Menschenhandel

Puffmutter in der Schweiz zahlte bis 12'000 Franken für thailändische Sexsklavinnen

Die Frauen mussten an 7 Tagen die Woche während 24 Stunden auf Abruf bereit stehen. (Symbolbild)

Die Frauen mussten an 7 Tagen die Woche während 24 Stunden auf Abruf bereit stehen. (Symbolbild)

Eine Puffmutter hatte Frauen in armen Gegenden Thailands gekauft und zur Prostitution in die Schweiz gebracht. Nun hat die Menschenhändlerin vor Amtsgericht drei Jahre kassiert.

Chompoo K.* hat zwischen 2009 und 2014 in den Städten Basel und Solothurn in Thai-Clubs im grossen Stil Prostituierte ausgebeutet. Am Montag verurteilte das Amtsgericht Solothurn-Lebern die 49-jährige Thailänderin mit Schweizer Pass wegen Menschenhandel und Förderung der Prostitution sowie diverser Vergehen gegen das Ausländergesetz zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten sowie einer Geldstrafe.

Rund um die Uhr für Sex bereit

Gemäss Anklageschrift hat Chompoo K. in der Schweiz von einer Landsfrau mehrere Geschädigte aus armen Gegenden in Thailand gekauft, zu Preisen zwischen 9000 und 12'000 Franken, einmal für 3000 Franken. Diese Sexsklaven (in einem Fall handelt es sich um einen Mann, die übrigen sind Frauen) mussten der Kundschaft rund um die Uhr zur Verfügung stehen, während sieben Tagen pro Woche. Bei Chompoo K. mussten sie Schulden abzahlen, kochen und putzen und ihr Essen selbst bezahlen. Ohne Kenntnis einer Landessprache und kulturell dem Respekt gegenüber Vorgesetzten verpflichtet, hatten die Geschädigten keine Möglichkeit, sich aus der Ausbeutung zu befreien.

«Das Verfahren gegen Frau K. gestaltete sich in der ersten Phase mühselig. Sie spielte ihre Rolle herunter und zeigte sich uneinsichtig, was ihre Vergehen angeht», begann Staatsanwältin Regula Echle ihre Ausführungen. Später habe sich die Angeklagte jedoch kooperativ gezeigt und schliesslich ein Geständnis abgelegt, «das mehr als ein Lippenbekenntnis war», indem sie zusätzliche Geschädigte nannte, von denen die Staatsanwaltschaft zuvor keine Kenntnis gehabt habe. Seit Mai 2016 befindet sich Chompoo K. im vorzeitigen Strafvollzug, wo sie neben der Arbeit Deutschkurse besucht.

Gier nach Geld

Diese Ausgangslage ebnete den Weg zum abgekürzten Verfahren. Dieses dauerte inklusive mündlicher Urteilseröffnung nur eine Stunde. Umso umfangreicher präsentiert sich die Anklageschrift mit 26 Seiten. Im Zentrum steht die Anklage auf Menschenhandel in sechs Fällen und 18 Fälle von Förderung der Prostitution. Verbunden damit sind Vergehen gegen Reise- und Aufenthaltsbestimmungen von Ausländern sowie deren illegale Beschäftigung.
«Die Motivation der Beschuldigten war hauptsächlich finanzieller Natur. Sie hat sich seit 2009 während mehrerer Jahre in diesem Geschäftsmodell bedient, Sexarbeitende ausgebeutet und ihnen rigorose Regeln auferlegt. Als ihr die Konkurrenz in Basel zu gross wurde, hat sie nach Solothurn gewechselt.» Dabei sei die Angeklagte selbst auch in Geldnöten gewesen, führte die Staatsanwältin aus.

Der Verteidiger, Dominik Schnyder, teilte grundsätzlich die Ansicht der Staatsanwaltschaft zum Fall. Er gab lediglich zu bedenken, dass Frauen wie Chompoo K. alle eine Vorgeschichte hätten: «Die Täter, die heute vor Gericht stehen, sind immer auch Opfer gewesen.» Seine Mandantin habe früher «wohl unter ähnlichen Bedingungen gearbeitet».

Das Gericht verurteilte Chompoo K. zu 36 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt sowie einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen von 20 Franken. Eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 50 Franken, 2012 ausgesprochen durch die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, bleibt bestehen. Ausserdem muss K. mehreren ihrer Opfer Genugtuung in der Höhe zwischen 6000 und 17'000 Franken plus Zinsen zahlen. Hinzu kommen die Verfahrenskosten.
* Name von der Redaktion geändert.

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