Pausenregelung

Raucher müssen fürs Qualmen immer häufiger ausstempeln

Rauchpause geht nicht auf Arbeitszeit.

Rauchpause geht nicht auf Arbeitszeit.

Immer mehr Firmen verlangen, dass Raucher für die Zigarettenpause ausstempeln. So auch die Bell AG in Oensingen oder die Etampa in Grenchen. Bei den Solothurner Spitälern und der Kantonsverwaltung zeigt man sich dagegen etwas grosszügiger.

Arbeitnehmer A. zu Arbeitnehmer B.: «Jetzt gehen die schon wieder rauchen!» Arbeitnehmer B. echauffiert: «Ich weiss, das ist wirklich unerhört! Und sie müssen noch nicht einmal ausstempeln ...» Sei es im kleinen Büro oder in der grossen Produktionshalle, viele Arbeitnehmer kennen solche Situationen. Es sind Unmutsäusserungen, die es eigentlich schon immer gab, sich aber seit Mai 2010 deutlich häuften.

Damals nämlich trat das Bundesgesetz zum Schutz vor dem Passivrauchen in Kraft. Zwar hatten bis zu diesem Zeitpunkt bereits viele Firmen ihre rauchenden Mitarbeiter nach draussen geschickt, fortan durfte aber explizit niemand mehr direkt am Arbeitsplatz rauchen, jedenfalls nicht in geschlossenen Räumen.

Etliche Firmen reagierten

So blieb und bleibt bei vielen rauchenden Angestellten die Arbeit liegen, während sie sich draussen ihrem Glimmstängel widmen. Kein Wunder, dass sich Nichtraucher unter den Arbeitskollegen gegenüber den Pausen-Rauchern benachteiligt fühlen.

Etliche Firmen reagierten nochmals, so ist es heute bereits vielerorts so, dass zum Rauchen ausgestempelt werden muss - allerdings längst noch nicht überall. Diese Zeitung wollte von grossen Arbeitgebern in der Region wissen, wie ihre internen Regelungen zum Thema Rauchpausen aussehen.

Spitäler appellieren an Personal

«Es gibt bei uns keine soH-weite Regelung bezüglich Rauchpausen», sagt Eric Send, stellvertretender Leiter Kommunikation, der Solothurner Spitäler AG (soH). Grundsätzlich würde man den rauchenden Mitarbeitern so weit vertrauen, dass sie selbstständig die zugesprochenen Tagespausen richtig einteilen. «Kurzpausen und Essenspausen sind bei uns im Gesamtarbeitsvertrag geregelt», so Send.

Das heisst: Bei einem ganzen Arbeitstag stehen den Mitarbeitenden zweimal 15 Minuten Kurz- und einmal mindestens eine halbe Stunde Essenspause zu. Speziell aber an die Mitarbeitenden mit Patientenkontakt werde appelliert, während der Arbeit so weit als möglich auf das Rauchen zu verzichten, da der Rauchgeruch für Patienten unangenehm sein könne.

Und dieser Appell werde grossmehrheitlich auch berücksichtigt. Und dies werde grossmehrheitlich auch eingehalten. «Ich glaube sagen zu dürfen, dass - gemessen zum Beispiel an der Gesamtzahl der rund 1500 Angestellten des Bürgerspitals Solothurn - sehr wenige Mitarbeiter beim Rauchen anzutreffen sind», so Send. Trotzdem wird auch bei der soH klar festgehalten: «Bei ausserordentlichen und häufigen Rauchpausen wird verlangt, dass ausgestempelt wird.»

Grosszügige Kantonsverwaltung

Gleich wie bei den Spitälern, zeigt man sich beim Thema Rauchpausen auch beim Kanton etwas grosszügiger als beispielsweise in der Industrie. Urs Hammel, Chef im kantonalen Personalamt, gibt Auskunft: «Unsere Mitarbeiter in den Verwaltungen haben jeweils am morgen und am Nachmittag 15 Minuten bezahlte Pause.»

Da beim Kanton das Jahresarbeitszeitreglement gelte, könne ein Mitarbeiter aber auch mehr als die bezahlten 30 Minuten pro Tag dem Rauchen widmen. «Dann muss er aber ausstempeln», betont Hammel. Die jeweiligen Amtschefs seien angehalten, die Einhaltung dieser Weisung zu beobachten und durchzusetzen. «Es wird nicht explizit kontrolliert, aber wenn ein Mitarbeiter ständig am Rauchen ist und der Chef nichts merkt, ist er kein guter Chef.»

Bell setzt auf Menschenverstand

Ein anderer grosser Arbeitgeber im Kanton ist mit 724 Mitarbeitern (inklusive jenen mit Akkordlohn) die Bell AG in Oensingen. Dominique Bigler, Mitarbeiterin beim Verkauf und Marketing des Fleischverarbeiters: «Die Mitarbeiter müssen für Raucherpausen ausstempeln.» Teilweise gebe es in der Produktion aber bezahlte Kurzpausen, bei denen die Produktionsanlagen kurze Zeit abgestellt würden.

Eine Höchstanzahl oder -dauer an Rauchpausen gebe es keine, «das ist eine Frage des gesunden Menschenverstands und bei Abweichungen eine Führungsaufgabe», erklärt auch Bigler. So oder so werde die Zeiterfassung täglich von den Führungsverantwortlichen kontrolliert und dabei würden auch die Rauchpausen angeschaut.

Gerlafingen: Pause für 15 Minuten

«Wir machen grundsätzlich keinen Unterschied zwischen den Pausenregelungen von Rauchern und Nichtrauchern», sagt Linda Krenn, Bereichspersonalleiterin eines weiteren grossen Arbeitgebers in der Region - der Stahl Gerlafingen AG. «Unsere 553 Angestellten haben gemäss Gleitzeitreglement pro Tag eine 15-minütige unbezahlte Pause zur Verfügung und sind frei in deren Gestaltung», erklärt Krenn.

Speziell in Gerlafingen ist, dass sich viele Arbeitsplätze im Freien befinden. Deshalb herrscht kein generelles Rauchverbot. «In geschlossenen Räumen und Gebäuden darf nicht geraucht werden, so sind die Bestimmungen zum Schutz vor Passivrauchen, Produktionsmitarbeiter können aber je nach Arbeitsplatz in der Produktion bei der Arbeit rauchen», erklärt Krenn.

Wie siehts bei der Industrie aus?

Zuletzt ein Blick in die Grenchner Wirtschaft. Aus der Menge gepickt: Die Feinstanztechnik-Firma Etampa, mit 90 Mitarbeitern und die zur Swatch Group gehörende Uhrenherstellerin ETA SA, mit 2000 Mitarbeitenden. «Jede Pause, egal ob Rauch- oder Kaffeepause, muss, ausgestempelt werden», sagt Mediensprecherin Béatrice Howald. Die bezahlte Pausenzeit betrage maximal 12 Minuten je Arbeitstag (8 Stunden) und werde, falls die Pause in Anspruch genommen werde, täglich gutgeschrieben. «Die Mitarbeitenden können die Anzahl und Dauer der Pausen selber bestimmen, wobei die notwendigen Arbeitsabläufe sichergestellt werden müssen», sagt Howald.

Etampa-CEO Walter Sahli setzt grundsätzlich auf den gesunden Menschenverstand und gegenseitige Toleranz. Um aber trotzdem klare Rahmenbedingungen zu schaffen, seien vor etwa 18 Monaten Regeln eingeführt worden. Definiert wurde: maximal vier Rauchpausen pro Tag und Person und eine empfohlene Maximalzeit von 10 Minuten pro Raucherpause.

«Die Raucherpausen werden ausgestempelt und gehen zulasten des Zeitkontos des Mitarbeiters», erklärt Sahli. Die Personalabteilung kontrolliere regelmässig das Funktionieren und die Einhaltung der Regeln. Sahli betont, dass das System mit Ausstempeln gut funktioniere. «Als Chef muss man halt einmal den Mut haben das Ausstempeln während der Rauchpause durchzusetzen - dem Arbeitsklima zuliebe.»

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