Prozess
Auch für das Solothurner Obergericht ein klarer Fall: Die «Türsteher» waren Erpresser

Das Solothurner Obergericht bestätigt Schuldsprüche gegen Schwiegervater und Schwiegersohn, die in Grenchen in einer Musikbar ihr Unwesen getrieben hatten.

Hans Peter Schläfli
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Die Männer sollten nach dem Rechten schauen. Dafür seien sie bezahlt worden, so die Angeklagten. (Symbolbild)

Die Männer sollten nach dem Rechten schauen. Dafür seien sie bezahlt worden, so die Angeklagten. (Symbolbild)

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Es sind zwei imposante Erscheinungen, die sich in den vergangenen Tagen vor dem Solothurner Obergericht zu verantworten hatten: Den 55-jährigen Schwiegervater und auch den 33-jährige Schwiegersohn könnte man gemeinhin als «Kleiderschränke» bezeichnen. Zwei Typen, die rein durch ihr muskulöses Aussehen als Türsteher für Ruhe und Ordnung sorgen.

Die beiden Männer aus dem kosovo-albanischen Kulturkreis nutzten ihr Netzwerk und ihren gewalttätigen Ruf, um 2016 in Grenchen von der Betreiberfamilie einer Bar mit balkanischen Musikshows während Monaten Schutzgeld einzufordern, befand jetzt auch das Obergericht.

Das Sicherheitsdispositiv, mit dem die Angeklagten in den Obergerichtssaal geführt wurden, war beeindruckend. Darüber ärgerte sich Rechtsanwalt Liniger, der den Jüngeren verteidigte. «Vier Uniformierte und ein Polizist in Zivil, das ist unverhältnismässig, denn die beiden Angeklagten haben sich im Verfahren immer korrekt verhalten», sagte Liniger.

Obergerichtspräsident Hanspeter Marti stellte dies richtig: «Die Polizei ist hier, um die beiden Beschuldigten zu schützen, denn von beiden Seiten wurde gemeldet, dass gegen sie massive Drohungen ausgesprochen wurden. Das kantonale Bedrohungsmanagement hat uns dieses Dispositiv empfohlen, um die Sicherheit der Beschuldigten zu garantieren.»

Das Anstellungsverhältnis, das keines war

Kurz nachdem im Dezember 2015 das Inventar der Grenchner Musikbar während einer Schlägerei durch Gäste zerstört worden war, sind die beiden Angeklagten dort aufgetaucht. «Ich wurde gebeten, in der Bar als Sicherheitsmann zu arbeiten und dafür habe ich logischerweise einen Lohn verlangt», erklärte sich der Schwiegervater dem Gericht. «Ich wurde den Kunden in der Bar als Partner vorgestellt und wir hatten keine Probleme, so lange ich dort war. Alle hatten Respekt vor mir.» Alles sei eine falsche Anschuldigung.

«Die Betreiberfamilie will sich an uns rächen, weil ich dem Sohn einmal eine Ohrfeige geben habe.»

Rechtsanwalt Oswald beschrieb den Schwiegervater als optimalen Türsteher. Die etwas rauen Sitten gehörten im Balkan-Milieu einfach dazu.

«Sie haben mit Gewalt und Drohungen so lange Zahlungen ohne echte Leistung gefordert, bis die verängstigten Opfer nicht mehr zahlen konnten und zur Polizei gingen», sagte Staatsanwältin Regula Echle. Ein Indizienmosaik, das aus Aussagen der Geschädigten, Videoaufnahmen und Aufzeichnungen der Handydaten bestand, stützte die Anklage.

Es konnte zwar nicht bewiesen werden, dass die Angeklagten am Anfang für den Vandalismus in der Musikbar gesorgt hatten, aber das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie keine Türsteher, sondern Erpresser sind. Die Angst der Betreiberfamilie war so real, dass diese in ein Opferschutzprogramm aufgenommen wurde und nicht mehr in der Region lebt.

Urteil der Vorinstanz weitgehend bestätigt

Die beiden Männer wurden 2019 vom Amtsgericht Solothurn-Lebern der fortgesetzten, gewerbsmässigen Erpressung und weiterer Delikte schuldig gesprochen. Das Obergericht bestätigte dieses Urteil weitgehend.

Nur bei der Qualifikation des Hauptanklagepunktes gab es eine kleine Differenz, indem der Schuldspruch diesmal auf fortgesetzte und nicht mehr auf gewerbsmässige Erpressung lautete. Dazu kamen Schuldsprüche etwa wegen Tätlichkeiten, wegen unrechtmässiger Aneignung, weil der Schwiegersohn an einem Bankomaten in Biel einem Opfer 1000 Franken abnahm, sowie einfacher Körperverletzung, als ein Grenchner Busfahrer verprügelt wurde.

Gegen den Älteren wurde eine unbedingte Freiheitsstrafe von 42 Monaten ausgesprochen, gegen den Jüngeren eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten, von denen 12 Monate unbedingt zu verbüssen sind.