Crowdfunding
«Tierkontakt baut Stress ab und gibt Geborgenheit»: Solothurner Psychotherapeutin setzt sich für Therapie mit Pferden ein

Sie urteilen nicht, stellen keine Fragen und schenken Aufmerksamkeit: Pferde können gut in Therapien eingesetzt werden. In einem Crowdfunding sammelt der Solothurner Verein Hippominos Geld, um den Freiberger Domino als Therapiepferd auszubilden.

Ann-Kathrin Amstutz
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Psychotherapeutin Regula Blöchlinger besucht Domino in seinem Stall im Jura. Schon bald ist der Freiberger reif für den Einsatz als Therapiepferd.

Psychotherapeutin Regula Blöchlinger besucht Domino in seinem Stall im Jura. Schon bald ist der Freiberger reif für den Einsatz als Therapiepferd.

zvg

Bald ist er im richtigen Alter, um als Therapiepferd eingesetzt zu werden: der Freiberger Wallach Domino. Seit Jahren wird er mit Geldern vom Solothurner Verein Hippominos, der tiergestützte Therapien fördert, zu diesem Zweck ausgebildet. Doch nun fehlt dem Verein eine Summe von 35'000 Franken, um Domino weiter auszubilden, seinen Unterhalt für das nächste Jahr zu stemmen und seine Ausstattung zu bezahlen. Seit Mitte Mai läuft deshalb auf der Plattform «Lokalhelden» ein Crowdfunding für das Projekt «Domino wird Therapiepferd».

«Neugierig, selbstsicher, menschenbezogen»: Im Video erfahren Sie, welche Eigenschaften Domino auszeichnen und weshalb er als Therapiepferd geeignet ist.

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Wie muss man sich eine pferdegestützte Psychotherapie vorstellen? Regula Blöchlinger vom Verein Hippominos ist ausgebildete Psychotherapeutin mit einer Zusatzausbildung für pferdegestützte Psychotherapie und führt eine Praxis in Solothurn. Über diese würden die Therapien mit Domino künftig organisiert. Blöchlinger erklärt: «Vielen Menschen fällt es schwer, die eigenen Gefühle in Worte zu fassen. Da kann der Zugang zu einem Tier einfacher fallen, weil man nicht viel reden muss.»

«Das Tier urteilt nicht, ist immer ehrlich und stellt keine Fragen»

Auch das Wertfreie im Umgang mit Tieren mache viel aus: «Das Tier ist einfach da und gibt Aufmerksamkeit. Es urteilt nicht, ist immer ehrlich und stellt keine Fragen.» So könne die pferdegestützte Therapie etwa für Menschen mit Asperger-Syndrom oder mit einer posttraumatischen Belastungsstörung hilfreich sein, um den Beziehungsaufbau zu fördern. Oder auch einfach, um zur Ruhe zu kommen: Tierkontakt wirke stressmindernd und schenke Geborgenheit.

Pferde sind laut Blöchlinger für tiergestützte Therapien besonders gut geeignet – aus mehreren Gründen: «Es sind sensible Tiere, die eine sorgfältige Pflege erfordern, aber auch mit ihrer Grösse beeindrucken.» Blöchlinger sagt, auch sie habe im Umgang mit Pferden viel über sich selbst gelernt. Bei der pferdegestützten Psychotherapie gehe es mitunter darum, Verantwortung zu übernehmen. «Wenn ich aggressiv bin, reagiert das Pferd – nicht, weil es mich als Menschen bewertet, sondern weil ich mich nicht korrekt verhalten habe», erklärt Blöchlinger.

Ausbildnerin Yveline Gindrat und Domino üben mit einem bunten Drachen.
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Yveline Gindrat führt Domino über die Hindernisse.
In verschiedenen Übungen wird Domino auf seine Aufgaben als Therapiepferd vorbereitet.
Nach getaner Arbeit geht's zurück in Richtung Stall.

Ausbildnerin Yveline Gindrat und Domino üben mit einem bunten Drachen.

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Genau das sollen Menschen im Umgang mit Domino erlernen. Als Freiberger Pferd oder «Fribi», wie die einheimische Rasse auch liebevoll genannt wird, bringt Domino einen ruhigen und geduldigen Charakter mit. «Bei ihm hat man von Anfang an gemerkt, dass er sehr menschenbezogen ist», so Blöchlinger. Die Grundvoraussetzungen stimmen also schon mal.

Bald ist Domino reif für den Einsatz als Therapiepferd

Seit einigen Wochen ist Domino von der Winterweide zurück in seinem Stall im Jura. Dort lernt er in der Ausbildung den Umgang mit Lärm wie auch mit Menschen, die sich mit Pferden nicht auskennen und Domino die nötige Sicherheit nicht geben können: «Er darf sich nicht so leicht erschrecken oder aus der Ruhe bringen lassen. Gleichzeitig muss er aber auch gerne mit Menschen arbeiten», so Blöchlinger.

Im kommenden Frühling wird Domino sieben Jahre alt. Dann ist er alt und vor allem reif genug für den Einsatz als Therapiepferd. Der Verein Hippominos hofft auf finanzielle Unterstützung, um Dominos Ausbildung vollenden zu können.