Kunst
Räume, seltsam verortet

Martin Kasper lädt in seine surreal stimmende Räume und Gebäude ein – zu sehen im Haus der Kunst St. Josef, Solothurn.

Eva Buhrfeind
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Martin Kaspers «Sur les murs» ist ein Suchbild im Suchbild, das mit den Wirklichkeiten spielt.

Martin Kaspers «Sur les murs» ist ein Suchbild im Suchbild, das mit den Wirklichkeiten spielt.

Hanspeter Baertschi

Noch immer sind es die Räume, die Martin Kasper sucht und malt. Räume, die ihn faszinieren, Räume, die eine bestimmte Leere haben, eine seltsame Verlassenheit.

Räume und Örtlichkeiten, auch moderne Architekturen, Hochhäuser, Hotels, Museen, die er malerisch neu konstruiert und deren Leere und Abwesenheit – ja ein Nicht-Existieren – bis ins Imaginäre ausreizt.

Greifbar sind seine Architekturen und doch befremdlich: Schwimmbäder, Hotelfoyers, Hallen, Museumssäle mit Emporen, Brüstungen, Stuckverzierungen, kaltgeflieste fiktionale Hallen, spiegelnde Böden und Glaswände – und als grossformatiges Bildereignis das Bild-im-Bild-im Bild.

«Sur les murs» erzählt von einer Ausstellung, zeigt einen Ausstellungsraum wie eine Bühnenkulisse, mit einem Hauptwerk, das diese Kulisse widerspiegelt.

Vom ihm gemalte Bilder sind im Bildraum platziert, sonderbare Raumordnungen seitlich und zuoberst befremden die Wahrnehmung, gleichzeitig wird das monumentale, dreiteilige Bild von einer gemalten Wand umfasst, auf der der Künstler (?) herantritt und im Trompe l’œil ein weiterer Raum samt Accessoires angedeutet wird. Ein Suchbild im Suchbild, das mit den Wirklichkeiten spielt und deren sich überschreitende Grenzen auslotet.

Auch in dieser nach 2007 zweiten Einzelausstellung zeigt Martin Kasper im Haus der Kunst wiederum verfremdete Orte, die nicht zuzuordnen sind trotz aller scheinbaren und teils nur vordergründigen Realität.

Denn nun spielt Martin Kasper intensiv mit der Irritation der räumlichen Wahrnehmung. Diese Orte, aus realen Vorbildern auf Reisen wie nach Tel Aviv, Haifa, Sofia, Taschkent nachchoreografiert, verwandelt er in melancholisch dichte, oft schon surreal anmutende Endzeitstimmungen.

Menschentleert, als wenn jeglicher Gedanke an Lebensformen aufgehoben wurde, eröffnet er dem Realen absolut irreale Momente, steigert diese Metamorphosen vorhandener Räume zu Metaphern des Unvertrauten im scheinbar Vertrauten, des Nichtmehrgreifbaren im malerisch Greifbaren.

Raffiniert im malerischen Spannungswechsel zwischen figurativ-plakativer Malweise und einer sinnbildhaften Unschärfe, distanzierter Wahrnehmung und subjektivem Empfinden stellt Martin Kasper den Betrachter mit diesen wirklichkeitsnahen, dabei imaginären Raumdramaturgien vor immer neue Rätsel. Denn nun scheint sich das Räumliche ineinander zu verschachteln.

Reflexionen im Wasser, auf spiegelglatten Plattenböden oder Glaswänden imaginieren Doppelbödigkeiten ineinander spiegelnder Raumsituationen, deuten Räume an, die man nur ahnt, zu greifen scheint, denen man aber nicht traut.

Die Perspektiven ziehen die Architekturen in epische Fluchten oder variieren innerhalb eines Raumes, fügen sich gegeneinander. Decken und Böden entziehen sich der konkreten Wahrnehmung, öffnen sich zu irritierenden Höhen und unerklärlichen Abgründen: Innen und Aussen verflechten sich zu irrationalen Zuständen.

Dann wieder verdichtet der im breisgauischen Freiburg lebende Martin Kasper räumliche Situationen, um sie gleichzeitig widerständisch aufzubrechen, ordnet die architektonische Sicht neu oder schiebt Versatzstücke wie Collagen zu illusionären Raumfluchten ineinander.

Ein im Bild gemaltes Bild erweitert sich als aufbrechende Wand zur Gebirgslandschaft, die modernistischen Gebäudekomplexe sind auf eine exotisch-filmische Stimmung zurückgeworfen.

Auf eine eher zurückhaltende Weise unterwandert Martin Kasper den Raum als Ausdruck einer absoluten Verlassenheit mit spannungsgeladenen Atmosphären, in denen doch tatsächlich hin und wieder menschliche Schatten und Silhouetten auftauchen, um die situative Dramatik weiter zu verwirren.

Bis 13. März. Geöffnet: Do–Fr 17–20 Uhr, Sa–So 13–17 Uhr.

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