Laupersdorf
PWF Kunststofftechnik AG befindet sich auf Wachstumskurs

Die vor 25 Jahren gegründete PWF Kunststofftechnik AG befindet sich auf Wachstumskurs – mit einer Firmenakquisition vervollständigt das Unternehmen die Wertschöpfungskette.

Franz Schaible
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Wächst auch im Jubiläumsjahr weiter: Am Standort Laupersdorf beansprucht das Unternehmen eine Produktionsfläche von 4000 Quadratmetern.

Wächst auch im Jubiläumsjahr weiter: Am Standort Laupersdorf beansprucht das Unternehmen eine Produktionsfläche von 4000 Quadratmetern.

Bruno Kissling

Peter-Paul Winkler hat gute Nachrichten für die regionale Wirtschaft in Laupersdorf. Sein Unternehmen, die PWF Kunststofftechnik AG, ist sehr gut unterwegs – und befindet sich weiter auf Wachstumskurs.

«Wir konnten in den vergangenen Jahren unseren Umsatz um jährlich rund 15 Prozent steigern», sagt der Unternehmer stolz. Und auch im laufenden Jahr würden die Verkäufe zweistellig wachsen. Die Zahl der Mitarbeitenden hat sich inzwischen auf 40 erhöht. Winkler verweist dazu auch auf das Firmenleitbild: «Wir wollen qualifizierte Arbeitsplätze für die Menschen in der Region schaffen.»

Jetzt macht das KMU nochmals einen Sprung nach vorne. «Wir haben die Firma Max Allemann Werkzeugbau AG in Wiler bei Utzenstorf übernommen», so der Unternehmer. Die Akquisition der Berner Firma – sie ist in einem ähnlichen Segment tätig – erfolge im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Winkler verspricht sich davon Synergien, könne doch unter anderem die Wertschöpfungskette vervollständigt werden. Bislang habe man die Werkzeuge für die Fertigung von Kunststoffteilen ausschliesslich extern zugekauft. Nun könne man die Entwicklung und die Konstruktion sowie eben den Werkzeugbau aus einer Hand anbieten. Die Folge: PWF muss weniger Dienstleistungen zukaufen. Der Standort Wiler bleibe erhalten, PWF werde nun über zwei Produktionsstätten verfügen.

Die Übernahme führt für die PWF zu einem Wachstumssprung. Winkler nennt einige Zahlen: Die Zahl der Mitarbeitenden steigt auf 65, der Umsatz wird sich von 8,5 Millionen auf 15 Millionen Franken fast verdoppeln. Auch der Maschinenpark – sprich primär die Anzahl Kunststoffspritzmaschinen – erhöht sich von aktuell 20 auf 45 Anlagen.

Vom Aargau ins Dünnerntal

Die PWF Kunststofftechnik AG wurde 1994 im aargauischen Rupperswil von einem Hamburger Industriellen gegründet. Der Start erfolgte mit 5 Spritzgussmaschinen auf einer Produktionsfläche von nur 500 Quadratmetern. Nach dem Besitzerwechsel im 2006 erfolgte der Umzug in deutlich grössere Räumlichkeiten in Niederlenz. «Ich wollte immer schon als selbstständiger Unternehmer arbeiten», begründet Peter-Paul Winkler den damaligen Firmenkauf mit acht Mitarbeitenden. Zuvor arbeitete der promovierte Chemiker mit MBA-Abschluss als Technischer Direktor beim Schweizer Ableger eines US-Kunststoffkonzerns. Unter Winklers Leitung wuchs PWF stark. Innert fünf Jahren habe sich der Umsatz auf 4,5 Millionen Franken verdreifacht, der Standort Niederlenz wurde zu klein.

Der Schritt nach Laupersdorf erfolgte 2012 mit der Übernahme der dortigen FamTech Kunststofftechnologie AG. Die PWF zügelte an den mit 4000 Quadratmetern Produktionsfläche deutlich grösseren Standort im Dünnerntal.

50 Millionen Teile pro Jahr

Dort produziert das Unternehmen jährlich rund 50 Millionen Kunststoffteile. Hinzu kommen weitere 30 Millionen Teile, welche in der akquirierten Firma in Wiler gefertigt werden. Die quantitative Spanne der Aufträge ist gross – von einigen tausend bis hin zu mehreren Millionen. Die Kunden sind internationale Grosskonzerne wie ABB, Bombardier, Bosch oder Siemens, zunehmend auch schweizerische und europäische KMU, wie Winkler auf dem Rundgang durch das Unternehmen erklärt. Ebenso breit ist der Branchenmix, von der Elektronik und Elektro über Möbel, Kaffeemaschinen, Maschinenbau bis hin zur Medizinaltechnik. Zudem bietet die PWF auch die Nachbearbeitung von Kunststoffteilen, die Montage von ganzen Baugruppen sowie eigene Produkte an. Ein Beispiel sind Elektroinstallationsmaterialien wie Stecker, Dosen und Muffen. Den Exportanteil – direkt und indirekt – beziffert Winkler auf über 80 Prozent. Die Hauptmärkte sind in Europa und in Asien.

Dass die Unternehmung mit Standort Laupersdorf im Bereich der Massenproduktion international bestehen kann, begründet Winkler wie folgt: «Unsere Fertigung ist dank einem modernsten Maschinenpark weitgehend automatisiert. Der Anteil der manuellen Arbeiten bei Grossserien ist sehr tief.» Dies bedinge stetige Investitionen in die Fertigungsanlagen. Diese lägen bei rund einer Million Franken jährlich, welche man aus den selbst erarbeiteten Mitteln stemmen könne. Der Wettbewerbsdruck sei sehr stark. «Der Mix aus Preis, Qualität und Lieferbereitschaft muss stimmen. Das bedingt einen sehr effizient geführten Betrieb.»

Das Fundament für eine erfolgreiche Weiterentwicklung sei dank der hohen Automation, der Effizienz des Betriebes und der jüngsten Akquisition gelegt, ist Winkler überzeugt. Auch die Nachfolge – «ich bin bereits 62-jährig» – ist aufgegleist. Seine Tochter arbeitet derzeit am Master-Abschluss in Unternehmensführung an der Universität St. Gallen. Nach einigen Berufsjahren im Bereich der Unternehmensberatung werde sie topvorbereitet sein. Winkler: «Sie ist sehr motiviert, in einigen Jahren meine Nachfolge anzutreten und den Betrieb weiterzuführen.»