In den nächsten drei Wochen erlangt Oensingen auf einen Schlag in der ganzen Schweiz Bekanntheit: Es ist der Ort, wo die Familie Dietschi aus Kestenholz auf einem Bauernhof wie vor 500 Jahren leben und arbeiten wird. In den letzten Tagen liefen die Vorbereitungen in Oensingen auf Hochtouren, am Dienstag lud das Projektteam von «Schweiz aktuell» zu einer Besichtigung des Bauernhofs und der Bechburg ein. Dabei stellten sie das Projekt «Leben wie vor 500 Jahren» vor und lieferten mehr Hintergrundinfos zur Planung und den Vorbereitungen. Gleich daneben sass, eine schwarze Aktenmappe auf dem Schoss und sichtlich voller Vorfreude, Max Misteli.

Der «Schloss-Reporter»

Misteli ist der Mann, der dafür sorgt, dass Oensingen als Gemeinde von der Aufregung um «Leben vor 500 Jahren» profitieren kann. Zusammen mit seinem Projektteam hat er ein Rahmenprogramm erarbeitet, das täglich auf der Neu-Bechburg stattfindet und so viele Besucher nach Oensingen locken soll. Das Projektteam besteht aus Mitgliedern der Kulturkommission und des Vereins Freunde des Schlosses. Für Misteli war das eine Herausforderung. Er ist es sich zwar gewohnt, auf der Neu-Bechburg Anlässe zu organisieren.

Zum Beispiel Fotoausstellungen. Aber der jetzige Rummel hat eine neue Dimension: «Das habe ich wirklich noch nicht erlebt», gibt Misteli zu. «Aber es macht wahnsinnig viel Spass!».
Das Ziel des Projektteams ist es, mit dem Rahmenprogramm mehr Wissen zum Mittelalter zu vermitteln. Als «Schloss-Reporter» wird Misteli verschiedene Gäste im Schloss interviewen. Diese Gäste verbindet alle, dass sie sich mit einem Thema aus dem Mittelalter gut auskennen.

Beispielsweise interviewt Misteli einen Arzt, der weiss, wie im Mittelalter verschiedene Krankheiten behandelt wurden. «Einige Methoden von damals werden noch heute angewandt», erklärt Misteli. So etwa Behandlungen mit Blutegeln. «Wenn heute ein Finger nach einem Unfall angenäht werden muss, dann kann eine Behandlung mit Blutegeln helfen, die Blutzirkulation in dem Finger wieder anzuregen.»

Teilnehmerfamilie Dietschi aus Kestenholz übt sich im mittelalterlichen Handwerk.

Teilnehmerfamilie Dietschi aus Kestenholz übt sich im mittelalterlichen Handwerk.

Themenvielfalt auf der Burg

Neben der Medizin gibt es aber noch andere spannende Themen aus dem Mittelalter. Misteli schaffte es, 15 Gäste für ein Interview auf der Neu-Bechburg zu gewinnen. Sie zu finden war nicht ganz leicht. «Es lief meistens so ab, dass ich jemanden für ein bestimmtes Thema suchte. Mit den verschiedenen Gesprächen wurde ich dann auf ein weiteres spannendes Thema aufmerksam und bekam Tipps, wer sich damit auskennen könnte. So lernte ich nach und nach mehr Gäste kennen».

Neben den Interviewgästen sind auch jeden Tag verschiedene Handwerker bei der Bechburg anzutreffen. Teil des Programms ist es, dass sie den Besuchern zeigen, wie im Mittelalter gearbeitet wurde. Täglich sind drei verschiedene Handwerker in Oensingen zu Gast. Besucher können dabei selber ausprobieren, ob sie für ein Leben im Mittelalter geeignet gewesen wären: Sie dürfen bei den Handwerkern mithelfen, und sich einen «Oensinger Zibelizopf» oder einen Korb flechten. Oder dabei zusehen, wie aus Flachs Leinen entsteht. Jede Woche gibt es ausserdem einen Spezialevent, etwa das «Schloss Zmorge» am 30. Juli: Dann fahren Besucher mit der Kutsche auf die Burg, um dort beim Frühstück ein bisschen Mittelalterluft zu schnuppern.