbildung und dem Alter der Suchenden ab. Grundsätzlich biete der Arbeitsmarkt zwar Chancen. «Aber wohl nicht alle Betroffenen werden einen neuen Arbeitsplatz finden.»

«Das ist sehr unerfreulich.» So reagiert Balsthals Gemeindepräsident Roland Stampfli auf die Schliessung der traditionsreichen Firma. «Wir bedauern das Ende. Unter dem Wegfall des Industriebetriebes leidet auch der Werkplatz Balsthal.»

Insbesondere aber sei es eine sehr schwierige Situation für die betroffenen Mitarbeitenden, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren. Mit den Firmenverantwortlichen sei man nicht in Kontakt gestanden und man sei auch nicht über den Konkurs informiert worden. Gegen die Firmenschliessung an sich könne die Gemeinde nichts unternehmen. «Uns sind in solchen Fällen die Hände gebunden.»