Stress

Psychologen erwarten mehr Anfragen – Tipps, um die Coronakrise erfolgreich zu überstehen

Die Coronakrise kann der Bevölkerung auf die Stimmung drücken .Symbolbild/H.Bärtschi

Die Coronakrise kann der Bevölkerung auf die Stimmung drücken .Symbolbild/H.Bärtschi

Einsamkeit oder Angst um den Job - die Coronakrise bedeutet für viele Menschen Stress. In den Therapiesitzungen der Psychologinnen und Psychologen ist das Coronavirus deshalb regelmässig ein Thema. Langfristig könnte die Krise zu einer Zunahme von psychischen Problemen führen.

Obwohl die sonnigen Tage Lust darauf machen, den Tag im Freien zu verbringen: Ausgehen liegt momentan nicht drin. Oder jedenfalls nicht so, wie wir es uns normalerweise gewohnt sind. Der Ausnahmezustand in der Schweiz wird noch andauern, darüber sind sich die Experten einige.

Der Bund und die Regierung des Kantons Solothurn betonen dann auch an jeder Medienkonferenz: Die verordneten Massnahmen sind einzuhalten. Lebensmittel oder notwendige Güter einzukaufen ist okay, auch ein Spaziergang in der Sonne liegt drin. Das war es dann aber im Idealfall auch schon.

Die ausserordentliche Lage macht vielen Menschen zu schaffen. Unter anderem deshalb, weil niemand genau sagen kann, wie lange sie noch dauern wird. Das sagt Yvik Adler, Psychotherapeutin für Erwachsene mit einer Praxis in Solothurn. Sie ist ausserdem Co-Präsidentin der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen, und gibt im Namen der Solothurner Psychologinnen und Psychologen Auskunft.

In den Praxen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten komme das Coronavirus momentan fast in jeder Therapiesitzung zu Sprache. Bei Menschen, die ohnehin schon mit psychischen Problemen kämpfen, werden diese durch die aktuelle Lage teilweise verschärft, so Adler. Allen würden ähnliche Schwierigkeiten zu schaffen machen: «Das Ansteckungsrisiko, der Verlust an Tagesstruktur, Angst vor finanziellen Problemen und die Unsicherheit, wie lange die Situation noch dauert.»

Psychologinnen und Psychologen erwarten mehr Anfragen

Auch Personen, die bisher keine Psychotherapie absolvierten, würden sich jetzt in den Praxen melden. «Wer an der Grenze zu einer Angststörung oder einer Depression stand, der rutscht jetzt eher ab», so Adler. «Diese Menschen sind mit der Situation überfordert.»

In den nächsten Wochen erwartet Adler eine zunehmende Anzahl Anfragen in den kantonalen Praxen. «Viele Probleme werden erst mit der Zeit auftauchen», sagt die Psychotherapeutin. «Es gibt bestimmte Berufsgruppen, die jetzt besonders gefordert sind und unter grossem Druck stehen. Etwa das Pflegepersonal oder Ärzte, die direkt Coronapatienten behandeln. Bei ihnen ist die Gefahr gross, ein Burnout zu erleiden.» Auch eine posttraumatische Belastungsstörung ist laut Adler möglich.

Gleichzeitig gebe es Probleme, die sich durch fehlende Strukturen im Alltag verschlimmern könnten. Ein aktuell wichtiges Thema seien etwa Alkoholerkrankungen. «Alkohol kann ein Mittel dazu sein, mit der Situation fertig zu werden. Es kann sein, dass suchtgefährdete jetzt schon am Morgen oder am Mittag zur Flasche greifen.»

Auf nationaler wie auch kantonaler Ebene versuchen die Psychologinnen und Psychologen jetzt, sich für die steigende Nachfrage zu wappnen. Einerseits haben viele ihr Angebot angepasst und bieten nun vermehrt Beratungen per Telefon oder Online an. Die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen bietet auf ihr Webseite ausserdem eine Übersicht über die verschiedenen Angebote in der Schweiz.

Autor

Rebekka Balzarini

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