Regio-S-Bahn
Pünktlicher und sauberer: SBB wettet mit 5 Kantonen um bis zu 350000 Franken

2014 gilt das Bonus-Malus-System – die Züge sollen pünktlicher und sauberer werden. Wenn das nicht geschieht, zahlen die SBB, sonst der Kanton.

Leif Simonsen und Simon Binz
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Die SBB verpflichten sich: 2014 sollen die Regio-S-Bahn-Züge pünktlicher und sauberer werden. Der Kanton Solothurn wettet dagegen. Archiv

Die SBB verpflichten sich: 2014 sollen die Regio-S-Bahn-Züge pünktlicher und sauberer werden. Der Kanton Solothurn wettet dagegen. Archiv

Nicole Nars-Zimmer

Die SBB geben sich selbstbewusst: Sie glauben, dass die Regio-S-Bahn in der Nordwestschweiz im nächsten Jahr pünktlicher, die Bahnhöfe sauberer und ihre Kunden zufriedener werden. Die Kantone Solothurn, Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Jura zweifeln. Und so haben sich nun die SBB und die fünf Kantone gewissermassen auf eine Wette geeinigt.

Zu verdienen gibt es maximal 350 000 Franken. Dieser Betrag geht an die SBB, wenn sie alle Kriterien perfekt erfüllen, – und an die Kantone, wenn die SBB den Ansprüchen nicht genügen.

System ist nur in Zürich bekannt

Ein solches Bonus-Malus-System wurde vom Kanton Baselland angeregt, sagt Ludwig Dünbier, Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr im Amt für Verkehr und Tiefbau des Kantons Solothurn. Sie hätten im Kreise aller Kantone das Projekt besprochen und entschieden, man könne es ja mal versuchen. Dünbier erklärt, dass sich an solchen Projekten alle Bestellerkantone beteiligen müssen, damit sie überhaupt zustande kommen.

Somit war die Voraussetzung für die zunächst zweijährige Vereinbarung gegeben. Der Leiter des öffentlichen Verkehrs gibt zu, dass man auch einige Bedenken habe. «Die Einflussmöglichkeiten sind relativ gering, da die Strecken der Regio-S-Bahn hoch belastet sind.» Darum sei es schwer abzuschätzen, was herausschauen werde. Zum Geldbetrag meint Dünbier: Die Aktion habe zwei Seiten. Wenn man das Geld ausgeben müsse, weil die SBB sich verbessere, komme dies auch den Kunden zugute. «Wenn die Leistung besser wird, kommen auch wieder mehr Kunden und deren Fahrgelderlöse dürfte einen Teil des auszuzahlenden Bonus wieder gutmachen.»

Und vor allem aber auch: Da der Kanton Solothurn nur Juniorpartner der Regio-S-Bahn sei, müsse er der SBB bei einer Verbesserung auch nur «einen kleinen Betrag zahlen». Maximal wären das 20 000 Franken, so Dünbier. Und wenn die SBB dem Kanton Geld zahlen müsse, dann spare man ja so oder so.

Erfahrungen mit dem Bonus-Malus-System haben die SBB in der Schweiz mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) sammeln können. Hier wird schon seit 2006 so abgerechnet: Nur einmal, 2009, mussten die ZVV einen Bonus bezahlen, sechsmal mussten die SBB in die Tasche greifen. Im letzten Jahr, so betont SBB-Sprecherin Lea Meyer, seien die Ausgleichszahlungen vernachlässigbar gewesen: «Wir mussten dem ZVV 87 000 Franken bezahlen. Dies bei einem maximalen Bonus oder Malus von knapp fünf Millionen Franken.»

Der Kunde profitiert

Die höchstmögliche Busse bemisst sich an den Leistungen, welche die Region bei der SBB einkauft: Für die drei S-Bahn-Linien S 1 (Basel–Frick / Laufenburg), S 3 (Basel–Olten–Delémont) und S 9 (Sissach–Läufelfingen–Olten) zahlen die fünf Nordwestschweizer Kantone jährlich 35 Millionen Franken. Der maximale Bonus/Malus beträgt somit ein Prozent. Für die Erhebung der objektiven und subjektiven Kriterien sind die SBB und die Kantone zuständig.

Die Pünktlichkeit wird von den Bundesbahnen ohnehin schon gesamtschweizerisch gemessen, sagt Meyer. Als unpünktlich gilt ein Zug, wenn er drei Minuten Verspätung hat. Für die Wertung fällt stärker ins Gewicht, wenn sich ein Zug während der Rushhour um halb acht Uhr morgens verspätet als etwa um elf Uhr abends. Zweimal jährlich werden die Kantone in den Zügen zudem Zufriedenheitsumfragen durchführen, welche dann von einem Marktforschungsinstitut ausgewertet werden. Und um die Sauberkeit in den Bahnhöfen zu testen, haben die SBB externe Testkunden angestellt, die einem vorgegebenen Routenplan folgen.

Unabhängig davon, wer am Ende vom Bonus profitiert oder den Malus berappen muss: In Solothurn erhofft man sich trotz Bedenken eine Verbesserung für den Kunden. «Es wäre schön, wenn sich die Pünktlichkeit der Züge, die Sauberkeit der Bahnhöfe und dadurch die Zufriedenheit des Kunden verbessert», sagt Ludwig Dünbier.

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