Augenschein
Raser von Schönenwerd: Gericht verschaffte sich in Aarau Eindruck der Situation

Auftakt zum heute beginnenden Appellationsprozess in Sachen Schönenwerder Raserunfall: Die Strafkammer des Solothurner Obergerichts nahm am Montag Abend einen Augenschein in Aarau vor.

Drucken
Teilen
4 Bilder
 Das ist das Fahrzeug, das den Unfall verursacht hat, kam erst rund 50 Meter nach der Kollisionsstelle voellig demoliert auf einer Strasseninsel zum Stillstand. Der 18-jährige Lenker und sein 53-jähriger Begleiter blieben unverletzt.
Raserunfall Schönenwerd
Gedenkstätte für das Raseropfer von Schönenwerd Gedenkstätte für das Raseropfer von Schönenwerd (Archiv)

Ausgangspunkt des Augenscheins, bei dem auch alle drei Beschuldigten und ihre Anwälte sowie der Oberstaatsanwalt zugegen waren, war das Aarauer Stritengässli, das in den der Schachenwiese entlang führenden Allmendweg mündet. Auf diesem waren die drei Raser am 8. November 2008 unterwegs – Minuten bevor der vorderste von ihnen in Schönenwerd in ein in die Stiftshaldenstrasse einbiegendes Auto krachte und dabei das Leben von Lorena Wittwer auslöschte.

Auf dem Allmendweg gilt Temp 50

Im Stritengässli waren in jener Nacht zwei Stadtpolizisten mit einer Personenkontrolle beschäftigt, als sie hörten, wie sich auf dem Allmendweg aufheulende Motoren näherten. Sie wurden am Montag Abend vor Ort noch einmal befragt. Einer will genau gesehen haben, wie sie mit massiv übersetztem Tempo und in geringem Abstand zueinander vorbeipreschten. Auf dem mit mehreren Zebrastreifen gespickten Allmendweg gilt Tempo 50. Oberrichter Marcel Kamber, fand das Ganze «krass» und wollte wissen, weshalb keine Fahndung eingeleitet wurde.

«Das wäre sinnlos gewesen», gaben die Stadtpolizisten zu Protokoll. Sie hätten ja nicht gewusst, in welche Richtung die drei weiterfuhren. Den Streifenwagen hätten sie erst wenden müssen, sagte einer der beiden. Und eine Verständigung der Einsatzzentrale der Solothurner Kantonspolizei via Einsatzzentrale der Aargauer Kapo hätte zu lange gedauert: «Da sind die längst über alle Berge.»

Ein Augenschein vor Ort

Der Augenschein wurde dann am Unfallort fortgeführt, wo sich das Gericht einen Eindruck von der Situation verschaffte. Insbesondere fuhren die drei Mitglieder der Strafkammer von Westen her in Richtung Stiftshaldenstrasse, um beurteilen zu können, auf welche Distanz ein Linksabbieger die Scheinwerfer der von der Wöschnau her nahenden Fahrzeuge wahrnehmen kann. (uw)