Amtsgericht
Prügelnder «Teletubby» wurde endlich verurteilt

Vor dem Amtsgericht kam es im dritten Anlauf zur Beurteilung der Deitinger Fasnachtsschlägerei von 2009, als ein als «Teletubby» maskierter Mann ausrastete. Das Gericht rekonstruierte den Tatablauf vor allem basierend auf ihren Zeugenaussagen

Hans Peter Schläfli
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Fasnacht in Deitingen kann durchaus friedlich verlaufen, wie hier im Bild. Doch im Februar 2009 war es am Rande eines Maskenballs zu einer wüsten Schlägerei gekommen. Archiv: bar

Fasnacht in Deitingen kann durchaus friedlich verlaufen, wie hier im Bild. Doch im Februar 2009 war es am Rande eines Maskenballs zu einer wüsten Schlägerei gekommen. Archiv: bar

Archiv: bar

«Es mag lustig klingen, dass sich Teddybären mit Teletubbies prügeln. Doch was an der Fasnacht 2009 in Deitingen passierte, das war längst kein Spass mehr.» Mit diesen Worten brachte Rechtsanwältin Eveline Roos, die zwei Opfer vertrat, jene Nacht voller Aggressionen und Gewalt auf den Punkt.

«Ich weiss nur noch, wie ich in die Zweienhalle gekommen bin, und dann wieder, wie ich im Krankenwagen wegtransportiert wurde», sagte Willhelm T.*, eines der Opfer, vor Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. Das war ehrlich, aber natürlich keine Hilfe für die Anklage. Die wichtigste Zeugin war somit Margrit M.*, eine mittlerweile 64-jährige Anwohnerin, die die Schlägereien von ihrem Wohnungsfenster aus gesehen und die Polizei alarmiert hatte. Sie notierte alle Beobachtungen, bevor sie sich an jenem ominösen 21. Februar 2009 schlafen legte. Das Gericht rekonstruierte den Tatablauf vor allem basierend auf ihren Zeugenaussagen.

Demnach war zuerst eine – bis heute unbekannte – Fünfergruppe prügelnd in Aktion. Später wurden drei verschiedenfarbige Teletubbies aktiv, und dann eskalierte die Situation und eine wahre Massenschlägerei brach aus. Der gelbe Teletubby riss in der Folge einen Holzpfosten aus dem Boden, schlug wild um sich und auf alle möglichen Leute ein. Anhand des auffälligen Kostüms konnte die Polizei schliesslich den heute 24-jährigen Björn S.* aus dem benachbarten Oberaargau als eben diesen gelben Teletubby identifizieren und zur Anklage bringen.

Trotzdem gab es nicht in allen Anklagepunkten einen Schuldspruch. «Es war nicht klar zu bestimmen, wer Willhelm T. die Verletzungen zufügte», erklärte Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt den Freispruch im Anklagepunkt der einfachen Körperverletzung. Man dürfe es sich nicht zu einfach machen und alles pauschal Björn S. anlasten.

Verjährung: Keine Genugtuung

Dreieinhalb Jahre sind diese Schlägereien nun schon her. Zum dritten Mal traf man sich vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. Zunächst hatte der Staatsanwalt die Übersicht verloren und in der ersten Anklageschrift die Namen der verschiedenen Opfer durcheinander gebracht. Beim zweiten Anlauf kam es dem Angeklagten Björn S. dann in den Sinn, dass er nun doch einen Anwalt wolle, was wieder einen Unterbruch zur Folge hatte. Und nun, beim dritten Anlauf, brachte es der Staatsanwalt fertig, in der Anklageschrift im Namen eines Opfers und Privatklägers ein «H» zu erfinden, das dort nicht hingehört. Trotzdem konnte der Fall nun abgeschlossen werden.

Die grossen Verzögerungen hatten aber Folgen für eines der Opfer: Tätlichkeiten verjähren bereits nach drei Jahren. Der zweite Anklagepunkt lautete zwar auf Angriff. Rechtlich ist ein solcher nur gegeben, wenn mindestens zwei Leute zusammen in feindseliger Absicht auf jemanden losgehen. «Nachweislich hat Björn S. mit dem Holzpfosten auf Willhelm T.s Kopf geschlagen», erläuterte der Gerichtspräsident das Problem. «Das kann aber nicht als Angriff eingestuft werden, weil er dabei alleine war. Ich qualifiziere dies deshalb als Tätlichkeit.» Wegen der somit inzwischen eingetretenen Verjährung konnte das Gericht auch nicht auf die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung von Willhelm T. eingehen.

Bei den weiteren Anklagepunkten gab es dann aber klare Schuldsprüche. So wurde Björn S. doch noch wegen Raufhandels und wegen einfacher Körperverletzung verurteilt. Er hatte zusätzlich am Fischfest 2010 in Wangen an der Aare einem Opfer mit einem Faustschlag die Nase gebrochen, und im Januar 2011 in Bern einem Mann eine vier Zentimeter lange Schnittverletzung zugefügt.

Börn S. wurde zu einer bedingten Busse von 150 Tagessätzen verurteilt, mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. In dieser Zeit wird er der Bewährungshilfe unterstellt und er muss eine Gewaltberatung besuchen. Das Opfer mit dem doppelten Kieferbruch erhält eine Genugtuung von 1000 Franken, ebenso jenes mit der Schnittwunde, und auch die Prozesskosten muss Björn S. bezahlen.

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