Solothurner Raiffeisenbanken
Raiffeisenbanken sagen vermehrt «Nein» zu Hypothekarkrediten

Die strengeren Regeln für die Vergabe von Hypothekarkrediten machen den Weg zum Wohneigentum steiniger. Die Nachfrage bleibt aber hoch.

Franz Schaible
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Verbandspräsident Rolf Kissling (l.) sowie die Vorstandsmitglieder Rebecca Baumann und Andreas Anderegg erläutern das Geschäftsjahr 2015 der 20 dem Verband angeschlossenen Solothurner Raiffeisenbanken.

Verbandspräsident Rolf Kissling (l.) sowie die Vorstandsmitglieder Rebecca Baumann und Andreas Anderegg erläutern das Geschäftsjahr 2015 der 20 dem Verband angeschlossenen Solothurner Raiffeisenbanken.

Thomas Ulrich

Die strengeren Regeln für die Vergabe von Hypothekarkrediten machen den Weg zum Wohneigentum steiniger. «Insbesondere für junge Familien wird es schwieriger, sich künftig ein Einfamilienhaus leisten zu können», sagte Andreas Anderegg. Er ist Vorstandsmitglied des Solothurner Verbandes der Raiffeisenbanken, welcher am Mittwoch die Geschäftszahlen der 20 angeschlossenen Genossenschaften präsentierte.

Bei einem angenommenen Hauspreis von 1 Millionen Franken benötige die Familie ein Eigenkapital von 200 000 Franken und ein Einkommen von rund 150 000 Franken, um die Anforderungen an Belehnungshöhe und Tragbarkeit erfüllen zu können. Nicht zuletzt deshalb erwartet Anderegg im laufenden Jahr eine Abflachung im Hypothekargeschäft, trotz historisch tiefem Zinsniveau. Die Nachfrage sei immer noch hoch. «Aber wir sagen vermehrt Nein, weil wir nicht auf Kosten von Risikopositionen wachsen wollen.»

Und trotzdem weisen die Solothurner Raiffeisenbanken für 2015 insgesamt beim Hypothekenbestand ein stolzes Plus von 4,2 Prozent auf 8,5 Milliarden Franken aus. Es gebe immer noch Regionen mit anhaltend hoher Bautätigkeit, ohne dass sich aber eine Überhitzung im Immobilienmarkt abzeichne. Ein Teil des Wachstums entfalle auf den Bau von Mehrfamilienhäusern mit Eigentumswohnungen.

Vermögende Privatpersonen würden vermehrt in Immobilien investieren, um das Stockwerkeigentum dann zu vermieten. «Wir können aber mit Gewissheit sagen, dass wir die Kreditvergaberichtlinien einhalten», versicherte Anderegg. Zudem habe man die Ausleihungen weitgehend mit neuen Kundengeldern refinanzieren können, ergänzte Verbandspräsident Rolf Kissling.

Zinsmarge sinkt und sinkt

Angesichts des Tiefstzinsniveaus fällt auf, dass der Erfolg im Zinsengeschäft, dem wichtigsten Ertragspfeiler der Raiffeisenbanken, um 2 Prozent auf 121 Millionen Franken gestiegen ist. So ist die Zinsmarge – wenn auch verlangsamt – erneut gesunken, und zwar von 1,28 auf 1,26 Prozent. Noch 2011 wiesen die Banken eine Marge von 1,42 Prozent aus. 2015 sei es gelungen, so Anderegg, den Margenrückgang mit dem höheren Volumen zu kompensieren. «Aber die Zinsmarge wird unter Druck bleiben.»

Die Ertragslage dürfte sich dadurch im laufenden Jahr leicht verschlechtern. Auf der Passivseite gebe es keinen Spielraum mehr, die Verzinsung der Spargelder sei praktisch auf dem Nullpunkt. Eine Weitergabe von Negativzinsen an die Kunden sei aber kein Thema. Die Reaktion der Kunden wäre unberechenbar, viele würden wohl ihre Gelder abziehen und im Tresor lagern. «Der Sparer darf nicht weiter bestraft werden, die Schuldner sind bereits übervorteilt.»

Dank des höheren Zinserfolges resultierte trotz gestiegenem Geschäftsaufwand beim Bruttogewinn ein Plus von 5 Prozent auf 58,2 Millionen Franken. Der ausgewiesene Reingewinn stieg um 1,8 Prozent auf 12,5 Millionen Franken. Verbandspräsident Kissling sprach deshalb insgesamt von «einem erfreulichen Geschäftsjahr, weil sich alle wichtigen Kennzahlen in die richtige Richtung entwickelt haben».

Weniger Genossenschafter

Wohl erstmals in ihrer Geschichte waren die Solothurner Raiffeisenbanken mit einem Rückgang der Anzahl Genossenschafter konfrontiert (siehe Tabelle). Das hange, so Anderegg, auch mit der hohen Marktdurchdringung zusammen. «Die Banken erreichen in ihren Geschäftskreisen einen durchschnittlichen Marktanteil von 34 Prozent.» Stärker dürfte aber der Einfluss der Mehrfachmitgliedschaften sein, ergänzte Kissling.

Es sei nicht selten, dass derselbe Kunde gleichzeitig bei mehreren Banken Mitglied sei. Im Falle einer Fusion reduzierten sich die Mitgliedschaften automatisch. Der Prozess der Zusammenschlüsse werde sich fortsetzen. Auch die Zahl der aktuell 54 Geschäftsstellen werde weiter abnehmen. «Entscheidend ist hier das Kundenverhalten respektive die Nutzung einer Filiale. Die Kunden entscheiden über deren Rentabilität.»

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